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27.07.2018

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C.F. Møller bauen Bahnhof Altona

Wettbewerb für Hamburg entschieden


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In Hamburg tut sich viel. Allein im Stadtteil Altona entsteht auf einem alten Güterbahnhof die Neue Mitte mit 3.500 Wohnungen. Ein langer Parkstreifen soll zukünftig von der dichten Bebauung des neuen Quartiers fast bis zur Elbe führen. Moment mal: Grünstreifen, fahren dort nicht die Fernzüge zum Kopfbahnhof Altona? Und damit wäre man beim nächsten Großvorhaben der Stadt. Denn der Fernbahnhof Altona soll in naher Zukunft an die zwei Kilometer entfernte S-Bahnstation Diebsteich verlegt werden. Anstelle der Trassen für Schnellzüge ist dann tatsächlich Platz für eine Parkfläche bis ans Wasser. Ende Juni wurde der geladene Wettbewerb zu Hamburgs größtem Verkehrsprojekt entschieden.

Der Neubau des Fernbahnhofs Altona für rund 360 Millionen Euro ist dabei auch in verkehrstechnischer Hinsicht ein außerordentlich wichtiges Projekt für die Hansestadt. Die Deutsche Bahn will damit nämlich den Hauptbahnhof entlasten. Parallel hierzu wird das zerfaserte Gebiet am Diebsteich mit vielen Gewerbe- und vereinzeilten Wohnbauten durch die Verlagerung des Bahnhofs eine Aufwertung erfahren.

Das Projekt soll ein wirtschaftlicher Knotenpunkt in einer heute noch recht ruhigen Umgebung werden: Neben der Bahnhofshalle sollen ein bis zu 20-stöckiges Bürohaus, ein Hotel mit 16 bis 17 Etagen, ein Fahrradparkhaus mit etwa 1.000 Stellplätzen, Einzelhandelsflächen, Gastronomie sowie eine Tiefgarage für mehr als 300 Autos entstehen. Den Ausbau der Trassen und die Verlagerung der Station übernimmt die Deutsche Bahn. Das ergänzende Hochbauprojekt, das mit ca. 160 Millionen Euro Kosten geschätzt wird, soll wiederum die Projektgesellschaft ProHa Altona tragen, ein Joint Venture des Immobilienentwicklers Procom und der Haspa-Tochter Haspa PeB. Zumindest zum Teil könnten die Kosten auch durch Grundstücksverkäufe gegenfinanziert werden.

Die ProHa lobte in diesem Jahr einen geladenen Wettbewerb für den Neubau des Bahnhofskomplexes aus. 13 Büros, darunter MVRDV (Rotterdam), UNStudio (Amsterdam) und Carmody Groarky (London), reichten ihre Entwürfe ein. Im Mai vertagte die Jury des Wettbewerbs unter Vorsitz von Julia Bolles-Wilson (Münster) zunächst die endgültige Entscheidung und ließ drei Einreichungen weiter ausarbeiten. Nun, nach Sichtung der überarbeiteten Entwürfe, konnte das zuletzt 18-köpfige Preiskomitee den Gewinner ermitteln. Das finale Ergebnis im Überblick:

Gewinner:


Finalisten:


Der neue Bahnhof Altona wird mit diesem Ergebnis kein elegantes Hochhaus-Duo, wie es Baumschlager Eberle Architekten vorschlagen. Ihre klare geometrische Fassadengestaltung erinnert an die klassische Moderne der 20er-Jahre. Er wird auch keine Hymne an die norddeutsche Backsteinbaukunst sein, wie sie gmp mit gewundenen Ziegelsteinsäulchen in changierenden Farbtönen anstimmen. Vielmehr sieht der Entwurf von C.F. Møller eine vor- und rückspringende aerodynamische Glasfassade vor, die sich stilistisch und materiell von regionalen Bautraditionen löst.

Der kürzlich aus Köln nach Hamburg gewechselte Oberbaudirektor Franz Josef Höing lobte in einem Artikel in der Welt den ästhetischen Ansatz von C.F. Møller, da die Architekten „im besonderen Maße auf die zukünftige Entwicklung des Quartiers“ achteten und der Entwurf, „eine Leichtigkeit und Modernität besitzt, die der Rolle des Komplexes als Initialzündung für die gesamte Umgebung” gerecht werde.

Die Besonderheit des Siegerprojekts ist auch, dass die Architekten trotz der  strikten typologischen Vorgaben des Wettbewerbs als zusätzliche Qualität weitere Freiflächen vorsehen: Auf dem organisch geschwungenen Dach der Bahnhofshalle wird es in Zukunft eine öffentlichen Grünanlage mit Blick auf die Gleise geben.

Baubeginn ist offiziell schon in diesem Herbst, die Inbetriebnahme ist für den Fahrplanwechsel 2023-2024 vorgesehen. Ob alles so kommt? Noch kämpft die Bürgerinitiative Prellbock gegen das Projekt. (sj)


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Kommentare

8

Mies | 02.08.2018 16:52 Uhr

Kontext

Es gibt keinen Kontext. Es schließen sich nördlich, östlich und westlich Gewerbegebiete sowie ein Park an.
Im Süden entsteht die Neue Mitte Altona. Was dann in Ottensen oder in Eimsbüttel steht, ist nicht relevant.

