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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_SOM_gewinnen_Wettbewerb_fuer_oeko-Hochhaus_in_Kanton_-_mit_Kommentar_23330.html

04.04.2006

Vertikaler Perlfluss

SOM gewinnen Wettbewerb für Öko-Hochhaus in Kanton - mit Kommentar


Das Chicagoer Büro Skidmore, Owings & Merrill (SOM) hat den Wettbewerb für den „Pearl River Tower“ in Guangzhou/China gewonnen, ein 69-stöckiges Hochhaus, das als Hauptsitz der CNTC Guangdong Company dienen soll. Das gab das Büro am 28. März 2006 bekannt. Sieben Büros aus vier Ländern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. In der Endrunde waren drei Büros verblieben.

Der Wolkenkratzer soll mehr Energie produzieren als verbrauchen. „Seine Form wurde von der Sonne und dem Wind determiniert“, erklären die Architekten. Wind gelangt in die Öffnungen der Haustechnikgeschosse und treibt dort Turbinen an, die Energie für die Heizung, Kühlung und Lüftung liefern. Die Fassade lenkt den Wind in diese beiden Hohlräume. Die Öffnungen sind auch dazu da, den Winddruck abzubauen. Solarkollektoren verwandeln zusätzlich Sonnenlicht in Elektrizität und erwärmen das Wasser. Eine hohe Tageslichtausbeute und das Sammeln des Regenwassers sind weitere umweltfreundliche Elemente des Entwurfs. Schachtentlüftung, Plattenkühlung und Wärmesenken sorgen für die Abkühlung des Gebäudes. Die Winde sollen so gelenkt werden, dass sie als „unsichtbare Klammer“ zur Festigung des Turmes beitragen.
Baubeginn soll im Juli 2006 sein, Bezug im Herbst 2009.

Kommentar der Redaktion:

Jahrzehntelang war SOM eine „Architekturfabrik“, die die ganze Welt mit ihren mediokren Geschäftshäusern im International Style überzog: Leute in klimatisierten Hochhausbüros entwarfen klimatisierte Hochhausbüros für das andere Ende der Welt.
Schon die Postmoderne hatte dem Büro seine Orientierung genommen, und erst recht im Zeitalter der Stararchitekten und des „Soft Designs“ musste SOM sich neu erfinden, was ihnen in den letzten Jahren aber zusehends gelang.
Guangzhou, das Zentrum der Guangdong-Provinz, die als industrielles Zentrum der Welt gilt, ist eine wuchernde Sechsmillionen-Stadt, in der der umweltpolitische Preis des aggressiven und rücksichtslosen Wirtschaftsaufschwungs in China schon deutlich zu spüren ist: Es ist von daher nicht ohne Ironie, dass SOM sich ausgerechnet in dieser zu schnell gewachsenen Metropole mit einem sehr ambitionierten, energieproduzierenden Hochhaus verewigt.

Mit dem Jin-Mao-Turm in Shanghai, der berühmtesten Hochhaus-Ikone im schnell wachsenden Hochhauswald Chinas, haben SOM allerdings bereits bewiesen, dass sie dazu beitragen können, nicht nur sich selbst, sondern auch China ein neues architektonisches Gesicht zu geben.

Ulf Meyer


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