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22.10.2021

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Wohnen im strengen Raster

Wunderwerk und DM Studio in Tiflis


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In der Peripherie von Tiflis hebt sich ein neuer Wohnblock von der Vorstadtarchitektur ab, die ihn umgibt. Der funktionalistische Betonriegel mit 35 Wohneinheiten steht in Bagebi am Westrand der georgischen Hauptstadt, das an das benachbarte, recht noble Viertel Vake anschließt. Vake mit seiner historischen Bausubstanz gehört zu den begehrtesten Adressen der Stadt, beherbergt einen Campus der Staatlichen Universität und ist geprägt von einem großen Park und Naherholungsgebiet. Wer sich das Wohnen in den stattlichen Villen und Wohnhäusern in Vake nicht mehr leisten kann, zieht weiter nach Bagebi, weshalb der Ortsteil zunehmend an Ansehen gewinnt.

Für die Architekt*innen stellte sich anfangs die Frage, wie adäquater Wohnraum in diesem Kontext heutzutage aussehen kann und was ihn vom typischen Plattenbau der Sowjetzeit unterscheidet. Das Büro Wunderwerk (Tiflis) rund um das Team George Beriashvili, David Makharoblishvili und Gigi Shukakidze erarbeitete gemeinsam mit DM Studio einen von außen streng funktionalistischen, von innen jedoch flexibel umplanbaren Bau, der den Fokus auf die Bewohner*innen legen möchte. Den Architekt*innen zufolge hatte der private Bauherr den Anspruch, ein Gebäude zu schaffen, das im Gegensatz zur beengten Wohnsituation in der Nachbarschaft eine geräumige und gesunde Umgebung bietet.

Im Zuge von Recherchen stießen die Architekt*innen auf Wohnbauten des nahen Universitätscampusses. In einem der dortigen Studentenwohnheime wurden über Jahrzehnte abchasische Flüchtlinge untergebracht. Die Planer*innen interessierten sich dafür, wie sich Menschen an eine Bebauung anpassen und wie sich wiederum vorhandene Strukturen an unterschiedliche Lebenssituationen adaptieren lassen. Letztendlich ließ sich beim Neubau alles auf die simple Form eines Betonskeletts herunterbrechen, dessen horizontale und vertikale Massivbauelemente alle statischen und versorgungstechnischen Anforderungen aufnehmen. Die Grenze des Wohnraums von innen nach außen ist hier jedoch schmal, fließend und verglast.

Die Erschließung des Wohnblocks geschieht auf drei Ebenen, was der vorhandenen Geländesituation geschuldet ist. Eine zweigeschossige Tiefgarage, Flächen für Sport- und Freizeitaktivitäten im Erdgeschoss, ein Pool auf dem begrünten Dach und eine Parkanlage bieten gemeinschaftlich nutzbaren Raum. So wie sich die Außenwelt und das Leben der Bewohner*innen ständig verändert, soll es auch die Innen- und Umwelt des Gebäudes tun. Die einzige Konstante bleibt die Struktur und die Gebäudehülle in grauem Sichtbeton. (sab)

Fotos: Angus Leadley Brown, Giorgi Dadiani, Tako Robakidze


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Kommentare

5

STPH | 25.10.2021 09:02 Uhr

@Karl 3

Aber wie schick sich doch alle diese Sachen vor einer schwarzen Wand machen. Aus Addition wird irgendwie Reduktion.

4

peter | 25.10.2021 08:40 Uhr

tiflis

ein paar innenansichten, treppendetails oder auch die außenanlagen wären mal interessant gewesen zu sehen.

3

Karl | 24.10.2021 20:10 Uhr

Schweiz

Diese voyeuristischen Blicke auf die Balkone eines bewohnten Hauses würde ich mir mal bei den Schweizer Projekten wünschen. Da wird die Hochglanzfotografie präsentiert. Die Bewohner haben aber auch Bobbycars und Wäscheständer. Oder auch nicht ? Aber WCs scheinen die makellosen Westeuropäer trotzdem noch zu brauchen ? Vielleicht nicht mehr lange, wenn der Transhumanismus Fortschritte macht ?
Tolles Projekt. Zeitlos und schön.

2

ixamotto | 23.10.2021 10:26 Uhr

Geschichtenerzähler

Ein minimal veredelter Rohbau für maximale Renditeabschöpfung im Dunstkreis eines Nobelviertels . Große statt kleine Wohnungen für ein zahlungskräftiges Publikum. 3 Treppenhäuser für 7 Wohnungen pro Etage, das allein kostet schon. Dazu auf dem Dach, im EG und im UG die Service-Angebote, die man auch aus dem Ferienressort gewohnt ist. Werden fraglos auf den Grundpreis der Wohnung aufgeschlagen.

Alles aus verwertungslogischer Perspektive nachvollziehbar und architektonisch jetzt auch nicht vollkommen daneben.

Aber dann so eine peinliche Architektenstory, die einem aus Fremdscham die Röte ins Gesicht treibt. In der dann auch noch abchasische Flüchtlinge herhalten müssen, um eine Architektur zu begründen, deren tatsächliche Motive genauso banal sind, wie ihre Erscheinung. Und Baunetz erzählt das Märchen noch mal in zwei Absätzen nach. Hmm...

1

Roland W. | 22.10.2021 15:53 Uhr

wohnen im strengen Raster

Diese Architektur ist nicht besser wie die weiter hinten stehende Hochhausarchitektur. im ersten Moment habe ich gedacht, es handelt sich um eine Hochgararge. Sauber aufgereiht. aber weshalb sollte man so etwas, mit einer derartigen Präsens erlauben?
Schade für den Ort, man hätte mehr draus machen können.

 
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