Wir sprechen immer noch über einen Neubau eines Bahnhofs, ein Gebäude, dass bestimmte Funktionen zu erfüllen hat. Des Weiteren kenne ich keinen Bahnhof, der sich nicht aus seinem Kontext löst.

Die Strategie in der HafenCity, im Wesentlichen das Erbe von Herrn Walter, betrachte ich auch sehr, sehr kritisch. Wobei sich dieser rote Faden durch Hamburg spannt. Siehe u. a. Neue Mitte Altona.

Und dass vermutlich die Idee des begehbaren Gründachs nicht so umgesetzt wird, wissen wir alle. Am Ende wird sich, wie bei jedem Wettbewerb, zeigen was von der Idee in gebaute Realität umgesetzt wird.

Und die Idee der Aufenthaltsfläche auf dem Dach ist ja für Reisende und Wartende gedacht. Und für die Menschen, die in Büros arbeiten, oder in dem Hotel zu Gast sind. Jemand, der z.B. 20 Mintunten auf seinen Anschlusszug warten muss (Umsteiger) wird zum Elbstrand fahren. Völlig unrealistisch. Um zum Volkspark geht oder fährt man auch nicht mal eben. Zu Fuß locker 40 Minuten, mit dem Rad 10 Minuten.

Heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass man in einem Wettbewerb nichts riskieren kann. Wenn man immer so denkt, dass das eh nicht/nie gebaut wird etc., dass würde auch nur noch 0815 gebaut werden.

Hier liegt u. a. die Verantwortung bei den Architekten, spannende und inspirierende Vorschläge zu machen. Ich glaube nicht, dass einer der Teilnehmer für ein schlechtes Zeitungsfoto am Wettbewerb teilgenommen hat.

7

remko | 02.08.2018 11:28 Uhr

...

@Mies: den Kontext kenne ich sehr gut, ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft. Man hätte beispielsweise auch versuchen können, sich gestalterisch auf das zu beziehen, was man in der Nähe, also Ottensen, Eimsbüttel und Bahrenfeld, so vorfindet, um an die Stadt anzuschließen. Stattdessen verfolgt man die Hafencity Strategie (Diversität bis zur Beliebigkeit), die ja nun nachweislich mehr als in die Hose gegangen ist. Ich finde es auch erstaunlich, dass die Greenwashing Methode in Hamburg immer noch zu funktionieren scheint. Im Ernst, wer wird denn einen Park auf dem Bahnhofsdach besuchen, wenn man den Volkspark direkt vor der Nase und den Elbstrand ein paar Fahrradminuten entfernt hat. Und wer soll ihn unterhalten? Alleine schon die Position der Fahrradrampe, die den Bahnhofseingang ins Visier nimmt, ist doch ein klares Indiz dafür, dass es bei diesem Wettbewerb nicht um den Entwurf ging, sondern nur um das Hochglanzbild in der Zeitung.

6

mehmet | 01.08.2018 11:34 Uhr

zu eng...

ich würde das nicht zu eng sehen. ein gutes bürogebäude oder ein guter bahnhof sollte durchaus auch woanders gut funktionieren, warum denn nicht. was soll das?

wenn es dann um lokalkolorit geht, wirds auch sehr schnell schwierig.

der erste preis geht durchaus in ordnung, einfach auch stimmig präsentiert.

5

Mies | 01.08.2018 10:22 Uhr

Ortsbezug

Herr remko,

vielleicht sollten Sie, bevor Sie hier solche Kommentare abliefern, sich vor Ort ein Bild machen.

Von welchem Ortsbezug sprechen Sie?
Gewerbegebiet? Lagerhallen der Post? Autowerkstätten?

Ihr Kommentar zeigt mal wieder, dass kein Sachverstand vorhanden ist.

Der neue Bahnhof hat u. a. die Aufgabe erst mal überhaupt einen Ort zu generieren. Aktuell könnte man von "Generic City/Waste Land" (Koolhaas) sprechen.

Dazu darf ich noch erwähnen, dass ich an dem Wettbewerb teilgenommen habe (nicht gewonnen!).
Der erste Platz ist am Ende doch am interessantesten.

4

peter | 31.07.2018 15:21 Uhr

und mit KLINKER

wäre dann alles töfte gewesen, was remko?

3

remko | 31.07.2018 07:43 Uhr

...

@Max der Entwurf des Wettbewebsgewinners könnte auch in Kassel Wilhelmshöhe, Mannheim oder Herne so stehen. Null Ortsbezug, Null Identität.

2

Max | 30.07.2018 17:13 Uhr

@remko

???

1

remko | 30.07.2018 11:21 Uhr

...

Die Verwandlung Hamburgs in ein generisches Shanghai/Dubai/Kuala Lumpur ist nicht mehr aufzuhalten...

 
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Konnten mit ihren grünen Dachterrassen überzeugen: Gewinner C. F. Møller Architects.

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So soll ab 2024 der Zugang zur neuen Bahnhofshalle Hamburg Altona aussehen: Gewinnerentwurf von C.F. Møller Architects.

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Finalisten gmp • Architekten von Gerkan Marg und Partner schlugen eine farblich changierende Backsteinfassade vor.

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Eine elegant reduzierte Fassade und ein abgesetztes Treppenhaus reichten die Finalisten Baumschlager Eberle Architekten ein.

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