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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Wettbewerb_fuer_Berliner_Muehlendammbruecke_entschieden_7704262.html

23.08.2021

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Bereit für die Mobilitätswende

Wettbewerb für Berliner Mühlendammbrücke entschieden


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„Von einer Brücke für die Autos zu einer Brücke für die Menschen“ – so lautet der Titel der Preisträgerarbeit von Arup Deutschland und COBE (Kopenhagen) im Wettbewerb um den Ersatzneubau der Mühlendammbrücke in Berlin. Er begegnet der lokalen Kritik ebenso wie er auf die Herausforderungen der Planung verweist. Die Mühlendammbrücke ist Teil der historisch bedeutendsten und aktuell wichtigsten Verkehrsachse der Innenstadt – neben der Straße Unter den Linden. In acht Spuren quert der Verkehr derzeit die Spree und damit den ältesten Teil Berlins zwischen Molkenmarkt, Fischerinsel, Gertraudenstraße und Spittelmarkt.

Eile ist geboten. Der Zustand der rund 45 Meter breiten und 116 Meter langen Spannbetonbrücke von 1968 gilt als „außerordentlich überwachungsbedürftig“. Die Fahrstreifen wurden bereits eingeengt, die Busspuren zur Mitte verlegt, das Parken auf dem Mittelstreifen untersagt. Schwertransporte werden nur noch im Ausnahmefall genehmigt. Zugleich gibt es Kritik an den Ersatzneubauplänen. Die von mehreren Initiativen getragene „Allianz für einen neuen Mühlendamm“ fordert unter anderem weniger Autofahrspuren, vor allem aber Mitsprache, wenn es um die Gestaltung der Brücke geht. Der Senat wiederum argumentiert, dass man den Verkehr nicht so einfach weglenken könne und verweist auf die geplante Straßenbahnlinie sowie die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs.

Dieser setzte die Zusammenarbeit von Ingenieur- und Architektenteams voraus und ließ Varianten für verschiedene Nutzungsphasen ausarbeiten, die einerseits für das heutige Verkehrsaufkommen gewappnet sind und andererseits eine Zukunft planen, in der weniger Autos und mehr Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahn unterwegs sind. Zudem ging es um gut gestaltete Anschlüsse an die Ufer sowie den neuen Park auf der Fischerinsel. Bevor das Preisgericht am 28. Juli tagte, konnten Bürger*innen Bewertungen zu den zehn eingereichten Wettbewerbsbeiträgen abgeben, die auch der Jury bekannt gemacht wurden. Das neunköpfige Preisgericht unter Vorsitz von Manfred Kühne, Abteilungsleiter Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, entschied sich für folgendes Ergebnis:

  • 1. Preis: Arup Deutschland (Berlin), COBE (Kopenhagen)

  • 2. Preis: Schlaich Bergermann Partner (Berlin), grbv Ingenieure im Bauwesen (Berlin)

  • 3. Preis: Mayr Ludescher Partner (München), Fritsche und Partner (Deggendorf), Auer Weber (München)

  • Anerkennung: Ramboll Deutschland (Hamburg), Gottlieb Paludan Architects (Kopenhagen)


Mit leicht konkavem Schwung überspannt der Siegerentwurf von Arup und COBE die Spree. Die Jury erkannte darin eine „zeitgemäße, individuelle Lösung, insbesondere durch die Ausbildung der V-förmigen Stützungen“. Die tieferliegende Gehbahn ermögliche eine hohe Aufenthaltsqualität mit Blick in die Stadt. Die Sitzstufen auf der Südwestseite entstünden beiläufig im Übergang zwischen angehängter Gehbahn und Haupttragwerk, so die Preisrichter. Dank einer besonders effizienten und materialsparenden Konstruktion erfülle der Entwurf die Kriterien für Nachhaltigkeit und mache die Mühlendammbrücke zur Brücke für die Mobilitätswende.


