Starker Zusammenhalt
Zur anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Starker Zusammenhalt
Zur anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Am 6. September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Im Vorfeld erreichten die BauNetz-Redaktion Manifeste, Offene Briefe und Solidaritätsbekundungen von verschiedenen Akteuren aus Architektur, Kunst, Wissenschaft. Die Nervosität ist spürbar. Was steht auf dem Spiel?
Aktuellen Umfragen zufolge könnte die AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ihr bislang bestes Ergebnis auf Landesebene erreichen. Sogar eine Alleinregierung des als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD-Landesverbands rückt in den Bereich des Möglichen. In seinem „Regierungsprogramm“ kündigt dieser eine „patriotische Wende“ in der Kulturpolitik an, stellt Förderstrukturen und Leitlinien infrage, beklagt „Multikulturalismus“. Die Vergabe von Fördermitteln soll von einem „Beitrag zu deutscher Identitätsfindung“ abhängig gemacht werden, und das im Zuge des Bauhaus-Jubiläums 2019 lancierte Landesmotto „#moderndenken“ will die Partei durch „#deutschdenken“ ersetzen.
Das als UNESCO-Weltkulturerbe geschützte Bauhaus und die Stiftung Bauhaus Dessau sind ihr schon länger ein Dorn im Auge. Im Oktober 2024 bezeichnete die AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt in einem im Landtag eingereichten Antrag das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“. Es habe mit seiner Ästhetik letztlich zu „globalem Einheitsbrei“ und „nichtssagenden Klötzen von außerordentlicher Hässlichkeit“ geführt. Munter wirft die Partei dabei diverse architektonische Strömungen von Moderne über Nachkriegsmoderne bis Postmoderne in einen Topf.
Baukultur vs. Geschmacksurteil
Unter solchen Prämissen stellt sich die Frage, was für eine Architektur in einem AfD-regierten Sachsen-Anhalt priorisiert und denkmalpflegerisch bewahrt würde. Welche Rolle würden fachliche Kriterien gegenüber kulturpolitischen und ideologischen Vorgaben noch spielen? Könnte etwa der Entwurf, mit dem Richter Musikowski Architekten 2025 den Wettbewerb für das in Halle (Saale) geplante Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation gewannen, überhaupt umgesetzt werden? Andererseits sieht die AfD etwa die kürzlich sanierte Magdeburger Hyparschale von Ulrich Müther, ein wichtiges Beispiel der DDR-Moderne, wohl nicht als „kalt wirkende, traditionslose geometrische Form“ an. Immerhin hielt sie dort im Juli ihren Landesparteitag ab.
Das als UNESCO-Weltkulturerbe geschützte Bauhaus und die Stiftung Bauhaus Dessau sind ihr schon länger ein Dorn im Auge. Im Oktober 2024 bezeichnete die AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt in einem im Landtag eingereichten Antrag das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“. Es habe mit seiner Ästhetik letztlich zu „globalem Einheitsbrei“ und „nichtssagenden Klötzen von außerordentlicher Hässlichkeit“ geführt. Munter wirft die Partei dabei diverse architektonische Strömungen von Moderne über Nachkriegsmoderne bis Postmoderne in einen Topf.
Baukultur vs. Geschmacksurteil
Unter solchen Prämissen stellt sich die Frage, was für eine Architektur in einem AfD-regierten Sachsen-Anhalt priorisiert und denkmalpflegerisch bewahrt würde. Welche Rolle würden fachliche Kriterien gegenüber kulturpolitischen und ideologischen Vorgaben noch spielen? Könnte etwa der Entwurf, mit dem Richter Musikowski Architekten 2025 den Wettbewerb für das in Halle (Saale) geplante Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation gewannen, überhaupt umgesetzt werden? Andererseits sieht die AfD etwa die kürzlich sanierte Magdeburger Hyparschale von Ulrich Müther, ein wichtiges Beispiel der DDR-Moderne, wohl nicht als „kalt wirkende, traditionslose geometrische Form“ an. Immerhin hielt sie dort im Juli ihren Landesparteitag ab.
