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16.11.2016

Ein bis zwei Hochhäuser

Wettbewerb in Erfurt entschieden


Während sich eine Metropole wie Berlin bei unkonventionellen Wohnungsbauprojekten nicht selten etwas schwer tut, läuft es in so mancher Landeshauptstadt deutlich besser. Unter dem Titel „Smart Living“ hatte die Wachsenburg Baugruppe einen geladenen Wettbewerb für ein großes Grundstück am Juri-Gagarin-Ring ausgerufen. Entstehen soll eine Mischung aus unterschiedlichen Wohnformen, wobei auch ein Hochhaus geplant ist. Dass unter dem Jury-Vorsitz von Stefan Forster nun nur zwei 2. Preise vergeben wurden, bedeutet jedoch nicht, dass es diesem Verfahren grundsätzlich an Qualität gemangelt hätte – im Gegenteil, fast alle Entwürfe sind von hohem Standard. Die Platzierungen im Überblick:



Dass der geladene Wettbewerb auf Eigeninitiative eines privaten Bauherrn durchgeführt wurde und auch nicht daran zu zweifeln ist, dass eine Realisierung tatsächlich folgt, hat mit dem Unternehmen selbst zu tun. 1990 von der Architektin Carola Busse gegründet, wurden seither zahlreiche Projekte umgesetzt, bei denen räumliche Qualität und wirtschaftlicher Nutzen immer in einem guten Verhältnis zueinander standen. Daraus folgte nicht nur das stete Wachstum des Unternehmens, sondern 2013 auch die Auszeichnung mit dem Deutschen Bauherrenpreis.

Diese Basis ist auch der Ausgangspunkt für das Projekt „Smart Living“, das selbst für die Wachsenburg Baugruppe einen gewissen Maßstabssprung bedeuten dürfte. Eine komplexe Mischung aus regulärem Geschosswohnungsbau, betreutem Altenwohnen, einer Seniorenresidenz sowie hochwertigen Einheiten in den oberen Etagen soll durch Gewerberäume, Serviceangebote und Gemeinschaftsflächen ergänzt werden. Gefordert waren sowohl niedrigere Baukörper als auch ein Hochhaus, das sich am Mailänder Bosco Verticale von Stefano Boeri orientieren durfte. Entstehen wird das Projekt auf dem Gelände des einstigen Jugendtouristenhotels Völkerfreundschaft, das schon vor einiger Zeit abgerissen worden war.

Die beiden mit einem 2. Preis ausgezeichneten Entwürfe, die von der Jury auch zur Überarbeitung empfohlen wurden, stehen dabei für deutlich unterschiedliche Setzungen. Das Projekt von Schettler Architekten zeigt eine dezidiert moderne Architektur, die an einen leichten Hotelbau aus den Sechzigerjahren denken lässt. Mittels getreppt verlaufender, doppelgeschossiger Fassadenräume werden Bäume und viel Grün elegant in die umlaufende Balkonstruktur integriert. Das gesamte Bauprogramm passt in einen Turm, der durch eine modulierte Riegelbebauung ergänzt wird.

Das ebenfalls mit einem 2. Preis ausgezeichnete Projekt von Worschech Architekten zeigt hingegen eine konventionellere Architektur mit – laut Jury – „offenbar bewusst enger Anlehnung an den Formen- und Materialkanon des Geschosswohnungsbaus“. Mit der Begrünung tut sich dieser Ansatz allerdings deutlich schwerer – hier muss man spontan eher an ungepflegte Blumenkästen als an einen vertikalen Wald denken. Im Gegensatz zum anderen, gleichrangig platzierten Entwurf arbeitet das Büro jedoch mit zwei Wohntürmen, was stadträumlich wahrscheinlich die spannendere Lösung ist.

Ebenfalls zwei Türme schlagen auch die drittplatzierten AFF Architekten vor, die allerdings kein offenes Ensemble aus mehreren Volumen projektieren, sondern eine geschlossene Ringbebauung vorsehen. Diese wird im Erdgeschoss durch Arkaden und Durchgänge aufgelöst, wobei letztere auf einen öffentlich zugänglichen Innenhof führen. Die Architektur lässt sich dabei als gleichermaßen streng wie luftig beschreiben, mit schlanken Schotten und dünnen Deckenplatten, die zusammen eine setzkastenartige Balkonstruktur ergeben.

Weitere Teilnehmer des Verfahrens waren neben den prämierten Büros unter anderem noch Dietz Joppien Architekten, Deckert Mester Architekten mit Schneider+ Schuhmacher, Osterwold°Schmidt EXPANDER und Schulz und Schulz Architekten. Neben Stefan Forster und Carola Busse gehörten der Jury außerdem Heinz Nagler und Paul Börsch an. Trotz der leichten Verzögerung aufgrund der Überarbeitungsphase soll das Projekt zeitnah umgesetzt werden. (sb)


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Ein 2. Preis: Schettler Architekten

Ein 2. Preis: Schettler Architekten

Ein 2. Preis: Worschech Architekten

Ein 2. Preis: Worschech Architekten

3. Preis: AFF Architekten

3. Preis: AFF Architekten

Engere Wahl: Dietz Joppien Architekten

Engere Wahl: Dietz Joppien Architekten

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