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10.05.2021

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Der Zukunft entgegen

Zum Tod von Helmut Jahn


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Denkt man an Helmut Jahn, so schießen womöglich zahlreiche Türme vor dem inneren Auge in die Höhe: Ob Frankfurter Messeturm, Berliner Bahntower, Münchner Highlight Towers oder der Testturm von ThyssenKrupp in Rottweil – der „Turmvater Jahn“ prägte in Deutschland vor allem das Bauen in der Vertikalen. Am Samstag, den 8. Mai 2021 verstarb Jahn im Alter von 81 Jahren nach einem Fahrradunfall in Campton Hills, einem Vorort im Westen von Chicago im US-Bundesstaat Illinois.

Helmut Jahns Biografie liest sich wie die Erfüllung des American Dream in Architektenmanier: Er wuchs im fränkischen Zirndorf auf und ging nach seinem Diplom an der TU München 1966 nach Chicago, wo er bei Mies van der Rohe weiterstudierte. 1967 begann er im Chicagoer Architekturbüro C.F. Murphy. Dort wurde er schließlich Teilhaber und übernahm 1981 das Büro ganz. Jahn war stark inspiriert von Mies, sprach sich jedoch Ende der 1970er Jahre gegen eine allzu doktrinäre Auslegung der modernen Ideen aus. In den folgenden Jahrzehnten verfolgte er eine Mischung aus Hightech und Postmoderne. Prägend für Jahns oft gläserne Architektur ist vor allem der strukturelle Expressionismus, der das Tragwerk als Gestaltungsmerkmal einsetzt und bewusst nach außen kehrt.

Mitte der Achtziger Jahre bemühten sich Bauherren, den Wahl-Amerikaner vermehrt für Projekte in Deutschland zu gewinnen. Heute unterhält das Büro, das seit 2012 nur noch seinen Namen im Titel trägt, neben dem Hauptsitz in Chicago Niederlassungen in Berlin und Shanghai. Jahn lehrte an der University of Illinois und war als Professor unter anderem in Harvard, Yale und am IIT tätig. In Amerika bekannt wurde Jahn durch zahlreiche Großprojekte, die er noch unter Charles Murphy bearbeitete, wie beispielsweise das brutalistische J. Edgar Hoover Building, dem Sitz des FBI in der Hauptstadt Washington.

Zu Jahns wichtigsten ebenso wie umstrittensten Entwürfen gehört das seit Jahren vom Abriss bedrohte State of Illinois Center, das heute James R. Thompson Center heißt und das auch Vorbild für sein Berliner Sony Center war. Viel diskutiert bleiben außerdem seine deutschen Hochhausbauten in München oder Bonn, wo sie die Stadtsilhouetten bis heute stark prägen. Der Architekt, dessen Motto „Die Zukunft hat immer Recht“ lautete, wurde vielfach als ein sympathischer und gut gelaunter Mensch beschrieben. Seinen Optimismus und Glauben an die Zukunft konnte sich Helmut Jahn bis ins hohe Alter bewahren. (dsm)


Kommentare

4

Davide | 13.05.2021 17:24 Uhr

Er war eine Inspiration

für mich, der in Köln/Bonn aufgewachsen ist, wo seine Architektur durch Posttower, Flughafen oder seinen längst vergessenen Entwurf für das Beethoven-Festspielhaus sehr präsent.Seine Bauten waren immer optimistischer, formschöner und ausgefeilter als die seiner britischen Kollegen (Foster etc). In der Fachwelt, der Schönheit immer etwas suspekt ist, wurde sein Beitrag daher wenig gewürdigt. Es ist Zeit das nachzuholen!

3

Henn12 | 12.05.2021 19:33 Uhr

Selbst im Tod einer der Ja sagte zum Leben

Danke Herr Jahn, sie waren noch einer der großen Erbauer. Sie haben Häuser gebaut (mag man sie oder mag man sie nicht), denen sie keine pseudointellektuellen Geschwüre überstülpen mussten um sich wichtig zu nehmen.
Einer der noch an das Leben (im positiven Sinne) glaubte und nicht an den heute gefrönten Nihilismus (wir müssen dies, wir müssen das, wir dürfen dies und das nicht mehr, wir haben bewusst darauf verzichtet, etc.).
Einer der noch wusste, dass "weniger nicht mehr, sondern einfach nur weniger" ist.
Das heutige allzu zeitgemäße wird vergehen, ihre Idee wird wieder entdeckt werden.
Wie war das nochmal "don't talk, buildt!"
Danke!

2

schlawuki | 10.05.2021 18:41 Uhr

@ Georg Döring

ich durfte zwar nur als student anfang der 90er jahre in münchen beim flughafenprojekt für ihn arbeiten und ich habe ihn auch nur einige male getroffen.
und obwohl er ein sehr kleiner mann war, war er omnipräsent ohne aufdringlich oder arrogant zu wirken.
das mit den porsches ist tatsächlich wahr und ich finde diese attüde im gesamtkontext eher sympathisch.
seine skizzen, die zum projekt auflagen waren immer sehr präzise und für einen jungen architekten beeindruckend weil sie immer auch das detail wiedergaben.
und in münchen sind die twintowers von jahn wesentlich prägnanter als beispielsweise der o2 tower von ingenhoven.
ich finde helmut jahn hat seinen platz in der architekturgeschichte absolut verdient.

1

Georg Döring | 10.05.2021 17:14 Uhr

Zum Tod von Helmut Jahn

Ich hatte das große Glück für ihn in Chicago arbeiten zu dürfen. Er hat mir in seiner fränkischen Manier gezeigt, was man unter 'Think Big' verstehen sollte. Sein Büro war streng und preußisch durchorganisiert mit einer klaren Hierarchie mit ihm im Zentrum! Man kann über seine Architektur geteilter Meinung sein, da sie in Gänze dem Ideal des 20 Jahrhundert angehört mit der Idee des ungebremsten Wachstums, gleichwohl hat er immer großzügig gedacht und entworfen. Seine Gebäude haben teilweise zu Recht ihren Platz in der Baugeschichte gefunden.
Dass er auf dem Fahrrad zu Tode kam, ist ein weiterer Beleg für seinen permanenten Bewegungsdrang, der sich auch in seiner Rennsegelyacht und dem giftgrünen 911er, der jeweils in jeder Stadt, wo er ein Büro besaß, auf ihn wartete, zeigte.

 
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Helmut Jahn, 1940–2021.

Helmut Jahn, 1940–2021.

Kansas City Convention Center, 1976. Foto: Steam Pipe Trunk Distribution Venue / CC BY 2.0 / Wikimedia

Kansas City Convention Center, 1976. Foto: Steam Pipe Trunk Distribution Venue / CC BY 2.0 / Wikimedia

Messeturm in Frankfurt, 1990. Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia

Messeturm in Frankfurt, 1990. Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia

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