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13.05.2020

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Drei Kamine auf der Kuppe

Villa in Virginia von T. W. Ryan Architecture


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Die Struktur der Mauern wie in Mies van der Rohes Konzept „Landhaus in Backstein", markante Schornsteine wie die 1738 erbaute Stratford Hall in Virginia, Kupferdächer wie sie US-Präsident Thomas Jefferson für sein nahes Landgut Monticello nutzte – diese Villa strotzt vor historischen Bezügen, zumal sie laut Architekten obendrein von den traditionellen Kolonialhäusern der amerikanischen Südstaaten inspiriert ist. Three Chimney House heißt dieser Komplex westlich von Charlottesville, den das Büro  T.W. Ryan Architecture aus New York entworfen hat.

Bauherrin ist eine junge, vierköpfige Familie aus Virginia, die sich hier ihren 530 Quadratmeter großen Wohntraum erfüllte. Entstanden ist ein Ensemble aus drei Volumen, die jeweils eine Hauptfunktion aufnehmen und die umliegende Natur einrahmen. Küche und Wohnbereich beispielsweise sind nach Westen, Richtung Sonnenuntergang und Shenandoah-Gebirge ausgerichtet, während die Drehung des Schlaftraktes für grüne Berghänge vor dem Fenster sorgt.

Man betritt das Gebäude über die eingeschossige Eingangshalle aus Ziegelsteinen, eine gläserne Galerie zweigt rechterhand in die Bibliothek ab. Gegenüber liegt die Haupthalle mit Küche, Ess- und Wohnzimmer. Über einen Flur an deren Südseite geht es in den Schlafbereich, während am nördlichen Ende ein Atelier und das Gästehaus liegen. Dreieinhalb Meter hohe Mauern stecken sich wie Windmühlenflügel aus, um gezielte Blicke auf die Berge freizugeben und das Haus nach außen abzugrenzen. Überragt wird alles von drei jeweils neun Meter hohen Schornsteinen, wie die Mauern sind sie aus gekalkten Ziegeln errichtet. Der Schlafflügel, der in seiner archaischen Form und Materialauswahl an traditionelle Scheunen und Bauernhöfe erinnern soll, ist mit schwarz gebeiztem Zedernholz verkleidet.

Neben Holz und Ziegeln kamen Kupfer und Stein zum Einsatz, alles lokal typische, langlebige Materialien. Denn, so der Wunsch der Bauherren, dieses Haus soll über Jahrhunderte Bestand haben – ganz im Gegensatz zu den typischen, oft nur wenige Jahrzehnte überdauernden Häusern in US-amerikanischen Vorstadtsiedlungen. Platziert ist der Neubau auf einer Hügelkuppe am Waldrand mit Blick auf die Berge, im Osten eines 18 Hektar großen Grundstücks. Ursprünglich war es sogar Teil einer größeren Ranch, die im Bürgerkrieg als Lazarett für Verwundete und danach als Freifeld für Pferdetraining und Weidegang diente. Das letzte verbliebene Gebäude auf dem zum Zeitpunkt des Kaufs unbewohnten Grundstück war jedoch eine verfallene Jagdhütte aus den 1960er Jahren. (kat)

Fotos: Joe Fletcher


Kommentare

13

Tine Wittler | 18.05.2020 13:31 Uhr

Interview mit einem Vampir

...äpfel mit birnen zu vergleichen ist eben nicht nur formsache. kirchen mit amerikanischen landhäusern zu vergleichen eben auch...

san gimignano finde ich da schon interessanter, obwohl dieses nahezu grotesk erscheint zum bezug... dann eher strecken auf x und y.
alle die referenzen, steckt viel idee drinnen aud draußen. alles sehr theoretisch hergeleitet, bietet sehr viel stoff für disskusionen, lässt daher auch fragen zu, warum all das. hier?
schuster bleib bei deinen leisten. wer ist schuster?
bauherr, architekt, kontext?
schornstein und der herr wright:
der baute stehts einen rücken dazu, dach, technik, konstruktion nie ohne zusammenhalt...

ein interview mit dem bauherren wäre ja mal interessant...

