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21.09.2020

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Wohnkapelle am See

Villa von Thomas Kröger in Wandlitz


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Die Gemeinde Wandlitz liegt nur 25 Kilometer nördlich des Berliner Stadtzentrums. Wie auf einer Brandenburg-Postkarte kommen hier alle Klischees zusammen: Der Ort liegt inmitten hochstämmiger Mischwälder auf sandigem Boden rings um den Wandlitzer See – man möchte sofort wieder einmal Fontane lesen. Über die Bundesstraße 109 und die „Heidekrautbahn“ ist Wandlitz allerdings bestens an Berlin angebunden und somit für Wochenendhäuser besonders attraktiv. So erwarb hier eine Familie aus Berlin ein dicht bewaldetes Grundstück am Westufer des Sees und beauftragte den Berliner Architekten Thomas Kröger mit dem Entwurf eines Wohnhauses.

Mit 540 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche ist das Haus eindeutig nicht mehr als Datsche zu bezeichnen. Der Familie war wichtig, dass sie in Zukunft ganz nach Wandlitz umziehen könne und entsprechend viel Platz vorgesehen wird. Das Ziel der Architekten bestand zunächst darin, das Haus trotz der umfangreichen Raumwünsche kompakt zu halten, um möglichst wenige Kiefern fällen zu müssen.

So wurde das Haus dreigeschossige und steht dicht an der südlichen Grundstücksgrenze, seine Innenräume öffnen sich über eine verglaste Ostfassade fast ausschließlich zum See. Die drei restlichen Seiten bleiben weitgehend geschlossen. Zur Straße im Westen schiebt sich der südliche Gebäudeteil mit einem geschwungenen Halbrund nach vorne, was die Apsis einer kleinen Kapelle assoziiert. Darin liegt die Küche, aus der ein kleines, quadratisches Fenster den Weg zum Haus übersieht.

Dieser Weg führt von der Straße auf einer langgezogenen Betonrampe sanft abwärts zum Eingang. Das Untergeschoss ist ob der direkten Seenähe eine Wanne aus WU-Beton, darauf stehen die beiden Obergeschosse als Holzkonstruktion. Das Treppenhaus im Inneren sowie der an der Nordwand markant nach außen tretende Kamin aus Sichtbeton sind die aussteifenden Elemente. Die Fassade besteht aus sibirischer Lärche.

Hinter der Haustür betritt man einen kleinen Eingangsbereich, rechts geht es hinab ins Untergeschoss und geradeaus über vier Stufen hinauf zum zentralen, fast fünf Meter hohen Wohnraum mit Blick auf Wald und See. Rechts ragt das offene Treppenhaus ins Wohnzimmer und zeigt das Split-Level-Prinzip des Neubaus. Eine halbe Treppe führt zur Küche in der Apsis und von dort im geschwungenen Bogen ins Esszimmer, das sich wieder zum See öffnet. Auf der nächsten Ebene folgt der Elternteil mit Ankleide und Schlafzimmer; das Badezimmer liegt im Halbrund über der Küche, Tageslicht fällt von oben durch ein kreisrundes Dachfenster. Im Elternschlafzimmer verweist die Reihung von schmalen Fenstern auf die hohen Stämme der Kiefern rings um das Haus. Ein halbes Geschoß weiter oben finden sich je ein Gäste-, Kinder- und Arbeitszimmer, bevor der Weg zuletzt an einer Sauna vorbei auf die große, auf zwei Ebenen verteilte Dachterrasse führt, die wie eine Lichtung im Wald von Kieferkronen gesäumt wird. (fh)

Fotos: Philipp Obkircher



Kommentare

9

54qm | 22.09.2020 15:06 Uhr

unf trotzdem eng

Beim Eintreten stolpert der Besucher über einen Sofagraben, der den nicht kleinen Raum viel zu eng wirken lässt.
Oder aber er krazt die Kurve und zwingt sich durch die Einschnürung der Splitlevel-Treppe vorbei an einer mehrwertfreien Rundung in ein Esszimmer, das mit allen Räumen des Gebäudes das doppelte Glück teilt, gleichzeitig wie ein Durchgang und eine Sackgasse zu wirken.
Alle hier ist eher banal als selbstverständlich und verkehrt die möglichen Qualitäten der Entwurfselemente in ihr Gegenteil, statt sie zu etwas überraschendem zu fügen.
Traurig.

