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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Unterschriftensammlung_gegen_Museumsinsel-Plaene_in_Berlin_26638.html

06.03.2007

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Künstliche Brutalisierung

Unterschriftensammlung gegen Museumsinsel-Pläne in Berlin


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Eine Bürgerinitiative mit prominenten Unterstützern wie Günther Jauch und Lea Rosh hat am 5. März 2007 die Vorbereitungen für ein Volksbegehren „gegen die Verunstaltung der Berliner Museumsinsel mit modernen Neubauten“ gestartet. In der ersten Stufe müssen innerhalb der nächsten sechs Monate 20.000 Unterschriften gesammelt werden. In einer eventuellen zweiten Stufe müssten sich dann sieben Prozent der Wahlberechtigten, das wären 170.000 Unterschriften, für das Volksbegehren einsetzen.

Die Hauptkritik der Initiative richtet sich gegen das von David Chipperfield (London/Berlin) geplante zentrale Eingangsgebäude vor dem historischen Neuen Museum und dessen Innenausbau in zeitgenössischer Architektursprache.

Wettbewerbsgewinner Chipperfield hatte in einem langjährigen Planungsverfahren das dringend erforderliche Eingangsbauwerk in moderner Formensprache entworfen. Nach Kritik hatte er im August 2006 angekündigt, den Entwurf noch einmal zu überarbeiten: „Das Haus soll in zeitgemäßer Architektursprache entstehen, aber auch der herausragenden Qualität der umgebenden historischen Museumsbauten Reverenz erweisen“, so Chipperfield (siehe BauNetz-Meldung vom 10. August 2006). Für die Übergangszeit bis zur Vorstellung des neuen Entwurfs hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Simulation der Museumsinsel anfertigen lassen, bei der das Eingangsbauwerk nur schematisch zu erkennen ist (siehe nebenstehendes Bild).
Mit dem Baubeginn wird für 2009 gerechnet; die Finanzierung durch den Bund in Höhe von 79 Millionen Euro ist seit Herbst 2006 sichergestellt. Die Initiatoren des Volksbegehrens wollen einen Planungs- und Baustopp erreichen.

Kommentar der Redaktion

Wer die Namen der in dieser Bürgerinitiative versammelten Bürger einordnen kann, weiß, aus welcher Ecke hier der Wind weht: Aus der Ecke vollkommen unbelehrbarer Traditionalisten, denen jedwede zeitgenössische Architektursprache undifferenziert ein Gräuel ist. Das beweist die Sprache, der sie sich bedienen: Der Chipperfield-Entwurf sei eine „künstliche Brutalisierung und totale Zerschlagung“ eines „in 100 Jahren durch geniale Baumeister entstandenen historischen Kulturerbes“.

Der Fernsehmoderator Günter Jauch ist schon in seiner Wahlheimat Potsdam als eiserner Reko-Befürworter aufgefallen, und die Publizisten Wolf Jobst Siedler und Arnulf Baring sind ebenfalls seit Jahrzehnten immer ganz vorne mit dabei, wenn es gilt, alles, was nach Moderne riechen könnte, zurückzudrängen.
Der Vogel abgeschossen wird aber durch die Person der Sprecherin der Initiative, Annette Ahme. Sie hatte schon in ihrer früheren Funktion als Geschäftsführerin der „Gesellschaft Historisches Berlin“ die Berliner Redaktionen durch ihre atemlosen, naiv-dreisten Rundbriefe unfreiwillig erheitert. Auch wenn Ahme als Berufsbezeichnung „Historikerin“ angibt, hat sie eines nicht: Sinn für historische Zusammenhänge. Bei ihr ist grundsätzlich alles gut, was „alt“ aussieht, ganz gleich, ob es ein wertvolles historisches Baudenkmal oder eine geschichtsfälschende Rekonstruktion ist.

Mehr noch: Auch die Errichtung pseudohistorischer Neubauten ohne historisches Vorbild wird von diesen Leuten forciert – siehe BauNetz-Meldung vom 6. Juli 2006, wo ein peinlicher historisierender Gegenentwurf der „Gesellschaft Historisches Berlin“ für die Museumsinsel vorgestellt wird.

