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11.01.2022

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Entspannung an der Autobahn

Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel


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Wer auf der Autobahn A 71 unterwegs ist, sollte zwischen Erfurt und Sangerhausen unbedingt eine Pause einlegen. Dort wurde vor wenigen Monaten die Tank- und Rastanlage Leubinger Fürstenhügel eröffnet. Das Projekt ist in vielerlei Hinsicht einzigartig.

Von Friederike Meyer

Die Tank- und Raststätte Leubinger Fürstenhügel an der A71 ist nicht einfach nur ein architektonisch anspruchsvoller Neubau an der Autobahn, was allein schon eine Seltenheit in Deutschland darstellt. Auch die Kombination aus Autobahnservice und touristischer Infrastruktur mit Ortsbezug sucht ihresgleichen. Das liegt nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit zwischen Bund, dem Land Thüringen, der Kommune Sömmerda, der Projektleiterin DEGES, dem Tankstellenbetreiber Shell, dem Verein Heimatfreunde Leubingen, der IBA Thüringen und natürlich den Planer*innen, die den Wettbewerb gewonnen hatten.

Im dem von der IBA Thüringen angeregten und 2015 ausgelobten Verfahren sollten Architekten, Landschaftsarchitektinnen und Kommunikationsdesigner gemeinsam ein Konzept ausarbeiten, das den nur wenige hundert Meter vom Autobahnrand entfernten Leubinger Fürstenhügel in die Rastanlage einbindet. Dieser gilt als Mitteleuropas größter noch erhaltener Grabhügel aus der frühen Bronzezeit. Der Grabschatz wurde längst ins Museum nach Halle verlegt, doch der leicht eingedellte Hügel ist in der flachen Landschaft gut erkennbar. MONO Architekten, Planorama Landschaftsarchitektur und MUS Studio (alle Berlin) gewannen den Wettbewerb mit einem Konzept, das Landschaft und Architektur in einen wunderbaren Dialog bringt.

Blicke in die umgebende Landschaft, das bieten viele Raststätten. Doch das Planungsteam geht einen Schritt weiter, indem es die Rastenden nach Süden auf eine Landschaftsterrasse und nach Nordosten über einen als Lehrpfad markierten Weg zum Fürstenhügel führt. Auf dem 500 Meter langen Spaziergang entsteht ein Gefühl für die Gegend, das viele Transitorte mit ihren aufgeregten wie austauschbaren Architekturen entlang deutscher Autobahnen vermissen lassen, und das auch keine Autobahnkirche herbeiführen kann.

Dabei sind die Mittel so einfach. Das orthogonal zur Fahrbahn ausgerichtete Dach der Tankstelle markiert die Einfahrt zur Rastanlage wie ein großes Tor. Das Funktionsgebäude mit Laden, Toiletten, Ausstellung und Restaurant ist laut Architekt*innen vom historischen Langhaus inspiriert, das einst in der Nachbargemeinde Dermsdorf als möglicher Fürstensitz gestanden hat. Verbindendes Element bildet das Dach, das leicht gefaltetet von der Tankanlage aus langsam ansteigend zur Firstlinie des Langhauses führt und am Kopfende über dem Gastraum seinen Hochpunkt findet. Die Zurückhaltung gegenüber der Hauptattraktion des Hügels spiegelt sich nicht nur im Baukörper, sondern auch in der Landschaftsgestaltung, die unprätentiös und teils wie eine beiläufig entstandene Blumenwiese daherkommt.

Dass dies alles wie Balsam auf die vom Fahren müden Augen wirkt, liegt auch an der wohlüberlegten Planung von Konstruktion und Materialeinsatz. Ein Raumfachwerk überspannt das Tankfeld 48 Meter stützenfrei, eine Stahlrahmenkonstruktion mit Betonfertigteilen für tragende Wände und Decke hält das Funktionsgebäude. Die Außenwände sind mit einer vorpatinierten Aluminiumhaut überzogen, das Dach mit einem konventionellen Stehfalz. Vollholz bekleidet die öffentlichen Innenräume, schwarze Holzfaserplatten die Einbauten, venezianischer Steinplatten den Boden innen, Ortbeton mit Besenstrich Platz und Wege draußen.

Rastenden kann man kaum Besseres wünschen. Für diejenigen, die für Neubauten entlang der Autobahnen verantwortlich sind, sollte ein Besuch am Leubinger Fürstenhügel und ein Gespräch mit den Beteiligten obligatorisch sein. Dabei wird man auch erfahren, dass der Wettbewerb die Planungsphase zwar etwas verlängert hat, dass sich der höhere räumliche Umfang und die Architekturqualität des Projekts aber nicht 1:1 in höheren Kosten niederschlagen. Zahlen dazu wurden nicht veröffentlicht.


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Kommentare

3

Nett | 11.01.2022 18:37 Uhr

Ruhe

Auf der Rastanlage war ich bereits 2017 (?) unterwegs, da damals bereits der gesamte Parkplatz fertiggestellt war - eine Atmosphäre wie man sie sonst nur aus spanischen Immobilienprojekten kennt.
Dass es zwischenzeitlich so viel Verkehr auf der A71 gibt, dass sich eine derartige Invention lohnt, bleibt dahingestellt.
Für diejenigen, die dort vorbeikommen, verbessert das den Eindruck der Anlage natürlich nochmals ;)

2

Tanja | 11.01.2022 17:27 Uhr

heißes Teil

Ich bin kürzlich selbst schon dort (tanken) gewesen. Ist m.E. sehr gut geworden. Interessante Anordnungen der Funktionen, in einer zeitgemäßen Architektursprache mit ästhetischen Oberflächen. Was will man mehr? Dazu noch die spannende kleine Ausstellung. Genial!
Grüße aus Mainz
PS: wenn jetzt alle neuen, bald reichlich vorhandenen E-Tankstellen auch so toll werden, dann wäre ich sehr froh drüber.

1

Mainzer | 11.01.2022 15:44 Uhr

Wohltuend

... schlicht! Und wenn diese Schlichtheit werbefrei und sauber gehalten werden kann: ein Glücksfall für das Reisen und Pausieren auf bundesdeutschen Autobahnen!

 
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Überblick über die Gesamtanlage

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Nordostseite

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Vorplatz und Laubengang

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Westseite - Tor zur Anlage

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