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08.07.2022

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Plädoyer für Umbaukultur

Wohnhaus in Berlin von Praeger Richter Architekten


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Der Neubau von heute als Materiallager für morgen – dieses Konzept steht hinter dem Ausbauhaus Südkreuz, einem von Praeger Richter Architekten nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entworfenen Mehrgenerationenhaus im Berliner Stadtenwicklungsgebiet „Schöneberger Linse“. Das in der Fertigstellung begriffene Projekt wurde schon ausgezeichnet: Es erhielt im kürzlich vom Berliner Senat ausgelobten Ideenwettbewerb „Re-Use am Bau“ einen 3. Preis. Als Bauherr tritt die Baugruppe Südkreuz 86 auf, die im Rahmen eines Konzeptverfahrens 2019 den Zuschlag für das Grundstück erhielt.

Das Berliner Architekturbüro hatte bereits 2014 ein Ausbauhaus im Stadtbezirk Neukölln realisiert. Ähnlich wie bei diesem Projekt und einem Wohnensemble in Neuruppin ist auch am Südkreuz die Kosteneffizienz zentraler Aspekt des Entwurfs und wird auf den gesamten Lebenszyklus des in Holzhybridbauweise errichteten Gebäudes übertragen: Je geringer die Lebensdauer der Bauteile, desto einfacher sollen sie demontier- und wiederverwendbar sein. Dementsprechend bildet eine Tragstruktur aus Stahlbeton mit größtenteils roh belassenen Oberflächen die konstruktive Basis. Dazu kommt eine rückstandslos recyclingfähige Fassade aus vorgegrautem Lärchenholz, deren Erscheinungsbild von bodentiefen Fenstern, Balkonen und roten Sonnenschutzvorhängen geprägt ist.

Beim Innenausbau als kurzlebigstem Teil des Gebäudes wurde der künftige Umbau durch wechselnde Nutzer*innen bereits eingeplant. Eine verbundstofffreie Konstruktion mit nachwachsenden Baustoffen ermöglicht die einfache Demontage und Wiederverwendung der Bauteile: Alles ist sicht- und lösbar verschraubt, gelegt oder gesteckt, Oberflächen bleiben vorzugsweise unbehandelt oder sind weiß lasiert. Als Zimmerwände dienen trocken montierbare Holzständerwände, der Fußbodenaufbau kommt ebenfalls ohne Verbundstoffe aus.

Der Siebengeschosser bietet auf 2.200 Quadratmetern Bruttogrundfläche 13 Eigentumswohnungen und drei förderfähige Wohnungen. Darüber hinaus sind im 4,5 Meter hohen Erdgeschoss zwei kiezgebundene Gewerbenutzungen untergebracht, das zurückgesetzte Dachgeschoss beherbergt neben zwei kleinen Wohnungen auch eine Unterkunft für Gäste und eine große gemeinschaftliche Dachterrasse. Die Etagenwohnungen sind zwischen 38 und 130 Quadratmetern groß.

Die Baukosten für das Projekt geben Praeger Richter, die für Konzeptverfahren und Leistungsphase 1–8 verantwortlich zeichnen, mit 4,1 Millionen Euro brutto in den Kostengruppen 300 und 400 an. Um die Idee des Materiallagers später auch tatsächlich realisieren zu können, habe man alle verwendeten Bauteile und die Zeit ihres Einbaus mithilfe von BIM-Modellen genau erfasst und dokumentiert, erklärt das Büro. (da)

Fotos: Lindsay Webb


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Kommentare

13

Leipziger | 12.07.2022 15:38 Uhr

Whataboutism

Es ist doch ein Superprojekt mit klarem Standing: Es werden Details entwickelt, die später demontierbar sind. Dabei versucht man nach Möglichkeit Holz zu verwenden und die Grundrisse sind auch einigermaßen platzsparend. Ist doch top. Keiner hat den Anspruch, die komplette Klima-/Wohnungs-/Energie-/Bauhandwerkskrisen mit einem einzigen Wohnhaus zu retten. Es wird hier an Lösungen geforscht, die aus einem bestimmt sehr zeitintensiven Bauprojekt Standards ableitet.


Die Überschrift ist tatsächlich etwas irreführend, schade. Auch interessiert hätte mich, wie die Abdichtung in Zusammenhang mit der Demontierbarkeit funktioniert, das ist bestimmt kompliziert, wenn alles trocken und nichtklebend verarbeitet wird.



12

ixamotto | 11.07.2022 22:54 Uhr

das gegenteil von gut...

...ist gut gemeint. so wie der kommentar von peter II. da wird ein problem als technisches und logistisches
verblubbert, das in wirklichkeit ein soziales ist.

wer ist denn dieses "man", das sich "jetzt mal gedanken" machen soll? ein rentnerehepaar im einfamilienhaus in niedersachsen? ein dynamischer vermögensmillionär in einer villa in grünwald? eine 6-köpfige familie auf 75 m2 unsaniertem altbau im wedding? wer kann, wer muss, wer sollte, wer darf, wer hat die wahl und wer nicht?

