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10.01.2018

Theater von der Scheune bis zur Burg

Wakkerpreis 2018 des Schweizer Heimatschutzes geht an Stiftung Origen


Ist womöglich das Europäische Kulturerbejahr schuld? So jedenfalls kann man die Presseerklärung des Schweizer Heimatschutzes zur diesjährigen Vergabe des Wakkerpreises (miss-)verstehen. Dort heißt es nämlich, man weiche in eben genau diesem Jahr vom ehernen Grundsatz ab, mit dem Preis eine Gemeinde auszuzeichnen, die sich vorbildlich für die Pflege und Entwicklung ihres Ortsbildes einsetzt. Ein Bruch mit der Tradition also, aber das immerhin mit gutem Grund. Prämiert wurde mit der Nova Fundaziun Origen schließlich ein Kulturträger, dessen Festival das uralte Örtchen Riom weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Und nicht zuletzt mit dem beeindruckenden temporären Theaterturm auf dem Julierpass wandelte die Stiftung auch im Bereich der Architekturexperimente auf neuen Wegen.

Ansässig ist sie mit Riom im Kanton Graubünden, wo sie vom in der Gegend aufgewachsenen Theaterintendanten Giovanni Netzer gegründet wurde. Der meide bewusst die Blackbox des Theaters und suche immer wieder nach neuen Möglichkeiten, das „Spartendenken städtischen Kulturlebens“ zu überwinden. Mit der Gemeinde und ihrer Jahrtausende alten Geschichte hat er darum einen idealen Ausgangspunkt für seine Arbeit gefunden. In der Nähe wichtiger Nord-Süd-Pässe gelegen, war kultureller Austausch hier schon immer eine Selbstverständlichkeit, andererseits haben sich durch die Abwanderung der letzten Jahrzehnte aber auch ungewöhnliche Freiräume ergeben. An mehreren besonderen Orten – von der Burg, die über der Gemeinde thront, über eine stattliche Villa, einer einfachen Scheune bis hin zum neu errichteten Theaterraum – entstand seit 2006 ein breites Spektrum an Spielstätten im Bestand.

In seiner Würdigung hebt der Schweizer Heimatschutz jedoch nicht nur die ortsbildnerischen Leistungen der Stiftung hervor, sondern erwähnt explizit auch die belebende Wirkung für Riom und die Umgebung. Mit dem Festival kommen schließlich nicht nur kurzfristig Touristen ins Tal, sondern auch junge Mitarbeiter und Künstlerinnen, die sich für längere Zeit in den sonst leerstehenden, alten Häusern einquartieren. Damit legt der Heimatschutz einen Schwerpunkt auf die Herausforderung, nicht nur Gebäude und Orte zu erhalten, sondern durch neue Nutzungen dauerhaft ihren Fortbestand zu sichern. Der Preis, der nach dem Geschäftsmann und Stifter Henri-Louis Wakker benannt ist und seit 1972 vergeben wird, öffnet sich damit weiterhin aktuellen Entwicklungen jenseits einer engen Definition des kulturellen Erbes. (sb)


Zum Thema:

www.heimatschutz.ch


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