Aus der Ecke der Eiferer ist keine Einsicht zu erwarten. Die Erkenntnis, dass historische Baukomplexe wie Altstädte, Schlösser oder Museumsinseln sich eben in Jahrhunderten oder Jahrzehnten entwickelt haben und dabei jede Epoche das selbstverständliche Recht hatte und hat, in der Formensprache ihrer Zeit zu bauen – diese Grunderkenntnis der Baugeschichte wird einfach ausgeblendet.

Diskutieren kann man mit den Protagonisten nicht: Sie haben ihr festgefügtes Weltbild und machen es sich darin bequem. Das lässt sich gut dadurch illustrieren, dass die Initiative zur Zeit gegen ein Phantom kämpft: Der neue Chipperfield-Entwurf ist noch überhaupt nicht bekannt; der Bauherr behilft sich momentan mit einer Platzhalter-Darstellung bei der Visualisierung der Museumsinsel. Doch auch das ficht die Initiatoren nicht an: In ihrer Sicht kann alles, was von einem begabten, sensiblen, modernen Architekten wie Chipperfield stammt, nur Teufelswerk sein.

Benedikt Hotze


Kommentare

39

Christian | 19.03.2007 13:10 Uhr

Oh mein Gott

Also es kann ja nicht wahr sein, dass hier scheinbar 13 Jahre Diskussion wieder für die Katz' waren. Erstens muss der neue Entwurf von Chipperfield anders aussehen, da der Zugang zum Pergamonmuseum nach den letzten Planungen oberirdisch stattfinden wird und zweitens is ja auch nicht geklärt ob all die Nutzungen für die ursprüngliche Planung überhaupt in Chipperfields Entwurf weiter integriert werden müssen. Evtl kommt man ja doch noch auf die Idee den Pergamonhof zu überdachen, wobei da schon eher den alte Ungers das Zeitliche segnen müsste.

Ansonsten bleibt nur zu sagen. Ich resigniere vor den Stimmanns dieser Welt. Es lebe der Berliner Traufhöhen-Klassizismus *kotz

38

Thomas M. Krüger | 09.03.2007 09:49 Uhr

Chipperfield versus"Rettet die Museumsinsel

Immer wieder erschütternd ist die messianische Aktivät rückwärtsgewandte Stadtbildbeschwörer, die sich angeblich zum Wohle der Stadt aufschwingen, das Weltkulturerbe bewahren zu müssen. Welcher Geschichtsbegriff steckt eigentlich hinter der Initiative „Rettet die Museumsinsel“, der verkennt, daß gerade dieses architektonisch spannende Ensemble ein Ergebnis ständigen Weiterbauens kreativer zeitgenössicher Kräfte war? Von Schinkel über Stüler bis zum Stadtbaurat Ludwig Hoffmann haben sie alle über fast zweihundert Jahre in ihrer Zeit zukunftsweisend gebaut, ergänzt, abgerissen und verbessert. Jetzt soll nach Kriegszerstörung und langwieriger Wiederbelebung nach mehreren hochkarätigen Wettbewerben wieder ein Zustand eingefroren werden, der jedwede, dringend erforderliche Verbesserung negiert und angeblich einen Zustand schützen soll, der völlig ahistorisch und gegenwartsverneinend den fragmentarischen Nachkriegszustand beschwört. Ein neues funktionales und modernes Gebäude ist geradezu zwingend notwendig für eine funktionierende Museumsinsel, die 4 Millionen Besucher im Jahr erwartet. In einer Stadt, die Architekturtouristen anzieht, weil hier ein Potsdamer Platz, ein Regierungsviertel und ein Hauptbahnhof entstanden sind und nicht weil man versucht hat, ein Adlon wiederaufzubauen!
Daß sich gerade David Chipperfield seinerzeit mit einem klugen, die historische Bausubstanz hochintelligent respektierenden Konzept gegen einen glitzernden Architekturzoo eines Frank O. Gehry durchgesetzt hatte, scheint schon in Vergessenheit geraten zu sein.
Daß Grassi mit seinem genialen Konzept als erster Preisträger nicht zum Zuge kam, war zu bedaueren. Dennoch:
Berlin sollte stolz sein, einen der besten und umsichtigsten Architekten der Gegenwart an der historisch notwendigen Modernisierung am Werk zu sehen, der ein lichtes Bauwerk an die Stelle platziert, wo einst Schinkels als häßlich gescholtene Packhof-Lagerhäuser standen.

