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13.02.2007

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Nach russischen Regeln

Statische Unstimmigkeiten bei Mariinskij-II-Entwurf zweifelhaft


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Der Bauherr des neuen Mariinskij-Theaters II in St. Petersburg hatte Ende Dezember 2006 die Planungsarbeiten des Architekten Dominique Perrault und seines internationalen Planungsteam gestoppt. Als Grund wurde das „negative Gutachten“ zum Projekt der Staatsexpertise genannt, die Planer wurden in verschiedenen Medien einer diffusen Unfähigkeit beschuldigt. Der Vertrag wurde gekündigt und wird nun an russische Firmen vergeben. Perrault war u. a. aus Protest darüber aus dem Projekt ausgestiegen (siehe BauNetz-Meldung vom 30. Januar 2007)

Der Architekt Dominique Perrault erklärt nun in der Pressemitteilung zu seinem Ausstieg, das das an der Beurteilung der praktischen Umsetzbarkeit von Perraults Entwurfs beteiligte Moskauer Institut TSNIISK, das auf Metallkonstruktionen spezialisiert ist, zu dem Schluss gekommen war, dass die erarbeiteten „Lösungen für die Konstruktion der ‚Golden Shell‘ sowie die Berechnungen dazu den Bauvorschriften entsprechen und als Grundlage für die Werkplanung dienen können.“

Einige russische Medien behaupteten dennoch, es habe Unstimmigkeiten in der statischen Bearbeitung des Projektes gegeben. Das mit der Tragwerksplanung der Gebäudehülle (Golden Shell) beauftragte Frankfurter Ingenieurbüro Bollinger+Grohmann weist in seiner jüngsten Pressemitteilung auf die tatsächlichen Sachverhalte hin:

„Seit März 2006 hat das Team an einer verkleinerten Version des Wettbewerbsentwurfs gearbeitet, der zur Genehmigung und Ausführung gebracht werden sollte. Die bei der Genehmigungsbehörde eingereichte Planung entspricht in allen Teilen den russischen Vorschriften, wozu es eine enge Zusammenarbeit mit einem zusätzlich beauftragten russischen Planungsinstitut gab.
Von diesem Institut wurden die Ergebnisse der Berechnungen der Golden Shell in einer unabhängigen Vergleichsrechnung überprüft und offiziell bestätigt. Parallel zu dieser Planung nach russischen Vorschriften wurde von Bollinger+Grohmann sichergestellt, dass die erarbeitete Konstruktion in allen Bereichen auch westeuropäischen Sicherheitsstandards entspricht.
Eine offizielle Stellungnahme der zuständigen russischen Behörde erfolgte am 25. Dezember 2006 mit einer Liste von Bemerkungen und Empfehlungen, von welchen sich drei auf die Konstruktion der Golden Shell beziehen. Es handelt sich dabei um sehr einfach zu klärende Details. Es gab seitens der russischen Behörden zuvor keinerlei Hinweis auf eventuelle Unstimmigkeiten, so dass die geäußerte Kritik an den statischen Unterlagen nicht nachvollzogen werden kann.“


Kommentare

3

D.B.Suchin | 15.02.2007 15:19 Uhr

Geld? oder Entwurf?

Einerseits muss ich zugeben, dass in Russland vieles, gar zu vieles mit Schmiergeldern geloest wird.
Andererseits ist dies Land bei weitem nicht "verlohren", wie mein Vorredner sagte.

Vielmehr verlieren wir es selbste, in dem wir - und da stelle ich uns alle Architekten an den Pranger - bei Unstimmigkeiten und Vertragsbruechen wie diesen einfach resignieren.

In Deutschland waere man bei einem solchen klaren Fall vor Gericht gezogen - warum hier nicht?
Nur weil man irgendwo gelesen habe, russische Gerichte seien kaeuflich?
Doch auch unsere waren vor 100 Jahren nicht viel besser, und geholfen hat alleine, dass man dauern an dieser Pforte klopfte...
Und was rede ich von Gerichten - die Geschichte wie Berliner Baubehoerden die Akten der Scharoun'schen Philharmonie versteckten ist durchaus gut dokumentiert.

Noch vor wenigen Jahren sagte man mir, Urheberrecht koenne man in Russland nie und nimmer verteidigen - heute schon gebe es hundertfach Urteile, die just dies widerlegen und den Autoren zu ihren Honoraren verhelfen.

Warum berichte ich davon so lang - nun, weil ich glaube, dass uns hier kein reines Wein eingeschenkt wird.
Sonst waere Perrault schon laengst vor den Kadi gezogen - tut er aber nicht! Also ist entweder sein Vertrag so gestrickt gewesen, dass er in die Falle tappte, oder in der Tat etwas nicht abgestimmt gewesen, oder, oder...

Es konnte gar sein, dass sein Fehler darin lag, sein Baugesuch in Moskau einzureichen - waehrend die Baustelle in Petersburg lag. Dies konnte mit gutem Recht von den Petersburgern als Arroganz gewertet werden - und Perrault benahm sich nie allzu delikat.

Gaenzlich davon abgesehen bleibt eine weitere Frage - wie wollte der gute Herr Schnee von seinem Dache wegbekommen?

2

Christablow | 14.02.2007 17:38 Uhr

daran nicht!

wenn man aufmerksam die korruptionsdebatte in russland in den medien verfolg, weiss man, dass es nur einen grund fur diese posse gibt: irgendwer hat irgendeinen beamten nicht genug geld bezahlt, beziehungsweise irgendwer hat irgendeinem beamten genug geld gezahlt, dass dies ausgelost hat. In Moskau, und ich nehme an in ganz Russland, kommst du keine 2 Meter ohne Schmiergeld ... traurig aber realitat. Dieses Land ist verlohren, es hat in seiner gesamten Geschichte den Wert des menschlichen Lebens immer dem Wert der Macht geopfert und es wird weiter so geschehen, bleibt weg von dort, es ist schlecht, abgrundtief schlecht.

1

Christoph | 14.02.2007 10:45 Uhr

woran lag's?

...kann es sein, dass die Auftraggber (und die russische Öffentlichkeit) in diesem Entwurf dann doch zu viel "Westen" sehen?
Die Konnotation eines amerikanischen Tarnkappenbombers liegt ja nicht so ganz fern...

 
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