Konkret heißt das: Anstatt der drei soll es künftig nur noch zwei Autospuren pro Richtung für die rund 63.000 Fahrzeuge pro Tag geben, dazu je eine kombinierte Bus- und Radspur. Langfristig ist nur noch eine Autospur angedacht. Wenn die neue Tramstrecke vom Alexanderplatz in Richtung Potsdamer Platz und Hallesches Tor in Betrieb ist, soll die Busspur zugunsten breiter Radwege entfallen. Zudem sind großzügige Fußwege geplant. Die neue Brücke soll bis 2028 fertiggestellt sein, die Kosten sind mit 46,5 Millionen Euro veranschlagt. (fm)


Zum Thema:

Ausführliche Erläuterungen zu den Preisträgerentwürfen und zum Projekt unter: https://mein.berlin.de/projekte/neugestaltung-der-muhlendammbrucke-in-berlin-mitte/


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Kommentare

7

Lars K | 25.08.2021 07:44 Uhr

Hinschauen

Wer den Ort und die bisherige Brücke kennt, der wird leicht sehen können, was hier zurecht "Mobilitätswende" genannt wird: Drastische Einschränkungen für den Autoverkehr, mehr Platz für Tram, Fahrrad und Fußgänger. Alleine wo all die Fußgänger an dieser Stelle herkommen sollen, wo die hinwollen und warum sie neben der Fahrbahn sitzen wollen würden, das erschließt sich nicht.
Ach ja, der Berliner Rotstift kommt ja erst noch und streicht ein paar Dinge aus dem Entwurf. Warten wir die Realisierung mal ab. Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet, das gabs in der Hauptstadt schon öfter.

6

mawa | 24.08.2021 16:16 Uhr

@Tius

Man sollte sich vielleicht mal den Entwurf angucken, bevor man loskeift, da ist kein »Schotter«.

5

??? | 24.08.2021 14:02 Uhr

Mobilitätswende

bedeutet also, an einem maximal unwirtlichen Ort ein paar Sitzstufen einzuplanen? Wow. Die Fahrradspuren in dieser Dimensionierung kann man sich auch sparen, wenn sich der Querschnitt im restlichen Teil der Stadt auf 1/5 reduziert.

4

Nicole | 24.08.2021 13:09 Uhr

Vielfalt

Glückwunsch zu den schönen Projekten und der offensichtlich gelungen Kooperation.
Wie toll, dass es den Teams trotz der engen Vorgaben gelungen ist, so unterschiedliche Beiträge zu erarbeiten.
Ohne den Wettbewerb hätte man die Breite der Möglichkeiten sicher nicht erahnt.


3

Marius Pritsch | 23.08.2021 22:40 Uhr

Wettbewerb

Ich bin absolut für Wettbewerbe. Aber in diesem Fall frage ich mich schon, ob das Verfahren wirklich notwendig war. Wo ist der Mehrwert, wenn es so wenige Parameter zu gestalten gibt, dass man auch einfach einen 1:1 Ersatz hätte ausschreiben können?Eine durchschnittliche Autobahnbrücke kommt schließlich auch ohne Architekturbüro aus. Nichts für ungut, Kollegen.

2

Tius | 23.08.2021 18:50 Uhr

Schotterpiste statt Autopiste

Leider wird hier - wie auch am angrenzenden und derzeit im Umbau begriffenen Molkenmarkt - trotz der Reduzierung der Straßenbreite grundsätzlich an der Funktion einer Verkehrsschneise festgehalten: Statt der bisherigen Parkplätze soll in der Straßenmitte eine neue Tram entlangdonnern. Der ruhende Verkehr wird hier also gegen die Barriere eines Gleisbetts ersetzt, wie es vielleicht in einem Vorort akzeptabel ist - nicht jedoch in der Innenstadt. Wenn hier im historischen Kerngebiert der Stadt attraktive Straßenräume mit Aufenthaltsqualität wiederentstehen sollen, sollte der Verkehr an der Oberfläche reduziert und nicht nur umgewandelt werden.
Bitte keine Tram mit eigenem Gleisbett in der Innenstadt!

1

Jenatsch | 23.08.2021 17:23 Uhr

Juryvorsitz

Ein Senatsvertreter als Juryvorsitzender? Aus guten Gründen sehr unüblich. Das macht hoffentlich nicht Schule!

 
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1. Preis: Arup Deutschland | COBE, Kopenhagen

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2. Preis: schlaich · bergermann partner, Stuttgart; grbv Ingenieure im Bauwesen, Hannover

2. Preis: schlaich · bergermann partner, Stuttgart; grbv Ingenieure im Bauwesen, Hannover

3. Preis: Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure, München; Fritsche und Partner mbB Beratende Ingenieure, Deggendorf

3. Preis: Mayr Ludescher Partner Beratende Ingenieure, München; Fritsche und Partner mbB Beratende Ingenieure, Deggendorf

Anerkennung: Ramboll Deutschland, Berlin; Gottlieb Paludan Architects, Kopenhagen

Anerkennung: Ramboll Deutschland, Berlin; Gottlieb Paludan Architects, Kopenhagen

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