37

Tina Z. | 07.03.2007 18:58 Uhr

Jauch als Kaiser der Verblödeten

Günter Jauch kann ja mit seinen privaten Millionen das Schloss wiederaufbauen und dann gleich als Kaiser seiner verblödeten Fernsehgesellschaft dort einziehen.

36

Sören Hörig | 07.03.2007 17:37 Uhr

schinkel preis an g. j.

Höchst interessant - danke, ansgar!
Also, Herr Jauch, erst die Saufen-für-den-Regenwald-Aktion und nun das...

35

emmkaa | 07.03.2007 15:45 Uhr

gemach

Warum so aufgeregt? Ist doch bekannt, dass es in Berlin zähe Widersacher (gern mit dem Attribut „prominent“ versehen) gegen die Moderne gibt - sie argumentieren nicht, sondern rufen gleich nach dem großen Knüttel Unesco. Man versteht aber auch nicht, wieso die Stiftung Preuß.Kulturbesitz einen Entwurf öffentlich macht, den sie selbst nicht für das letzte Wort hält. Was letztlich jedoch zu dem Debacle geführt hat, das ist der sture Kurs der Stiftung, nahezu alles auf bzw. an der Museumsinsel konzentrieren zu wollen, ohne Rücksicht auf die Folgen. Sie verlässt damit das in Jahrzehnten gewachsene Struktur-Konzept, zu dem außer der Museumsinsel weitere wichtige Kerne wie u.a. Kulturforum, Charlottenburger und Dahlemer Museen gehören. Auch mit einem (vielleicht einmal entstehenden) Nachfolgebau auf dem Schlossplatz wird es wohl kaum dazu kommen, dass die Mitte Berlins sich eines schönen Tages in einen Louvre verwandelt; dies bleibt ein Traumbild aus 1001 Nacht für den Golf. Insofern möchte man hoffen, dass die Museums-Bauherren Vernunft annehmen und ihr Museumskonzept kompatibel machen mit dem wirklichen Bild der Stadt: Es ist, wie jeder sieht, polyzentrisch. Daran kann auch eine Unterschriftensammlung nichts ändern.

34

ansgar | 07.03.2007 10:30 Uhr

schinkel preis an g. j.

habt ihr schon gelesen:
www.dbz.de, aktuell!
da steht, warum der jauch so aufgebracht sein muss!

33

Architekt | 07.03.2007 09:59 Uhr

An: Rereaktionär

...hauptsache, Du hast immer das letzte Wort, was?
Aber um nun doch mal auf Dein rhetorisches Niveau herabzusteigen: Hast selber einen an der Waffel, und bist - schlimmer noch - borniert wie so viele Deiner Fachkollegen. Aber wenn Dir das stumpfsinnige Herumgehacke gegen Andersdenkende gut tut: bitte schön...

32

kulut raub | 07.03.2007 04:24 Uhr

bravo rotho

schipperfeld ist einer der einfuehlsamsten architekten unserer zeit ... hat schon mal jemand nachgedacht wieso er ausgerechnet nur in deutschland mist baut (siehe museum marbach) und ueberall anderswo geiles zeug .... er fuehlt sich tief in die deutsche seele ein und gewinnt dann dementsprechende wettbewerbe. "jedem das seine" (hat ein beruehmter deutscher gesagt)

31

rotho | 06.03.2007 22:26 Uhr

an alle

lasst chipperfield machen, er kann es. marbach am neckar, das limo ist hohe baukunst in ähnlich schwierigem kontext zum glück gibt es im wilden süden keinen jauch mit halbwissen und eine rosh mit profilneurose und auch sonst keine größenwahnsinnigen psychopaten. aber vielleicht in der nähe vom daimler benz museum, also wir nehmen hier schon den modernisierten alten krempel gerne auf und ihr in berlin ab in die bütt kaiser wählen und pickelhaube aufgesetzt

30

ege | 06.03.2007 19:10 Uhr

Brutalisierung

Was ist denn hier los? - Wie kann man nur so lange über ungelegte Architekteneier streiten???

