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19.02.2019

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Ungesehen und Unbekannt

Álvaro Siza über seine Familienausstellung in Berlin


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Im Jahr 1933, als Álvaro Siza geboren wurde, schloss das Bauhaus seine Türen. Der 85-jährige Portugiese gehört nicht nur zu den bedeutendsten zeitgenössischen Architekten, er ist auch einer der letzten Modernisten, die das Erbe ihrer Zeit lebendig ins Heute tragen. Im Berliner Aedes Network Campus (ANCB) spricht er morgen, Mittwoch, 20. Februar, mit der Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau Claudia Perren und dem Gründer des Museums für Architekturzeichnungen Sergei Tchoban unter der Moderation von Matthias Sauerbruch über das Bauhaus-Erbe. Im Anschluss eröffnet nebenan in der Tchoban Foundation die Ausstellung „Siza – Unseen & Unknown“. Sie zeigt Zeichnungen von Álvaro Siza, seiner Frau Maria Antónia Siza, seinem Sohn Álvaro Leite Siza und seinem Enkel Henrique Siza. 

Herr Siza, ab morgen werden wir uns bisher nie gesehene Zeichnungen von Ihnen und den Mitgliedern Ihrer Familie in Berlin anschauen können. Was verschafft der Stadt diese Ehre?

Álvaro Siza: Seit meinem ersten Projekt außerhalb von Portugal, dem Bonjour Tristesse 1983, bin ich mit Berlin verbunden. Seitdem war es immer wieder eine Freude, eingeladen zu werden und alte Freunde zu besuchen. Es war ganz besonders schön, als António Choupina und Kristin Feireiss, die Kuratoren der Ausstellung, vorschlugen, eine Familienausstellung zu machen. Und auch, dass Zeichnungen von meinem Sohn Álvaro Leite Siza und meinem Enkel Henrique Siza, der gerade sein Erasmus-Semester in Berlin abschließt und vor allem von meiner Frau Maria Antónia Siza gezeigt werden sollen. Sie verstarb sehr jung, und ihr Talent bekam nie die verdiente Anerkennung. Maria Antónias bildliche Arbeiten wurden in der Zeit, in der sich alle aufs Abstrakte konzentrierten kaum beachtet. Hätte sie noch gelebt, als andere portugiesische Künstlerinnen wie etwa Paula Rego bekannt wurden, hätte ihre außergewöhnliche Stimme sicher mehr Gehör gefunden. Doch so ist abgesehen von ein paar Ausstellungen in Porto und später in Madrid ihr Œuvre weithin unbekannt. Erst kürzlich habe ich einige Zeichnungen von ihr an die Gulbenkian Foundation in Lissabon übergeben. Nun freue ich mich darauf, ihre ungesehenen Arbeiten erstmals in Berlin zeigen zu können.  
 
Die Ausstellung hinterfragt auch, inwiefern Ihr Œuvre vom Bauhaus beeinflusst ist. Wie lautet Ihre Antwort?
Nun, die Ausstellung befasst sich viel umfassender mit Hinterlassenschaften – familiäre, akademische, berufliche – und wie diese das Werk eines Architekten berühren, in diesem Fall durch meine Skizzen. Wir alle sind auf die eine oder andere Weise vom Bauhaus beeinflusst worden. Es ist unmöglich, die Moderne ohne ihr Erbe zu verstehen. In den späten 70er Jahren, als mich François Burkhardt nach Berlin einlud, konnte ich die ganze Entwicklung der modernen Bewegung sich vor meinen Augen entfalten sehen. Das hat mich natürlich beeinflusst. Ich erinnere mich an die Eröffnung des Bauhaus-Archivs. Gropius war bereits verstorben, aber seine Frau war da. Wir sahen ein großartiges Ballett mit wunderschönen Kostümen, entworfen von Oskar Schlemmer. Dieser Abend hat sich mir eingeprägt: Körper als Architektur.
 
Vor einem Jahr wurde das nach Ihrem Entwurf gebaute Chinese Design Museum in Hangzhou eröffnet. Wussten Sie, was in den Räumen gezeigt werden soll, und wie haben Sie darauf reagiert?
Ja, die chinesische Kunstakademie hatte bereits eine Bauhaus-Sammlung erworben, die im neuen Design-Museum in Hangzhou gezeigt werden sollte. Es war ein schwieriges, dreieckiges Grundstück und das einzige Gebäude auf dem Campus, das nicht von Wang Shu selbst geplant wurde. Ich war über die Exponate informiert, die gezeigt werden sollten sowie über die Notwendigkeit von Werkstatträumen, die für die Erscheinung und die Funktion des Gebäudes entscheidend waren. Leider konnte ich letztes Jahr bei der Eröffnung nicht dabei sein, aber Carlos Castanheira begleitete den Bau bis zur Ausstellungskonzeption, in der meine Arbeiten und die des Bauhauses nebeneinander gezeigt wurden.

Was ist Ihre früheste Erinnerung an das Bauhaus? Gibt es eine persönliche Geschichte darüber, wie Sie von der Schule erfahren haben?
Meine früheste Erinnerung an das Bauhaus verbinde ich mit der Zeit, als ich 1949 an die Fine Arts School in Porto kam. Trotz der erstickenden Kontrolle der diktatorischen portugiesischen Regierung, die man in Lissabon viel stärker als in Porto spürte, revolutionierte Meister Carlos Ramos die Schule mit einem Team junger Architekten. Ramos war ein wahrer Bauhausianer, der Architektur und Kunst unter einem Dach vereinte. Über das Bauhaus hörte ich zuerst von ihm und später von meinem Mentor Fernando Távora, der an den Internationalen Kongressen Moderner Architektur (CIAM) teilnahm.

Gropius, Meyer oder Mies?
Sie sind alle in ihren eigenen Genres gleichermaßen gut, sodass es schwierig ist, sich zwischen so unterschiedlichen komplementären Ansätzen zu entscheiden. Stattdessen sage ich Schlemmer, rein wegen des Balletts.

Die Fragen stellte und übersetzte: Friederike Meyer

Diskussion mit Álvaro Siza, Claudia Perren, Sergei Tchoban und Matthias Sauerbruch: Mittwoch, 20. Februar 2019, 16 Uhr
Ort:
ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory, Christinenstr. 18-19, 10119 Berlin
Die Veranstaltung ist bereits ausgebucht.


Ausstellung: 20. Februar bis 26. Mai 2019, Mo–Fr 14–19, Sa–So 13–17 Uhr
Vernissage: Mittwoch, 20. Februar 2019, 19 Uhr
Ort: Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung, Christinenstraße 18a, 10119 Berlin


Zum Thema:

www.tchoban-foundation.de


www.ancb.de


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