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07.11.2018

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Flirrende Méditerranée

Turm von Jean Nouvel in Marseille


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Ein ungewöhnliches Detail vorweg: Marseilles neuer Turm von Jean Nouvel (Paris) trägt eine bunte Fassade aus Stahlstreben, deren weites Farbspektrum von einem tiefen Blau bis zum knalligen Rot schräg über die 31 Stockwerke wandert, und jede einzelne dieser gefärbten Streben wurde von Facharbeitern vor Ort per Hand getönt. Das ist ein handwerklicher Aufwand, der bei heutigen technischen Fertigungsmethoden schon als wahnsinnig beschrieben werden kann. Jean Nouvel und sein Bauherr, der Entwickler Constructa, sehen ihn jedoch als soziales Merkmal: Insgesamt 900 Arbeitsplätze hätten sie im von hohen Arbeitslosenraten geplagten Marseille mit dem Projekt geschaffen, zumindest temporär. Hinzu kommt die hervorragende Ökobilanz von La Marseillaise, wie der Turm stolz in Anspielung auf Nationalhymne und Standort heißt: Wiederverwertbarer Textilbeton im Gebäudekern, patinaresistente Farbe und ein Fernkühlsystem, das die niedrigeren Temperaturen des Mittelmeeres in die Stadt einbindet, sollen dem Projekt als dem ersten in Frankreich die Auszeichnung „exzellent“ des HQE-Zertifikats und zugleich eine LEED-Zertifizierung Gold ermöglicht haben.  
 
Doch auch ungeachtet solch werbender Auszeichnungen ist dieser Turm von Jean Nouvel außergewöhnlich und toll: Die leichte, gleichsam tiefe Strebenkonstruktion auf der klaren Gebäudefigur fächert ihre knallbunten Töne ins Ungreifbare aus. 135 Meter ragt nun diese farbig flirrende Stele auf nahezu dreieckigem Grundriss aus der Stadtsilhouette hervor – als Pendant zum sehr viel glatteren Büroturm von Zaha Hadid Architects, der bislang am alten Hafen der einzige Hochbau in diesem östlichen Gebiet von Marseille war. La Marseillaise ist Teil eines großen Transformationsgebiets, mit dem die Stadtregierung das Areal am Industriehafen zu einem Kultur-, Arbeits- und Wohnviertel umwandeln möchte. Emblematische Neubauten wie Kengo Kumas Kunsthalle für die FRAC oder das direkt anliegende Businesszentrum Euromed von Fuksas sind Teil des ambitionierten städtebaulichen Umwandlungsprojekts.
 
Hinter den 16.000 Quadratmetern Glas, die Jean Nouvel an die bunten Stahlstreben seiner Marseillaise anschließt, befinden sich 35.000 Quadratmeter Büroflächen. Vor allem öffentliche Einrichtungen wie eine Abteilung der Departementverwaltung von Aix-Marseille-Provence oder die staatlichen Eisenbahnbetriebe SNCF, aber auch Haribo, Kommunikationsdienstleister Orange, die Versicherung Swiss Life und nicht zuletzt der Bauherr Constructa haben sich hier eingemietet. Geschäfte im Erdgeschoss, ein Restaurant und eine Kindertagesstätte für die Büromitarbeiter befinden sich im Gebäude. Dort, wo sich das engmaschige Gitter der Fassade zu größeren Quadraten lichtet, gibt es weite Terrassen – ebenso wie auf dem Dach. Die Farben der handgemalten Fassade sollen übrigens die Töne der Mittelmeerregion widerspiegeln – das blaue Meer, die rote Erde, der weiße Himmel. Solch einen romantischen Hang zeigt Jean Nouvel immer schon. (sj)

Fotos: Stéphane Aboudaram, Michèle Clavel


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Kommentare

4

...i.. ...e...h... | 10.11.2018 08:31 Uhr

Hier fragt man sich:

Warum ist eigentlich vorher niemand auf diese geniale Idee gekommen?

3

staubmeier | 08.11.2018 17:14 Uhr

Oh :)

wie schön :)

Und wie altbacken plump die Hadid nebendran steht.

2

Karlo | 08.11.2018 10:36 Uhr

Jop

War vor kurzem da, ist super. Schade, dass die Untersicht des eingerückten Erdgeschosses nicht abgebildet ist.

1

Lutz Borchers | 07.11.2018 18:42 Uhr

Grenfell Tower

blöd von mir, ich weiß.

 
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