11

peter II | 11.07.2022 17:10 Uhr

@joscic

die preise im zimmerer-/holzbaugewerk sind auch jetzt schon explodiert - und das bei einem insgesamt sehr geringen holzbauanteil an der gesamtmenge neuen umbauten raumes. weder das hierzulande vorhandene holz (bitte nicht importieren), noch das verarbeitende handwerk sind auch nur annähernd in ausreichender menge verfügbar, um die bauwirtschaft in absehbarer zeit von beton auf holz umzustellen.

der vorhandene umbaute raum in deutschland reicht locker, um die nächsten jahrzehnte überhaupt nicht mehr bauen zu müssen. und ich behaupte mal, die meisten bauvorhaben sind reine nice-to-have-projekte. echte not herrscht fast nirgends. dieses ganz geschwafel von klimaschutz am bau könnte man weglassen, wenn nicht ständig an allen ecken wohn- und büroraum verschwendet würde. viele menschen leben auf 70-100-150 m2 pro kopf. vielleicht macht man sich jetzt mal gedanken über etwas optimierung, wenn man merkt, dass man die heizkosten nicht mehr zahlen will oder kann.

10

Miesepeter | 11.07.2022 16:24 Uhr

Fragen

Schöne Ideen. C2C wird auch immer wichtiger. Schön auch das Feinheiten wie Wandaufbauten oder Bodenaufbauten hier gezeigt werden.

Als notorischer Schwarzseher kommen mir allerdings (leider) komische Fragen
Wie ist das den mit den sichtbaren Holzwänden, ist vorgegeben dass die so bleiben müssen wie errichtet, oder werden die von den Bewohnern nach Geschmack gestrichen und tapeziert, und wenn das Wandregal weg kommt bleibt das Loch von der Schraube als Reminiszenz bis dann mal die ganze Holzwand ausgetauscht wird?
Zahlt die Gebäudeversicherung den roten Vorhang wenn ein Sturm den abgerissen hat und wie sicher fühlt man sich in der Wohnung wenn ein Sturm den Vorhang gegen die Scheibe knallt?

9

peter | 11.07.2022 13:52 Uhr

die überschrift ist maximal irreführend

und die grundrisse nicht mehr als standard. (die 1,20m lange küchenzeile soll sehr gut sein? echt jetzt?)

8

Christian Richter | 11.07.2022 13:27 Uhr

... und die Architektur?

Es kommt mir merkwürdig vor, dass zwar die vehement vorgetragenen, aber in Wirklichkeit nur in geringem Maße vorhandenen Modifikationen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit im Artikel dienstbeflissen wiederholt und abgeschrieben werden, aber - wo bleibt die Architekt? Es ist im Grund ein standadisierter Wohnungsbau, viel Beton, etwas Holz, eine Prise Elementierung, völlig normale Baukosten. Aber wann sieht man denn mal rote Vorhänge vor der ganzen Fassade? Was machen die da, ist das Sonnenschutz, Gestaltung, ...? Der Elefant steht im Raum, und alle gehen drumherum.

7

50667 | 11.07.2022 12:38 Uhr

Der Einsatz....


...von Holz im Innenausbau und an der Fassade ist vorbildlich.

Ein zeitoses. klares Projekt mit mit sehr guten Grundrissen. So einfach kann guter Wohnungsbau sein.

Die größte Nachhaltigkeit wird erzielt, wenn das Haus die nächsten 100 Jahre unverändert genutzt wird.

Wenn alle Fassadenanschlüße sauber geplant und ausgeführt sind spricht auch nichts dagegen.

6

Fabian Hoermann | 11.07.2022 11:54 Uhr

Das ist kein Umbau!

Titel und Inhalt bekomme ich nicht zusammen. Die dringende Debatte der (Um)bauordnung wird durch solch eine unpräzise Verwendung von Begriffen doch komplett konterkariert! Dies hier ist ein Neubauprojekt - und vielleicht in weiter Ferne einmal ein Umbauprojekt. Wir müssen aber seit gestern mehr Umbauen - und zwar im Bestand und mit dem was schon da ist. Da erwarte ich wirklich eine andere redaktionelle Einordnung!

5

Thomas | 11.07.2022 09:52 Uhr

Klasse

ein sehr schönes Projekt, tolle Materialien, smarte Umsetzung. Die Vorhänge kommen frisch daher. Bin allerdings gespannt wie lange diese funktionieren werden. Klasse

4

Malthus | 10.07.2022 22:01 Uhr

troll

Das Bauen ist mindestens so gefährlich wie das Kinderkriegen. Sobald ein Haus an den Medien hängt wie an einer Nabelschnur, gibt es keine Energieeinsparung mehr. Nur Verbrauch, Verbrauch, Verbrauch. Eventuell exponentielles Wachstum ? Bitte, liebe umweltbewussten Architekten, geht mit gutem Beispiel voran und stürzt euch von euren Hochhäusern.

3

troll | 10.07.2022 15:09 Uhr

muss das veröffentlicht werden?

Liebe Redaktion, müssen derartige Trollkommentare wie von "Ante" tatsÃählich veröffentlicht werden?

2

Ante | 09.07.2022 20:49 Uhr

???

Welche Klimaziele ? Überall wächst die Flora mit Turbo, weil soviel C0² als Pflanzennahrung da ist. Wenn die Windräder nicht für eine Veränderung des Wetters und für Trockenheit sorgen würden, wäre hier bald Dschungel. Gegen Holzbau spricht nichts. Das haben die Menschen am Bodensee schon in der Stein- und Bronzezeit gemacht.

1

joscic | 09.07.2022 11:43 Uhr

Auf jeden Fall ein sehr schönes Projekt

Ich sehe allerdings bei der Holz Hybrid Bauweise noch Luft nach oben. Der Rohbau sollte oberhalb des Kellers auch aus Holz sein. Sonst schaffen wir die Klimaziele nicht.

 
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