29

Aktionär | 06.03.2007 18:33 Uhr

.....

aber um ganz ehrlich zu sein: Auch ich forciere die Errichtung pseudohistorischer Neubauten ohne historisches Vorbild – siehe BauNetz-Meldung vom 6. Juli 2006. Den peinlichen historisierenden Gegenentwurf der „Gesellschaft Historisches Berlin“ für die Museumsinsel einfach aus pinken legosteinen errichten ... dann würde sogar mvrdv die authorenschaft übernehmen und wir architekten haben unseren stararchitekten ... und beide seiten sind zufrieden

28

Aktionär | 06.03.2007 18:24 Uhr

an Rereaktionär

hatte nicht irgend wer mal die geniale idee, die nationalgalerie auf die museumsinsel umzusiedeln ... vielleicht könner wir das wieder aus der mottenkiste holen und günter damit überzeugen. und den chipperfeld bauen wir neben den reichstag und siedeln ihn in 50 jahren auch auf die insel ... allerdings muss man dann mit seinem eintrittsticket durch die spree schwimmen ... vielleicht könnten wir schon nach 15 jahren übersiedeln ... oder wir streiten einfach 15 jahre weiter und bauen dann das ding ....

27

Rereaktionär | 06.03.2007 18:13 Uhr

an Architekt

da du jetzt angst vor deiner eigenen Courage bekommst, darf ich dich zitieren: "Natürlich muss man Chipperfields Überarbeitung abwarten, bevor man endgültig urteilt. Ich persönlich habe allerdings wenig Hoffnung, dass dieser bedeutend anders (besser) ausfällt als der erste. Dazu müsste Chipperfield sich quasi selbst verleugnen." und jetzt beschwichtigst du ... waffel

26

Rereaktionär | 06.03.2007 18:08 Uhr

an Architekt

... wenn man dich überzeugt. Dann wären - auf beiden Seiten - Unterschriftenaktionen hinfällig! ... Günther ?? bist du das ??

25

Architekt | 06.03.2007 18:01 Uhr

Richtigstellung

@Rereaktionär:
...da Du mich offenbar missverstanden hast (oder missverstehen willst):
Auch ich liebe die von Dir erwähnten Museen der so genannten "Stararchitekten" (was immer man darunter verstehen darf). Dazu zähle ich auch die ambitionierten Projekte von Chipperfield. Und gerade deshalb war ich so enttäuscht, als ich die ersten Bilder seines hier so heiß diskutierten Museumsinsels-Neubaus zu sehen bekam. Meine spontane Reaktion: Meint er das - an dieser Stelle - wirklich ernst oder hat er vielleicht ein bisschen zu viel in Büchern geblättert, die Zumthors Kunstmuseum in Bregenz behandeln? Ich habe einfach mehr erwartet, gerade weil ich andere Bauten von Chipperfield kenne. Und wenn man ein bisschen das damalige Echo zu diesem Projekt verfolgt hat, scheint es vielen anderen ähnlich gegangen zu sein (darunter auch Architekten!). Aber - wie ich bereits sagte - warten wir einfach mal ab, was Chipperfield im zweiten Anlauf draus macht; vielleicht kann er mich ja doch noch überzeugen. Dann wären - auf beiden Seiten - Unterschriftenaktionen hinfällig!