Gute Architektur und Stadtentwicklung brauchen Offenheit und eine konstruktive Auseinandersetzung unterschiedlicher Interessen.Präsidium der Architektenkammer Sachsen-Anhalt
Wenn das AfD-Wahlprogramm „Altbaubestand retten!“ und „Schöner bauen!“ fordert und dabei von „anerkannten Bautraditionen“ und „historischer Identität“ spricht, kann man davon ausgehen, dass hier andere Kriterien architektonischer Qualität zugrunde liegen als etwa in den Veröffentlichungen der Bundesstiftung Baukultur. „Die Baukultur an sich steht auf dem Spiel“, sagt Ole Saalmann, BDA-Vorsitzender in Sachsen-Anhalt: „Es besteht offensichtlich gar kein Verständnis dafür, was Architektur und Stadtplanung in den letzten Jahrzehnten erreicht haben und wie diese, unabhängig von Geschmacksfragen, unsere Umwelt verbessern.“ Architektur und Baukultur dürften nicht zum „Gegenstand politischer Geschmacksurteile“ werden, betont auch die Architektenkammer Sachsen-Anhalt gegenüber BauNetz: „Öffentliche Bauaufgaben müssen transparent, qualitätsorientiert und fair vergeben werden“, heißt es vom Präsidium: „Gute Architektur und Stadtentwicklung brauchen Offenheit und eine konstruktive Auseinandersetzung unterschiedlicher Interessen.“
BDA und Kammer benennen zudem baupolitische Herausforderungen, für die Sachsen-Anhalt dringend Lösungen braucht und die offenbar nicht Teil der AfD-Agenda sind. Strategien für schrumpfende Gemeinden und Leerstand zum Beispiel. Angesichts demografischer Verschiebungen gewinnt auch die Frage nach dem Nachwuchs für die Baubranche an Bedeutung. „Wir bemerken auf allen Baustellen schon seit längerem einen Fachkräftemangel. Zuwanderung und Qualifizierung von Fachkräften ist dringend notwendig,“ so der BDA. Und die Kammer: „Wir müssen mehr junge Menschen für Architektur, Planung und die damit verbundenen Berufe gewinnen.“ Beim Thema Hitzeschutz hat die AfD allerdings einen Vorschlag: einfach mehr Klimaanlagen einbauen.
BDA und Kammer benennen zudem baupolitische Herausforderungen, für die Sachsen-Anhalt dringend Lösungen braucht und die offenbar nicht Teil der AfD-Agenda sind. Strategien für schrumpfende Gemeinden und Leerstand zum Beispiel. Angesichts demografischer Verschiebungen gewinnt auch die Frage nach dem Nachwuchs für die Baubranche an Bedeutung. „Wir bemerken auf allen Baustellen schon seit längerem einen Fachkräftemangel. Zuwanderung und Qualifizierung von Fachkräften ist dringend notwendig,“ so der BDA. Und die Kammer: „Wir müssen mehr junge Menschen für Architektur, Planung und die damit verbundenen Berufe gewinnen.“ Beim Thema Hitzeschutz hat die AfD allerdings einen Vorschlag: einfach mehr Klimaanlagen einbauen.
Breite Solidarität
Die Stiftung Bauhaus Dessau blickt den Wahlen mit berechtigter Sorge entgegen. Es drohe „eine fatale Verengung des Kulturbegriffs“, sagt Direktorin Barbara Steiner. Obgleich der von der AfD geforderte „kritische Diskurs über die historische Bedeutung und die heutigen Auswirkungen des Bauhaus-Erbes“ ohnehin zentraler Teil der Stiftungsarbeit sei, befürchtet sie, dass die Partei versuchen wird, über finanzielle Einschränkungen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung zu nehmen. „Für uns würde das bedeuten, dass die Vermittlung des internationalen Bauhaus-Erbes massiv erschwert wird, was letztlich dessen weltweite Ausstrahlung beschädigt,“ so Steiner.
Unterstützung für die Stiftung Bauhaus kommt von verschiedenen Seiten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) initiierte ein Manifest, das dazu aufruft, das Bauhaus gegen populistische Angriffe zu verteidigen. „Wir sind stolz auf das Bauhaus. Es hat gesellschaftspolitisch gewirkt und die ästhetische Moderne weltweit bereichert“, heißt es darin. Auf der langen Liste der Unterstützenden finden sich auch die Akademie der Künste, die Bundesarchitektenkammer und die Deutsche UNESCO-Kommission.
Die Bauhaus-Universität Weimar weist in einem „Offenen Brief der Solidarität an das Bauhaus Dessau“ eine Kulturvorstellung zurück, die auf einem „ethnisch homogenen Volksverständnis“ und „geschlossenen Weltbildern“ beruht. Neugier, Weltoffenheit, Experimentierfreude, Wissenschafts- und Kunstfreiheit, für die das Bauhaus stellvertretend stehe, müssen bewahrt werden, schreibt der Senat der Universität.
