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22.03.2017

Frischer Radikalumbau

Wohnhaus in Rotterdam von Shift


Manchmal braucht es einfach keine Außenaufnahmen. Jedenfalls sind Shift architecture urbanism aus Rotterdam dieser Meinung. Ihr kürzlich fertiggestelltes Projekt Matryoshka House bebildern sie – abgesehen von einem verwackelten Nachtbild – nur mit Innenaufnahmen. Wer nun aber denkt, dass es hier lediglich um schickes niederländisches Interior Design ging, täuscht sich. Konfrontiert mit einem heruntergekommenen Wohnhaus in der Innenstadt Rotterdams entschieden sich die Architekten, das Gebäude zu entkernen und zwei doppelgeschossige Einheiten mit durchgehenden Wohnbereichen in die alte Hülle hineinzusetzen.

Bekanntlich sind die niederländischen Stadthäuser traditionell lang und schmal. Im vorliegenden Fall sind es 14 Meter von der Straßenfront bis zum Garten. Schlecht belichtete Bereiche in der Tiefe des Baukörpers sind der Nachteil dieser historischen Typologie. Dass der Wohnbereich der unteren Wohnung noch dazu im Souterrain liegt, machte die Sache nicht leichter. Shift spielten die Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen geradezu lehrbuchhaft durch, ohne dass das Ergebnis didaktisch wirken würde. Ein erster wichtiger Schritt war es, die Südseite zum Garten mit einer durchgehenden Fensterfront zu öffnen, um möglichst viel Licht in die Tiefe des Baukörpers zu bringen.

In beiden Wohnungen legten die Architekten die Schlafbereiche auf die obere Ebene. In der unteren Wohnung rückten sie die Schlafzimmer von der Außenhülle weg, der Wohnbereich entfaltet sich hier also sowohl an der Straßenseite als auch zum Garten zweigeschossig, wodurch das Souterrain ganz neue Qualitäten gewinnt. Die beiden Schlafzimmer öffnen sich wiederum – ähnlich wie Galerien – mit raumhohen Fenstern zu den beiden Lufträumen. Um die gesetzlich vorgeschrieben Belüftung der Schlafzimmer zu gewährleisten, arbeiteten die Architekten im doppelgeschossigen Bereich des Wohnraums mit einer abgehängten Decke, in der sich Schächte für die direkte Frischluftzufuhr befinden. Die Abluft wird mechanisch abgeführt und im Kern des Hauses nach oben geleitet.

In der oberen Wohnung drehten die Architekten das Prinzip um. Hier sind die beiden Schlafzimmer und das Bad direkt nach außen orientiert und spannen einen zweigeschossigen Raumbereich in der Mitte der Wohnung auf, der sich bis zum Dachfirst erstreckt. Frei gelegte Holzbalken erinnern an das bauliche Erbe. Zwei Elemente, die sich in den Wohnungen wiederholen, schaffen eine konzeptionelle Verbindung. Erstens die Platzierung der Treppenläufe, einiger dienender Räume und vieler Einbauschränke in einen mit Stahlplatten verkleideten Block, der sich vor allem in der oberen Wohnung klar abzeichnet. Zweitens die frei im Raum platzierte Küchenzeile, die als eigentliches Zentrum beider Wohnungen gelten kann. Womit wir wieder bei den Themen Coolness und Design wären – denn die mit weißen Keramikfliesen verkleidete Küchenzeile schlägt mit Leichtigkeit jede noch so elegante Küche, wie man sie hierzulande im gehobenen Wohnungsbau  findet. (gh)

Fotos: Noortje Knulst


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