24

Rereaktionär | 06.03.2007 17:47 Uhr

an Architekt

ah entschuldige meine ruden vorwürfe ... mies' nationalgalerie bin ich "vollständig überdrüssig" ... breuers withney museum ist auch ein grässlicher schandfleck. Aaltos bauten sind auch "erschreckend banal", Kahns carter museum ist echt "plumb und deplatziert" und gott sei dank hat eiermann nie ein museum gebaut. ... und wenn die alle versagt haben können wir nur von glück sprechen, wenn dieser chipperfeld wieder auf seine insel abhaut.

23

Architekt | 06.03.2007 17:29 Uhr

@Rereaktionär

...zum Affen macht sich hier eigentlich nur, wer sich wie Du im Ton vergreift und anderen gleich ihre intellektuelle Fähigkeiten abspricht, nur weil sie nicht Deiner Meinung sind. Immerhin nehme ich mit Genugtuung zur Kenntnis, dass diese Diskussion polarisiert und zum Widerspruch herausfordert - auf der einen und anderen Seite. Auch wenn Deine Argumente kaum überzeugen können, lasse ich sie doch gelten. Souverän ist, wer andere Haltungen akzeptieren kann - das gilt auch und besonders in der Architektur!

22

Rereaktionär | 06.03.2007 17:20 Uhr

an Architekt

da hast ja echt einen an der waffel .... die dutzendware in deiner umgebung mit einem neuen gebäude auf der museumsinsel zu vergleichen. wer diese grundlegende intellektuelle leistung nicht erbringen kann, sollte wirklich nicht hier sich zum affen machen. Nenn mir einen einzigen stararchitekten aus deiner sogenannten Nach-Bauhaus-Moderne, der ein schlechtes museum gebaut hat .... ignorant.

21

dennis | 06.03.2007 17:18 Uhr

unterschriftensammlung

jemand sollte eine internetseite schalten um unterschriften fuer das projekt zu sammeln. wuerde mich interessieren waer mehr unterschriften zusammen bekommt!

20

Aphoristiker | 06.03.2007 17:08 Uhr

wenn wir schon beim zitieren sind

"Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung" (Heraklit) und "Veränderung ist das, was die Leute am meisten fürchten." (Dostojewskij). "Ein jeder Wechsel schreckt den Einfältigen." (Schiller) "In Deutschland kann ich nichts mehr beginnen. Man verfälscht sich hier selbst." (Marx)

19

horst jentschura | 06.03.2007 16:56 Uhr

museumsinsel

obwohl ich dem Grassi noch immer nachtrauere und es skandalös finde, wie die Stiftung ihn ausgebootet hat: da heißt es dann zusammenhalten und eine Bürgerinitiative für Chipperfield gründen. - Traurig genug, dass der Hirnquark der reaktionären Leute mit dem ahistorischen (Un-)Bewußtsein überhaupt ernst genommen werden (müssen).

18

Architekt | 06.03.2007 16:56 Uhr

@Rereaktionär:

...wenn Du schon von Trümmern redest, solltest Du dich einmal näher umsehen, welche Gebäude heute bevorzugt per Abrissbirne in Trümmer verwandelt werden. In meiner Umgebung jedenfalls ist es fast immer die "Dutzendware" der Nach-Bauhaus-Moderne, der man nach wenigen Jahrzehnten vollständig überdrüssig geworden ist. Bei einem Gründerzeit- oder Barockhaus tun wir uns damit schwerer. Warum wohl? Denk mal drüber nach...
Das hat rein gar nichts mit reaktionär oder nostalgisch zu tun. Für mich steht die Qualität der Architektur im Vordergrund, nicht diese oder jene "Haltung"... "Alt=gut" ist genauso blödsinnig wie "Neu=gut". Aber nur verbohrte Modernisten à là Hotze ignorieren, wie erschreckend banal große Teile der gefeierten "zeitgenössischen" Architektur sind und schwingen ihre immergleichen "Vorwärts!"-Parolen.