8

schlawuki | 22.09.2020 14:44 Uhr

neid

da wird man ja doch neidisch irgendwo.
nein, nicht auf das haus, das können die kollegen 1 bis 7 definitiv besser.
die lage, der see, das grundstück und die nähe zur großen stadt ......

7

Mainzer | 21.09.2020 22:34 Uhr

z.T. etwas krampfig

... nun ja, Bild 7 gibt die Sitzordnung unzweifelhaft vor, wenn die Schwiegermutter zu Besuch in die Wandlitzer Wohnhalle kommt. Dank der gelben Polster ist wenigstens ein gewisser Abstand vorgegeben. Auflockerungen willkommen ...

6

peter | 21.09.2020 21:55 Uhr

maßstab

ein für das büro kröger ungewöhnlicher entwurf - ungewöhnlich klassisch-modern. im ganzen sehr gediegen, wenn auch für meinen geschmack das wohnzimmer zu groß ist und nicht die erforderliche aufenthaltsqualität bietet. auf bild 7 wirkt es wie eine zugige eingangshalle. warum fällt man so mit der tür ins haus?
ja, und sehr schade natürlich, dass herd und kühlschrank keine konkaven fronten erhalten konnten - da hätte der architekt noch etwas intensiver mit den hausgeräteherstellern in den ring steigen sollen ;)

5

Hinrich Schoppe | 21.09.2020 19:12 Uhr

Ikone mit Geld

Na immerhin gibt es noch Menschen mit Geschmack und Architekten mit Können, die aus einem Haufen Geld ästhetisch anspruchsvolle Dinge erstellen. Also alleine das Grundstück....
Natürlich erscheint das gute Stück schon leicht abgehoben, aber das waren andere ikonische Häuser auch, die nicht gerade für den Normaverbraucher gedacht und schon garnicht von diesem hätten erwirtschaftet werden können. Das bleibt vielleicht die Schwäche des Projektes: Wie bekommt man so etwas unter das "gemeine Volk"? Und wie bringt man dieses dazu, so etwas überhaupt zu wollen?!

4

Peter | 21.09.2020 18:21 Uhr

Atmosphäre

Die Räume wirken merkwürdig und wenig einladend für ein Wohnhaus. Entweder liegt es an den Materialen, den Proportionen oder am Licht? Oder alles zusammen?

Und auch die Rundung im Grundriss macht keinen Sinn - sehr seltsam...

3

maestrow | 21.09.2020 17:09 Uhr

Kapellendatsche

Das Gebäude ist zweifellos ein wenig größer als eine Datsche und für die Kapelle fehlt noch das religiöse Symbol. Aber 540 qm BGF? Wo sind die versteckt?
Die Bauherrschaft wird sich ganz der Wohnreligion hingeben. Als Symbol die rundgeschliffene Badewanne vielleicht golden über der Apsis oder im etwas schief sitzenden Tabernakel? Oder kommt noch ein Campanile im zweiten Bauabschnitt mit was Religiösem obendrauf?
Montagsrätsel über Montagsrätsel...

2

Lutzinger | 21.09.2020 16:00 Uhr

Geht doch

Endlich mal wieder ein richtig gut funktionierendes Haus hier im Baunetz. Gute Grundrissfigur mit den beiden Teilen, verbunden über das Split-Level-Treppenhaus. Schön kompakt und Holzbau, das macht doch alles Sinn.

Aber sind das wirklich 540 qm??? Dunnerlüttchen. Und dann noch sibirische Lärche in Wandlitz, da könnte man ja schon ein paar Witzchen reißen...

1

auch ein | 21.09.2020 15:42 Uhr

architekt

die Rundung ist, pragmatisch gesehen, an der schlechtesten Stelle....

Das macht die Küche unpraktisch und teuer, im Bad darüber gibt es seltsame Verschnitte....

Aber das sind Realisten-Probleme, weniger einem heiligen Ort würdig ;-)

Und ganz seltsam ist der Kamin, der entspricht eher der Form einer "Kapelle" (wie man sie aus der CHemie kennt)...

 
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