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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen_Karl_Ganser_ueber_Bauen_in_der_Stadt_und_Leben_auf_dem_Land_23394.html

11.04.2006

3 Fragen an...

Karl Ganser über Bauen in der Stadt und Leben auf dem Land


1. Sollte in Städten überhaupt noch neu gebaut werden?

Im Prinzip nein, aber wenn, dann muss das Neue besser sein als das Bestehende. In der Regel ist es heute eher umgekehrt. So wächst die Gefahr, dass das, was neu gebaut wird, alsbald leer steht. Das ist eine Verschleuderung von finanziellen und ökologischen Ressourcen. Mag sein, dass diese Art Vorbau mit anschließendem Rückbau eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Planer, Architekten, Developer und die Bauwirtschaft ist. Sinn macht es nicht.
Damit ist der Maßstab gesetzt für das neue Bauen: Qualität ohne Wenn und Aber!


2. Wann wird Architektur auf den Lehrplänen deutscher Schulen stehen?

Nie, denn würde man jedes gesellschaftlich mehr oder weniger bedeutsame Anliegen in die Lehrpläne von Schulen hineindrängen, dann wäre die Aufspaltung des Wissens noch größer und die Zahl der Fächer unübersehbar.

Die Zukunft der Bildung liegt im „fächerübergreifenden Unterricht" mit eher weniger Fächern. Dafür aber sollten die wirklich wichtigen Dinge in allen Fächern im Zusammenhang abgehandelt werden, Kultur oder Ökologie wären dann im Sprachunterricht ebenso zu behandeln wie in der Philosophie oder in den Naturwissenschaften.

Baukultur braucht ohne Zweifel gute Architekten. Aber die Basis ist die Kultur der Bauherren, der Architekten, der Politik, der Öffentlichkeit. Damit richtet sich die Frage der Bildung an die Architekten selbst. Wie viele Architekten gibt es mit Kultur?


3. Vorteile des Lebens in einem Dorf?

Man hat es ohne Zweifel leichter: weniger Verkehr, keine Parkplatzsorgen, eher kurze Wege, hilfsbereite Nachbarschaft, weniger Wohnkosten. Die Arbeitslosigkeit ist auch nicht geringer als in der Stadt, aber besser zu ertragen. Das Schöne an der Urbanität lässt sich jederzeit erreichen: Über Medien oder eben mit einer Fahrt in die Stadt, die häufig nicht länger dauert als eine Fahrt für Menschen, die an einem Ende der Stadt wohnen und an das andere Ende müssen. Ohnehin ist bei den heutigen Verkehrsverbindungen jeder Ort von jedem Ort aus mit dem in etwa gleichen Aufwand für Zeit und Kosten zu erreichen. Erreichbarkeit ist ubiquitär.

Also alle hinaus aufs Dorf, weil es dort einfacher ist? Um Gottes Willen, dann wäre es auch noch mit den kleinen Vorteilen auf dem Dorf vorbei.


"3 Fragen an..." ist eine Rubrik von Architectural Affairs


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Karl Ganser, ehemaliger Geschäftsführer IBA Emscher-Park, lebt in Breitenthal  Lieblingshaus: Mein eigenes natürlich. Warum? Weil ich dort von Kindheit an zu Hause bin. Zu Hause sein ist die höchste Qualität eines Hauses. Was noch? Vielleicht die Therme von Peter Zumthor in Vals. Warum? Weil es eine Provokation ist, ein Spaßbad so zu bauen wie eine Kirche. Aber es gibt auch noch eine ganze Reihe guter anderer Häuser, Gott sei Dank!

Karl Ganser, ehemaliger Geschäftsführer IBA Emscher-Park, lebt in Breitenthal Lieblingshaus: Mein eigenes natürlich. Warum? Weil ich dort von Kindheit an zu Hause bin. Zu Hause sein ist die höchste Qualität eines Hauses. Was noch? Vielleicht die Therme von Peter Zumthor in Vals. Warum? Weil es eine Provokation ist, ein Spaßbad so zu bauen wie eine Kirche. Aber es gibt auch noch eine ganze Reihe guter anderer Häuser, Gott sei Dank!


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