17

Junger | 06.03.2007 16:48 Uhr

an Architekt

also immer diese glaskisten... :))
mann mann mann... hauptsache dagegen, wa?

aber da hat der "Architekt" doch eine gute Idee gehabt... eine entwurfsidee??? ist am "Architekten" etwa eine architekt verloren gegangen? weiter so herr "architekt", versorgen sie uns mit ideen! :)

16

lucius | 06.03.2007 16:48 Uhr

ruhe bewahren

... kann mich der meinung unter 14. nur anschliessen!
vor allem völlig unverständlich was herrn jauch dazu treibt, sich mit frau rosh (stadtbekannt) in ein boot zu setzen!!!

15

pan | 06.03.2007 16:46 Uhr

james & Co

Ach du grüne Neune!

14

harald | 06.03.2007 16:44 Uhr

Mutlosigkeit? Nur Mut!

Aus einem europäischen Blickwinkel reibt man sich angesichts der hier zu lesenden Argumente die Augen. Der Prado in Madrid, das königliche Kunstmuseum in Stockholm, der Louvre in Paris - überall wurde und werden große staatliche Kunstsammlungen zeitgenössisch erweitert.
Eine Stadt ist kein Museum! Eine Stadt und historische Quartiere müssen es schon aushalten, dass ein über ein anerkanntes Wettbewerbsverfahren mit anschließender Optimierung gefundener Architekt einem Ensemble von Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten ein zeitgenössisches hinzufügt. Ich frage mich ob Günther Jauch als Zeitzeuge des Barock wohl ein klassizistisches Gebäude zugelassen hätte?
Ich wünsche Chipperfield und dem Projekt die souveräne Gelassenheit das Stimmenkonzert der Kritiker auszuhalten. Besseres als die zeitgenössische Komplettierung aus erwiesen meisterhafter Hand kann Berlin gar nicht passieren.

13

rwlt | 06.03.2007 16:40 Uhr

museumsinsel

Chipperfield ist toll.
günther Jauch ist doof.

12

Architekt | 06.03.2007 16:40 Uhr

Rückbesinnung auf alte Baumeistertugenden

@meyer:
Natürlich muss man Chipperfields Überarbeitung abwarten, bevor man endgültig urteilt. Ich persönlich habe allerdings wenig Hoffnung, dass dieser bedeutend anders (besser) ausfällt als der erste. Dazu müsste Chipperfield sich quasi selbst verleugnen. Aber warten wir geduldig ab und unterlassen stumpfe Vorverurteilungen à là Herrn Hotze.

@Fa...:
Mein Vorschlag wäre eine einfühlsame, gewissenhafte Auseinandersetzung mit diesem besonderen Ort, wie sie alle großen Baumeister (und übrigens auch viele "Modernen") selbstverständlich geführt haben. Eine solche kann ich im ersten Entwurf Chipperfields nicht erkennen, wohl aber bei seinem brillanten Wiederaufbau gleich nebenan.

11

kulut raub | 06.03.2007 16:38 Uhr

an alle reaktionäre

Alle Dinge verändern sich, es gibt nichts in der ganzen Welt, das Bestand hat. (Ovid, 43 v. Chr. - 17 n. Chr.) ... denkt mal darüber nach.

10

Rainer Milzkott | 06.03.2007 16:34 Uhr

Historisches Berlin

Man kann nicht wie im 19. Jh. bauen ohne zu fälschen. Jene, die vorgeben das historische Berlin retten zu wollen, machen es beliebig, belanglos, zum Abziehbild seiner selbst.
Interessant wird es immer dort, wo angebaut wird. Siehe wenige Meter weiter westlich hinterm Zeughaus: Der Anbau von Pei ist eines der am meisten fotografierten neuen Bauwerke in Berlin.

9

davidittel | 06.03.2007 16:34 Uhr

@ 4

jaja diese unverbesserlichen Verfechter der Moderne. Utopie kommt von dem Griechischen ou topos, d.h. noch nicht am geschichtlichen Platz, aber zukünftige Wirklichkeit. ... hoffentlich wenigstens

8

Rereaktionär | 06.03.2007 16:31 Uhr

an Architekt

Gib acht, daß du nicht unter den Trümmern deines eigenen Luftschlosses begraben wirst.