12

claus | 16.05.2020 11:48 Uhr

die Stadt, der Hügel und das Schöne

Da scheint jemand stark von San Gimignano und der Stadt auf dem Hügel geträumt zu haben. Ein Bild von weiter weg wäre hierzu noch interessant gewesen. Von der Zufahrt aus gesehen, hält sich das Haus trotz seines prominenten Positionierung angenehm zurück, mir gefällt die Haptik des geschlämmten Mauerwerks und die kleinen Öffnungen, Schornsteine und Kupferdach scheinen von dieser Seite aus gesehen fast unumgängliche Notwenigkeit. Es ist zwar leise, aber auch gleichzeitig sehr präsent. Wirklich schön, das ist alles um Welten besser, als diese ärgerliche Kirch-Kita vor ein paar Tagen in Hannover. Leider wird diese Konsequenz auf der Gartenseite (Bild 9) etwas konterkariert, hier stimmen die Proportionen irgendwie nicht mehr richtig, das Konglomerat will nicht richtig aneinander haften und zerfallen, darüber hinaus werden die klaren Formen von Art und Größe der Einschnitte und Öffnungen geschwächt. Im inneren bleibt das Haus meiner Meinung nach irgendwie außerhalb seiner Möglichkeiten. Sicher die Treppe ist schön, aber der Rest ist bleibt etwas mau...

Sicher sind hier viele Zitate verbaut (der Architekt hat u.a. bei Richard Meier gearbeitet), diese sind aber in meinen Augen gut kombiniert. Der Widerspruch liegt nicht in den Referenzen, sondern in der Auflösung zur Landschaft, die es so nicht benötigt hätte. Trotzdem ein gutes Haus und nicht nur eine alles und dabei nichts erfüllende A/V-Kiste...

11

Karl | 15.05.2020 19:03 Uhr

Keine Architekten

Hoffentlich sind es keine Architekten, die es besser wissen als die Bauherren dieses wundervollen Hauses.
Was geht es euch an, wenn sich jemand das Haus baut, was ihm gefällt ?
Woher wollt ihr wissen, dass alles beheizt ist und wird ?
Woher wollt ihr wissen, dass da 4 Personen leben ? Vielleicht auch nur 2 oder 1 !
Passivhäuser sind menschenverachtend und geplante Sondermüllhalden. Der ENEV- Nachweis ist der reine Selbstbetrug.
Dieses Haus wird mit dieser Materialität sehr alt werden. Der Haustechnikkrempel in den Passivhäusern ist nach 25 Jahren Schrott.

10

herodot | 14.05.2020 17:52 Uhr

neopomo? richard meier pro domo:

...auch richard hat dem entwerfer das zeichnen geleert.
zitate ohne ende, bis die schlote qualmen.

...wie in einem tarantino film...die enden ja immer im großen show down: das haus entsorgt sich stück für stück selbst, am kamin wird abends um feuer getanzt, tür für tür, fenster um fenster wird die hütte klein gemacht...und aus der asche wir ein phoenix steigen und nach dem chicken jagen...

snack a chickenwing!

9

NeoPomo | 14.05.2020 15:27 Uhr

Und immer ruft die Vergangenheit

Seltsam, dass sich hier niemand über die postmodernen Anklänge ärgert. Der Grundriß könnte von Stirling sein und die vielfachen Grundrißzitate (zwischen Wrigth und Mies) + Schornsteine muten auch eher wie ein Entwurf aus den 80ern an.Dazu kommen noch ein paar betonte runde oder dreieckige Öffnungen....

(Und auch noch eine schwarzweiße Axo!!!)

Ich finds ja klasse, aber ein bißchen mehr gebildete Aufregung hätte ich jetzt schon erwartet.

8

Mainzer | 14.05.2020 09:20 Uhr

irritierend ...

