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24.06.2020

Schöner Wohnen auf der Schönburg

Umnutzung der Hauptpost in Bern von Theo Hotz Partner und Marazzi + Paul Architekten


Vierzig Jahre lange hatte die Schweizerische Post ihren Hauptsitz in der sogenannten Schönburg in Bern. Der achtgeschossige Betonkomplex mit kreuzförmigen Grundriss aus den 1970ern war einst Arbeitsplatz für 1.400 Angestellte, steuerte jedoch auf eine aufwändige Sanierung zu. Die Post sah sich in Folge nach einem neuen Domizil um, bereits 2009 wurde die Schönburg an den Immobilienfonds der Credit Suisse verkauft. Zunächst noch Mieter im ehemaligen Eigentum, bezog die Post 2015 schließlich den neuen Espace La Poste am S-Bahnhof Wankdorf. Die Schönburg stand zunächst leer.

„Aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst“ wurde der Bau durch die neue Eigentümerin, die Swiss Prime Site Immobilien AG, wie diese selber angibt. Seit 2016 wird der 162.846 Kubikmeter-Bau mit einem finanziellen Aufwand von 120 Millionen Franken in ein Hotel- und Wohnhausgefüge umgebaut. Dieses beinhaltet neben Wohnungen ein 188-Zimmer-Hotel sowie einen 800 Quadratmeter großen Supermarkt, ein Fitnesscenter und weitere zehn Townhouses in einem neuen Annex. Die vorausgegangenen Machbarkeitsstudien beinhalteten unterschiedliche Szenarien, etwa die weitere Büronutzung, den Totalabriss oder eine Umnutzung des Ensembles zum Spital. Neue Bausubstanz hätte jedoch eine zu geringe Ausnutzung aufgewiesen – und mit dem Verschwinden des Altbaus wäre nicht nur architektonische Qualität verlorengegangen, die heute so nicht mehr bezahlbar wäre, sondern auch ein wesentliches Stück Identität der Stadt. Für die Planung des Umbaus zeichnet die eigens gegründete ARGE Schönburg verantwortlich. Sie setzt sich aus dem Zürcher Büro Theo Hotz Partner, das die Schönburg 1970 ursprünglich entworfen hatte und Marazzi + Paul Architekten (Muri/Zürich) zusammen.

Die vielschichtige Umnutzung verlangte nach einem ausgeklügelten Erschließungskonzept mit zusätzlichen Eingängen, Treppenhäusern, Fluren und Fluchtwegen. Die bestehenden Strukturen wurden von den Planer*innen miteinbezogen – so konnte der Bestand im Wesentlichen erhalten werden. Haustechnik und Dämmung wurden modernisiert. Die Zimmereinteilung für den Hotelbetrieb erforderte jedoch eine neues Fassadenraster. Die monolithische Gestaltung der neuen Außenfassade zieht sich nun durch das ganze Gebäude. Lediglich der neue Annex für das Fitnesszentrum ist eigenständig gestaltet, fügt sich aber in die warme Farbpalette des Gesamtkonzepts ein.

Die Grundrissentwicklung war laut der ARGE ein Balanceakt zwischen Bestand und Neuplanungen. Entstanden sind insgesamt 142 Wohneinheiten, davon knapp die Hälfte mit zweieinhalb Zimmern von 40 bis 100 Quadratmetern für CHF 1.400. Mit Mieten von CHF 2.300 für dreieinhalb, 2.850 für viereinhalb, bis 3.500 für fünfeinhalb Zimmern richten sich die Wohnungen an Doppelverdiener. Auch die als „Wohnperlen“ angepriesenen zehn Townhouses adressieren eher weniger Familien. Die Toplagen in den oberen Geschossen waren bereits vor der offiziellen Ausschreibung an sogenannte VIPs vergeben, schreibt die Berner Zeitung. Der Run auf die Schönburg ist kein Wunder, bieten doch alle Wohneinheiten eine Loggia und die oberen Etagen spektakuläre Ausblicke auf das nahe Münster und die Schweizer Hausberge. Immerhin die Hotelbar auf dem Dach ist für alle Anwohner zugänglich. (tl)

Fotos: Rob Lewis


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Zu den Baunetz Architekten:

theo hotz partner | architekten
Marazzi + Paul Architekten


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Der sanierte Bestandsbau wurde um einen neuen Annex erweitert.

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Haustechnik und Fassaden des Bestands wurden ersetzt.

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Jede der 142 Wohnungen verfügt über eine Loggia.

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