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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Umbau_in_Den_Bosch_von_Houben-Van_Mierlo_6942780.html

17.07.2019

Brutalismus aufgefrischt

Umbau in Den Bosch von Houben/Van Mierlo


Das brutalistische Erbe gilt vielen als letzter großer Aufbruch in der Architekturgeschichte und wird längst heiß diskutiert, zahlreiche Gruppen fordern seinen Schutz und Erhalt. Dennoch: Nicht alle Bauten dieser Zeit sind per se unbedingt im Urzustand erhaltenswert. Ein nachhaltigeres Modell kann hier der zeitgemäße Umbau darstellen.

Wie sich ein solcher erfolgreich umsetzten lässt, zeigt das Beispiel des ehemaligen Rijkswaterstaat im niederländischen ’s-Hertogenbosch, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Den Bosch genannt. Vergleicht man das wuchtige Originalgebäude des Ministeriums für den Bau und Unterhalt der nationalen Wasserstraßen aus dem Jahr 1979 mit dem nun vom Eindhovener Büro Houben/Van Mierlo durchgeführten Umbau, so wird wohl selbst der konservativste Brutalismusanhänger von einer positiven Veränderung sprechen. Denn der Bau wurde nicht gegen den Strich gebürstet, vielmehr wurde sein Charakter mit bemerkenswerter Feinfühligkeit erhalten und sogar hervorgehoben.

Die Architekt*innen legten die brutalistische Konstruktion, die früher im Verborgenen lag, durch geschickte Eingriffe frei, öffneten das Gebäude seinem Rasters entsprechend und integrierten es in die Nachbarschaft. Um der massiven Konstruktion ein zweites Leben mit der neuen Funktion als Wohngebäude zu geben, entfernte man ab dem ersten Obergeschoss die Betonseitenwände mit den kleinen Fenstern und ersetzte sie durch eine umlaufende bodentiefe Verglasung. Das so eingesparte Gewicht erlaubte es, das ehemals dreistöckige Gebäude um zwei Etagen aufzustocken, ohne dass weitere tragende Elemente verbaut werden mussten.

Während in den unteren Geschossen Ein- bis Dreizimmerwohnungen untergebracht sind, wird es ab der vierten Etage großzügiger, im Dachgeschoss finden sich schließlich Penthouse-Apartments mit Terrassen. Neben dem innenliegenden Treppenhaus gelangen die Bewohner auch über freiliegende Außentreppen in den begrünten Innenhof, was Begegnungen zwischen ihnen und Besuchern ermöglicht. Eine im Sockel des Gebäudes untergebrachte Zahnklinik macht den Innenhof zu einem halböffentlichen Bereich und integriert das Haus ins Stadtleben. Die Grünflächen rundherum wurden samt Baumbestand erhalten, sogar die Skulptur in der Wasserfläche vor dem Gebäude steht noch an ihrer angestammten Stelle und wirkt vor der neuen Fassade frischer denn je.

Wer sich ein eigenes Bild machen will, unternehme via Google Street View eine virtuelle Wanderung um das Gebäude. Dort sind aktuell die verschiedenen Zeitschichten des Umbaus erfahrbar: Bei einer Umrundung gegen den Uhrzeigersinn gelangt man vom Vorzustand auf der Ostseite über die Baustelle zum fertigen Haus in der Südansicht. Eine seltene Gelegenheit. (tl)

Fotos: René de Wit



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Houben/Van Mierlo haben ein Stück Brutalismus umgebaut: Als wär’s nie anders gewesen ...

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Bestehende Bäume und Grünflächen blieben erhalten.

Bestehende Bäume und Grünflächen blieben erhalten.

Der Innenhof schafft einen Interaktionsraum für die Nachbarn.

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Tragende Elemente der Konstruktion wurden freigelegt.

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