... eine Bergkuppe in freier Landschaft derartig wild mit 520 qm Wohnfläche für immerhin 4 Personen ( ...) zu verschleißen bzw. zu zerrupfen: Ressourcenverbrauch in xxl, Raumbildung innen wie außen wirkt sehr doch angestrengt. Geradezu wohltuend, dass viele Kirchen mit nur einem Turm in der Dorfmitte auszukommen scheinen ...

7

STPH | 14.05.2020 08:05 Uhr

Landart


Also offene Kamine waren wohl gewünscht. Warum dann nicht ein Motiv daraus machen als Steigerung des Hügels dieser groß-artigen Landschaft in Übergang zum Raum. Fast von oben gegeben, herabhängend und zwar alles, samt der Landschaft, sich herabsenkend. Kultur als top down wie wir auch lesen, wie der Statiker rechnet, von oben nach unten.
Der Rest kann dann relativ maßstäblich bescheiden sein.

Dem Breslauer Wohnheim von Scharoun fehlt auch der raumbildende Kamin, seitdem es wohl Fernwärme gibt. Nach oben hin werden aber die Formen immer wichtiger.

Wright wäre ohne den topdown Kamin unglücklich.

you: chicken or eagle?

stretch your wings

6

Dr. Yikes | 13.05.2020 20:27 Uhr

Almost heaven

Es würde mich nicht wundern, wenn Alfred Hitchock persönlich aus dem Reich der Toten zurückkehrrte, nur um dieser Villa die gebührende Würdigung in einem seiner Filme zu verschaffen. Wie dafür gemacht, scheint dieses Kleinod sich der zeitlichen Einordnung zu entziehen, um ihr, im Gegenteil, regelrecht zu strotzen. So entsteht aus dem Prozess der Aus-Ordnung am Ende etwas ganz außergewöhnliches. Ein wirklich gelungenes Projekt. Zumindest, bis der Eames-Chair auftaucht.

5

keine Mecker-Omma | 13.05.2020 18:10 Uhr

Die Drei Kamine

Sehr schönes Projekt. Klasse Proportionen.

Andere hätten ob der Anforderung Kamine ausreichend über die Firsthöhe zu ziehen, wohl eher kitschige Edelstahl-Auspuffanlagen installiert.

Es ist unsere Aufgabe als Architekten, aus allen Anforderungen - seitens der Bauherrschaft und seitens der Behörden - ein originäres Konzept mit einer guten Form umzusetzen.

Stemmt Euch gegen die Besserwisser - wer soll denn sonst die Welt mit guter Gestaltung hinreichend würdigen?

4

denkste | 13.05.2020 18:06 Uhr

Drei Kamine auf der Kuppe

Für mich angemessen in der Landschaft. Schöne Aussen- und Inneneindrücke.

3

S.L.Clemens | 13.05.2020 17:29 Uhr

schwarzstörche über nordamerika?

für ankommende eine seltsame geste des empfangs. was passiert hier? morbider scharm des vergänglichem, stillstand, rauchschwaden der vergangeheit? seltsamer anklang, schornstein als anknüfungspunkt? die strengen raumhöhen nehmen den ausblicken die weite, wo des blickes, angst? warum in der landschaft bauen, auf der bergkuppe, wenn doch die seele die ferne nicht will. fehlt eigelich nur der keller - zum lachen versteht sich...

2

Hopsing | 13.05.2020 16:48 Uhr

ein Krematorium

Friedhof und Krematorium, zwei erste Assoziationen.

1

Uwe Schulz | 13.05.2020 16:08 Uhr

Beispiel?

Bei Veröffetlichungen dieser Art frage ich mich immer mehr, was das eigentlich soll.
Riesige Volumen, natürlich alle beheizt, für eine überschaubare Anzahl an Nutzern.
Mit Geld kann man jede Übertreibung finanzieren, und die Bauherren haben es offensichtlich.
Aber für Kollegen und die Öffentlichkeit sollte so etwas kein Vorbild sein.
Die Feier solcher Kuriositäten als Architektur sollte der Vergangenheit angehören.

 
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