Die Stiftung Bauhaus Dessau blickt den Wahlen mit berechtigter Sorge entgegen. Es drohe „eine fatale Verengung des Kulturbegriffs“, sagt Direktorin Barbara Steiner. Obgleich der von der AfD geforderte „kritische Diskurs über die historische Bedeutung und die heutigen Auswirkungen des Bauhaus-Erbes“ ohnehin zentraler Teil der Stiftungsarbeit sei, befürchtet sie, dass die Partei versuchen wird, über finanzielle Einschränkungen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung zu nehmen. „Für uns würde das bedeuten, dass die Vermittlung des internationalen Bauhaus-Erbes massiv erschwert wird, was letztlich dessen weltweite Ausstrahlung beschädigt,“ so Steiner.
Unterstützung für die Stiftung Bauhaus kommt von verschiedenen Seiten. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) initiierte ein Manifest, das dazu aufruft, das Bauhaus gegen populistische Angriffe zu verteidigen. „Wir sind stolz auf das Bauhaus. Es hat gesellschaftspolitisch gewirkt und die ästhetische Moderne weltweit bereichert“, heißt es darin. Auf der langen Liste der Unterstützenden finden sich auch die Akademie der Künste, die Bundesarchitektenkammer und die Deutsche UNESCO-Kommission.
Die Bauhaus-Universität Weimar weist in einem „Offenen Brief der Solidarität an das Bauhaus Dessau“ eine Kulturvorstellung zurück, die auf einem „ethnisch homogenen Volksverständnis“ und „geschlossenen Weltbildern“ beruht. Neugier, Weltoffenheit, Experimentierfreude, Wissenschafts- und Kunstfreiheit, für die das Bauhaus stellvertretend stehe, müssen bewahrt werden, schreibt der Senat der Universität.
Egal, wie das ausgeht – da wird etwas Positives bleiben.Barbara Steiner, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau
Bereits im April 2026 positionierten sich zahlreiche Einrichtungen und Vereine in einer offenen Stellungnahme gegen eine nationalistisch ausgerichtete Kulturpolitik wie sie die AfD in ihr Wahlprogramm geschrieben hat. Mittlerweile haben sich weite Teile der sachsen-anhaltinischen Kulturlandschaft zur Initiative „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ zusammengeschlossen und veranstalten in diesem Rahmen Treffen, Aktionen und Kundgebungen. Seit Mitte August läuft die Social-Media-Kampagne „#stolzaufVielfalt“.
„Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen zusammenkommen, um sich für ein demokratisches und freundliches Miteinander einzusetzen,“ freut sich der BDA-Landesverband über das zivilgesellschaftliche Engagement. „Der Austausch unter den Kulturinstitutionen ist so intensiv wie nie zuvor“, beschreibt Steiner die derzeitige Situation in einer ZDF-Reportage. Ihr Fazit: „Egal, wie das ausgeht – da wird etwas Positives bleiben.“
„Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen zusammenkommen, um sich für ein demokratisches und freundliches Miteinander einzusetzen,“ freut sich der BDA-Landesverband über das zivilgesellschaftliche Engagement. „Der Austausch unter den Kulturinstitutionen ist so intensiv wie nie zuvor“, beschreibt Steiner die derzeitige Situation in einer ZDF-Reportage. Ihr Fazit: „Egal, wie das ausgeht – da wird etwas Positives bleiben.“
Bau- und Berufspolitik
Mehr Kommentare
maestrow
es wird nun nach dem größten anzunehmenden Unfall interessant sein, wie sich die Beteiligten zur neuen AfD- "Kulturpolitik" verhalten werden. Die Hochschulen des Landes veröffentlichen jedenfalls schon einmal den expliziten Hinweis - das Pfeifen im Walde - dass es ja noch die Freiheit von Forschung, Lehre, Kunst gebe. Vielleicht vorsichtshalber wieder die Rede von Thomas Mann zur Reichstagswahl von 1930 studieren? Mann sprach damals von "Budengeläut, Halleluja, derwischmäßige(m) Wiederholen monotoner Stichworte.“ und weiter sprach er davon, dass der Fanatismus und die orgiastische Leugnung der Vernunft in der tieferen Wesensschicht des Deutschtums wohl nicht zu Hause seien. Er lag (oder liegt) damit wohl falsch.
Götze
Die Bedeutung des Bauhauses sollte allen klar sein und die Haltung der AfD ist einfach ungeheuerlich und beschämend für unser Land.
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