7

kulut raub | 06.03.2007 16:29 Uhr

museumsinsel

Immer bauen wir bloß Luftschlösser, – warum denn nicht auch Häuser, Gärten und einen luftigen Friedhof.

6

Fa... | 06.03.2007 16:22 Uhr

an Architekt

was schlägt Du denn vor??

5

meyer | 06.03.2007 16:22 Uhr

glaskiste?

an ARCHITEKT (Kommentar4 von 16:13): Der Kubus ist doch nur ein Platzhalter! Es gibt noch keinen überarbeiteten Entwurf! Steht doch im Bericht.
Bei mir hier in Nürnberg nennen sich solche Reaktionäre: Die Altstadtfreunde

4

Architekt | 06.03.2007 16:13 Uhr

Prima, noch eine Glaskiste!

Chipperfield in Ehren - an anderer Stelle hat er durchaus seine Qualitäten als Architekt bewiesen. Nicht jedoch an diesem überaus sensiblen Ort. So muss ich den Gegnern zustimmen - vorausgesetzt, Chipperfield bleibt seinem Erstentwurf mehr oder weniger treu, was zu befürchten ist. Seine Glas-und-Stahl-Kiste, in anderer Umgebung möglicherweise eine reizvolle architektonische Antwort, wirkt hier einfach nur plumb und deplatziert. Chipperfield scheint den Genius loci keineswegs begriffen zu haben, sondern hält es wie so viele seiner "modernen" Kollegen: Immer schön minimalistisch! Oder wäre "belanglos" der passendere Begriff?
Sollte diese Allerwelts-Blackbox tatsächlich realisiert werden, lässt sich ihr Schicksal vorausahnen: Die Berliner werden sie beharrlich ablehnen und in regelmäßigen Abständen zur Disposition stellen. So wird man sich nach wenigen Jahrzehnten gerne von dem "Tumor" trennen, wie es mehr und mehr das Schicksal ungezählter Allerweltsbauten der Nachkriegsmoderne ist. Der nur ein Steinwurf entfernte Palast der Republik lässt grüßen. Trauern werden - wie so oft - wohl nur die Architekten.
Bleibt zu hoffen, dass Chipperfield zur Einsicht kommt und seinen falsch verstandenen Modernismus-um-jeden-Preis überdenkt. Falls nicht, sei der Unterschriftenaktion Erfolg und Beharrlichkeit gewünscht.
Herr Hotze agiert mit seiner kategorisch-unreflektierten Verteufelung aller rekationären Strömungen übrigens keinen Deut besser als jene, die er so vehement kritisiert - eben nur unter anderem Vorzeichen. Architektur-Hetze dieser (Un)Art geht mir zunehmend auf die Nerven. Vielleicht wird aber auch er eines Tages einmal begreifen, wie viel das falsche Verständnis der von ihm zur ultima ratio erhobenen Moderne in unseren Städten unwiederbringlich zerstört hat. Berlin mit seinem Nachkriegs-Architekturbrei ist nur ein Beispiel dafür, wenngleich ein besonders schmerzliches.

3

volkmar nickol | 06.03.2007 16:12 Uhr

an james

was heisst denn "in ruhe lassen"? nichts tun? "reparieren"? wie denn?
darauf muss man schon eine antwort haben, james.

2

james | 06.03.2007 15:39 Uhr

museumsinsel

sucht euch doch andere ecken in berlin um euch auszuspinnen und lasst die museumsinsel einfach in ruhe. es ist mittlerweile nicht mehr zu ertragen wie sich einige architekten profilieren wollen, indem sie ihre duftmarke auf historisches areal drücken wollen. die museumsinsel wird durch chipperfield nicht schöner und chipperfield ist auch nicht i.m.pei. lasst es sein, repariert es und fertig. macht euere kapriolen am alex.

1

deberger | 06.03.2007 15:13 Uhr

Reaktionär

"Wir wolln unsern alten Kaiser Wilhelm wieda ham" sing!

 
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Simulation mit schematischer Darstellung des neuen Eingangsbauwerks, dessen überarbeiteter Entwurf noch nicht bekannt ist

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