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01.08.2018

Kachel und Glanz in Antwerpen

Wohnblock von META, KGDVS, noAarchitecten und de vylder vinck taillieu


Slow Urbanism ist das Credo im Antwerpener Hafen, zu dem sich jüngst auch vier junge belgische Architekturbüros bekannten: META (Antwerpen), Office KGDVS, noAarchitecten (beide Brüssel) und Architecten de vylder vinck taillieu (Gent). Dass Hafengebiete heiße Pflaster für Stadterweiterungen sind, ist bekannt, doch gibt es meilenweite Unterschiede in der Herangehensweise. Während im unweit gelegenen Rotterdamer Hafen auf gewaltige Verdichtung gesetzt wird, wie beispielsweise OMA's „vertikale Stadt“ zeigt, geht es in Antwerpen behutsamer zu.

Ein Blick in die Geschichte des belgischen Hafens verrät, dass das einst quirlige „Eilandje“ mit seinen historischen Speichern und schmalen Wohnhäuschen seit dem Aufkommen der Containerschifffahrt in den 1960er Jahren zunehmend entvölkert wurde. Traditionelle Fischerei war nicht mehr möglich. Seit 2002 nun wird das Areal, aus einem städtebaulichen Wettbewerb resultierend, nach Ideen von Architekt Manuel Solá-Morales peu à peu an die Antwerpener Innenstadt angegliedert. Wenngleich die planerische Devise Behutsamkeit und Zurückhaltung lautet, setzt die Subtilität doch in einigen Fällen aus. Beispiele sind Zaha Hadids Hafenverwaltung, das Museum Aan de Stroom von Neutelings Riedijk oder die sechs Hochhäuser am Westkaai von Diener + Diener Architekten, David Chipperfield Architects und Tony Fretton Architects.

Vier Büros, vier Häuser, ein Raster

Das nun fertiggestellte Projekt KAAI37 schließt eine der letzten Lücken auf dem Eilandje. In einem gemeinschaftlichen Entwurf gestalteten die vier belgischen Büros – als Gewinner eines von der städtischen Immobiliengesellschaft AG Vespa organisierten Wettbewerbs – den südlichen Teil eines Wohnblocks. Vier Wohnhäuser, jedes Büro entwarf eins, formen einen u-förmigen Innenhof, der vom Rotterdamer Büro West 8 gestaltet wurde.

Auf 8.500 Quadratmetern Grundfläche schufen die jungen Architektinnen einen Baustein, der insgesamt 77 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten Platz bietet. Das zugrundeliegende Raster zieht sich in abgewandelter Form durch die äußere Erscheinung aller Gebäude und nimmt Bezug auf die umliegenden Lagerhäuser. Kacheln an der Fassade und viel Grün soll den Eindruck von Zusammengehörigkeit vermitteln.

Abwechslung in der Gestaltung

Balkone durchbrechen die gekachelte Fassade des von Office KGDVS geplanten Wohnhauses und sollen damit auf die Typologie der umliegenden Lagerhäuser verweisen, deren Fassaden ebenfalls gen Wasser vorspringen. Auf vier Geschossen und einem Staffelgeschoss wurden hier elf Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten mit Ausrichtung zum Wasser untergebracht. Dem Wohnhaus von META verleihen vorgefertigte, tragende Rahmenteile aus Beton ein Strukturkleid. Messingfarbene Balkon- und Verschattungselemente schaffen einen Kontrast zum glanzlosen, grünlich gefärbten Beton.

Das dritte Glied in der Viererreihe sitzt an der südwestlichen Ecke des Blocks: Auf der dunkelgrün glasierten Kachelfassade lassen noAarchitecten die Fenster durch Versetzen "tanzen", um das Raumprogramm abzubilden. Dieses umfasst Duplexwohnungen, Ein-Zimmer-Studios sowie Penthouse-Wohnungen. Die portugiesischen Kacheln sind in weißen Kreuzfugen verlegt, die vom Nachbargebäude aufgegriffen wird. So spielt der Eckbau von Architecten de vylder vinck taillieu mit matt- und weißglänzenden Riemchen, grünen Fugen und einer wechselnden Anordnung der Steine. Der gesamte Bauabschnitt – und somit alle vier Neubauten – setzen auf Passivhaus-Standard.

Text: Elisabeth Haentjes

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es: „Mit einem Budget von 1,43 Millionen Euro schufen die jungen Architektinnen auf 8.500 Quadratmetern Grundfläche einen Baustein, der insgesamt 77 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten Platz bietet.“ Die Aussage wurde präszisiert. Die Kostenangabe von 1,43 Millionen Euro bezieht sich ausschließlich auf die 11 Wohneinheiten und zwei Gewerbeeinheiten des Abschnittes, der von Office KGDVS geplant wurde.


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Mintgrüne Kacheln zieren das von Office KGDVS entworfene Wohnhaus, Architecten de vylder vinck taillieu planten das Eckgebäude in weißem Stein.

Mintgrüne Kacheln zieren das von Office KGDVS entworfene Wohnhaus, Architecten de vylder vinck taillieu planten das Eckgebäude in weißem Stein.

Gen Westen liegen das in portugiesische Kacheln gekleidete Gebäude von noAarchitecten und METAs Wohnhaus, dessen messingfarbene Balkone Glanz auf die Fassade bringen.

Gen Westen liegen das in portugiesische Kacheln gekleidete Gebäude von noAarchitecten und METAs Wohnhaus, dessen messingfarbene Balkone Glanz auf die Fassade bringen.

Die Gebäude bilden einen Innenhof, der von West 8 gestaltet wurde.

Die Gebäude bilden einen Innenhof, der von West 8 gestaltet wurde.

Die vier Wohnhäuser umschließen den halben Block im südlichen Teil.

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