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25.06.2014

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Licht im Bunker

Umbau in München


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Als „LS-Sonderbau Nr. 5“ diente der Hochbunker in der Ungererstraße ab 1943 als Schutzbau für die Münchner Bevölkerung. Über 700 Menschen fanden hier hinter zwei Meter starken Außenmauern auf sieben Geschossen Platz. Die historisierenden Schmuck-Elemente der Fassade bezogen sich auf die Umgestaltung Münchens zur „Hauptstadt der Bewegung“ – schließlich sollte sich der Bunker auch nach dem Krieg gut einfügen.

Tatsächlich wurde die ursprüngliche Nutzung noch lange nach dem Krieg beibehalten, 2010 stellte man das Bauwerk jedoch unter Denkmalschutz und verkaufte es an den Münchner Unternehmer und Architekten Stefan F. Höglmaier. Zusammen mit raumstation Architekten aus Starnberg erfolgte seither der Umbau in ein Wohn- und Geschäftshaus mit angeschlossenem Ausstellungsraum.

Dieses „gewöhnliche“ Programm im ungewöhnlichen Baukörper ist die eigentliche Besonderheit des Projekts: Wo sonst die Hochbunker der Kriegszeit meist nur für eine Sondernutzung erschlossen werden, waren hier alltagstaugliche Lösungen notwendig, von denen die größte Herausforderung die Belichtung der Innenräume war.

Hierzu wurden an allen vier Seiten Öffnungen eingeschnitten, deren asymmetrische Positionierung am Rand des Volumens den verschlossenen Charakter des Gebäudes jedoch immer noch gut erkennen lässt. Auch das kleine Penthouse auf dem Dach fügt sich, technisch anmutend und etwas zurückgesetzt, gut in die Tektonik des Baukörpers.

Neben den Geschäfts- und Ausstellungsräumen in den ersten beiden Geschossen beherbergt der Bunker drei weitere Loftwohnungen sowie ein dreigeschossiges Luxusapartment, zu dem auch das Penthouse gehört. Von dort bieten sich Ausblicke, wie sie mit Alpen, Frauenkirche und Englischem Garten münchnerischer nicht sein könnten.

Die Innenräume selbst sind mit großer Klarheit gestaltet. Die Fenstereinschnitte werden als eigener Raum inszeniert, und die Wohnräume sind mit ihren neuen Oberflächen als Einschub in die historische Substanz erkennbar. Diese ist wiederum dank der offenen Decke auch atmosphärisch wirksam, tritt jedoch nicht in den Vordergrund.

Kein ahistorischer Rohbau-Charme war hier also das Ziel, sondern eine Überlagerung der zeitlichen Schichten, die auch die Bedürfnisse der Gegenwart deutlich sichtbar macht. (sb)

Fotos: hiepler, brunier

Der Euroboden-Hochbunker wird am 28. Juni ab 15 Uhr in der Ungererstraße 158 in 80805 München eröffnet. Zu diesem Anlass wird die Ausstellung LABYR1 zu sehen sein, die von Euroboden zusammen mit Helge Achenbach und der Kunstberatung State of the Art entwickelt und vom Direktor der Kunsthalle Düsseldorf, Gregor Jansen, kuratiert wurde.


Zum Thema:

Auch schön: Bunker in Berlin, Hannover und Hamburg im Baunetz Wissen.


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Kommentare

5

Patrick | 27.06.2014 16:12 Uhr

@Nachwuchs

Die Argumentation ist zu kurz gegriffen. Wenn es der öffentlichen Hand darum geht, die Wohnpreise in München zu drücken, dann muss nicht nur in den niedrigen Wohnungssegmenten das Angebot ausgeweitet werden, sondern auch im Markt als Ganzes, auch in den oberen Segmenten. Nur so werden sich "die Reichen" weniger um die letzten verbleibenden Mittel- und Unterklassewohnungen in Zentrumslage kloppen sondern um hochwertigere und ausgefallene Objekte. Und ich sehe schon die Schlagzeilen der "tz", hätte man das Ding nicht luxussaniert: "Sozialhilfeempfänger in Bunker abgeschoben". Ist doch auch Murks...

