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24.07.2015

Staab Architekten und hg merz

Wagner-Museum in Bayreuth erweitert


Ihren Namen hat die Villa Wahnfried, weil die Zusammensetzung der Gegensätze „Wahn“ und „Fried” Richard Wagner „mystisch berührte“, wie sich Cosima Wagner erinnerte. In einer Vereinigung von Gegensätzen bestand auch die Herausforderung für Volker Staab und sein Büro Staab Architekten (Berlin), die das in der Villa residierende Richard-Wagner-Museum gerade erweitert haben. Zentrale Frage war, wie sich die auratische Wirkung des Ortes erhalten lässt, während zugleich das Ensemble an die heutigen Anforderungen des Museumsbetriebs angepasst wird – für die Ausstellungsgestaltung zeichnen hg merz architekten verantwortlich. Die Wiedereröffnung findet an diesem Wochenende statt.

Die Aktualisierung und Erweiterung des Museums sieht eine Mischung aus funktionaler Ergänzung, formaler Rekonstruktion und konzeptioneller Erweiterung vor. Neben der Villa fällt zunächst der pavillonartige Neubau von Staab Architekten auf, der als Pendant zum historischen Siegfried-Wagner-Haus gesehen werden kann. Eingeschossig und trotz dunkler Oberflächen angenehm leicht, entfaltet sich das Gebäude linear entlang der Grundstücksgrenze. Die Materialität lässt an Mies denken, was gewiss zu dieser – im Guten wie im Schlechten – urdeutschen Erinnerungslandschaft passt.

Weil sich der Neubau auf das erst um 1930 zugekaufte Grundstück beschränkt, wird durch den Eingriff der Architekten auch der Garten wieder in seiner ursprünglichen Konzeption erfahrbar. Hinzu kommen weitere rekonstruierende Eingriffe wie der Abbruch des Verbindungsbaus zwischen Siegfried-Wagner-Haus und Villa, wodurch die neopalladianische Architektur von Carl Wölfel und Wilhelm Neumann in ihrer solitären Stellung wieder gestärkt wird.

Teil dieser Strategie der Zurückhaltung ist es zugleich aber auch, wichtige funktionale Notwendigkeiten in den Untergrund zu verbannen. Was sich nämlich dem Blick der Besucher entzieht, ist nicht nur das tieferliegende Geschoss des Erweiterungsbaus, sondern auch ergänzende Medienräume, große Depotflächen und lange Verbindungsgänge, die sich bis unter den Vorplatz ziehen. Das scheinbar noch immer primär historische Villenensemble hat sich also längst in einen hochgradig integrierten Museumskomplex des 21. Jahrhunderts verwandelt.

Die Neukonzeption der Ausstellung durch hg merz folgt der Unterschiedlichkeit der Architektur. In der alten Villa, die nach schweren Kriegsschäden erst in den Siebziger Jahren vollständig rekonstruiert wurde, dreht sich alles um Richard Wagner selbst, wobei originale Handschriften in einem begehbaren Tresor präsentiert werden. Im Siegfried-Wagner-Haus, wo auch Adolf Hitler einst genächtigt hatte, wird dann die ideologische Vereinnahmung Wagners durch die Nationalsozialisten dokumentiert. Und im Untergeschoss der Erweiterung, deren Erdgeschoss für Sonderausstellungen zur Verfügung steht, dreht sich alles um die Festspielgeschichte.

Die erhoffte Wiedereröffnung des Museums zum 200. Geburtstag des Komponisten 2013 hatte nach dem bereits 2010 durchgeführten Wettbewerb nicht geklappt. Angesichts des Umfangs der Eingriffe und der späten Grundsteinlegung war dies zwar nur wenig überraschend, jetzt zeigt sich jedoch, dass sich das Warten gelohnt hat: Die Gestaltung der beiden Büros wird der Komplexität des Ortes voll und ganz gerecht. (sb)

Fotos: Marcus Ebener


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