4

Der Nachwuchs | 26.06.2014 14:29 Uhr

Hintergedanken

Ich finde es uninteressant hier über die Gestaltung zu sprechen. Für mich als Münchner drängt sich hier eine ganz andere Thematik auf:

In einer Stadt in der kultureller Freiraum und erschwingliche Wohnungen Mangelware sind, kauft ein (zugegeben ambitionierter und kreativer) Unternehmer ein Gebäude des Bundes, um es für eine wohlhabende, privilegierte Bevölkerungsschicht aufzuhübschen.

Ich finde die schon angesprochenen ewigen Beispiele von Bunkern mit Sonder/öffentlichen Nutzungen gerade so gut weil ein entscheidendes Merkmal weitergetragen wird: ein Gebäude für "Alle" bleibt möglicherweise auch ein Gebäude für "Alle".

Armes München: der Abverkauf geht weiter: Liegenschaften der Stadt, deren Tochtergesellschaften und des Bundes werden an das Luxussegment abgetreten: zur Bereicherung Einzelner mit dem Ergebnis der Verödung unserer Stadt.

Ob der Bunker jetzt "schön" ist oder nicht ist doch völlig egal.
"Schön" entwerfen können wir alle und "schön" ist streitbar.
Der Wert eines Gebäudes für das Gebilde unserer Stadt ist aber messbar: hier ist er genau NULL

3

David | 26.06.2014 08:43 Uhr

Wow

Wirklich mir gefällt die ganze Thematik 'Bunkerumnutzung' sehr gut und man muss da auch nicht immer soviel herein interpretieren, es ist auch nur ein Bauwerk zudem mit guten Absichten, dem Schutz der Zivilbevölkerung... (natürlich immer unter dem Aspekt das hier keine Zwangsarbeit oder Ähnliches stattgefunden hat). Einzig die Decken finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, klar "Sichtbeton" ist modern und man möchte hier den Bezug zum Bunker bewahren, aber ich finde das geht etwas zu weit, man weiß ja das man in einem Bunker wohnt, da aber nun täglich beim Blick nach Oben erinnert zu werden finde ich etwas beklemmend, zu dem ist gerade dieser Beton doch sehr rustikal und vermittelt trotz der großen Räume eher eine Art klaustrophobische Enge

2

der dude | 25.06.2014 18:40 Uhr

unaufgeregt

Also ich finds gelungen.

Ich würde nicht spießig oder langweilig dazu sagen. Für mich ist das eine wohltuend unaufgeregte Fassade, die ihre Besonderheit durch die klare Struktur der Öffnungen bekommt. Es muss nicht alles immer freaky und wild sein. Loggien sind übrigens auf der Eingangsfassade so umgesetzt wie von peter gefordert.

Auch in den Innenräumen finde ich den Spagat zwischen Erhalt der rohen Betonstrukturen und wohnlichen Materialien gelungen. Auch die Details z.B. der dicken, vom Boden abgesetzten Laibungen finde ich super.

Das einzige, was ich nicht bräuchte, wäre der polierte Eingangskubus. Aber den kann man ja in ein paar Jahren ersetzen, wenn er nicht mehr gefällt ;-)

MfG,
der dude

1

peter | 25.06.2014 15:59 Uhr

spießiger bunker

grundsätzlich ein guter ansatz, der die geschichte nicht leugnet und doch für die gegenwart gut nutzbar ist.

die fassaden finde ich allerdings etwas schwach und langweilig, da hätte man m.e. die neuen öffnungen mutiger herausarbeiten sollen und klar als zeitgenössisch kennzeichnen können, anstatt einfach nur standard-bürofassadenfenster einzusetzen. auch die wandstärke müsste doch eher thema sein, man hätte ja auch die fenster teilweise mal innen in der wand plazieren können und außen dann eine loggia erhalten. und den komischen polierten wellblecheingang verstehe ich auch nicht.

ich denke, wer sich eine wohnung im hochbunker kauft, erwartet nicht, dass alle details 1:1 so aussehen wie in jeder anderen premium-wohnanlage. der charme des ortes ist vielmehr hier das interessante, und der ist mit der hier realisierten architektursprache leider nicht besonders gut herausgearbeitet. schade, denn solche projekte gibt es nicht so oft, da wurde hier schon eine chance auf ein richtig gutes projekt vertan.

 
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