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20.06.2018

Auf der schrägen Betonbahn

Tagesstätte in Stans bei Luzern von plus architekten


Es gibt Häuser, deren aufregende Fassade nur dazu dient, über das langweilige Innenleben hinwegzutäuschen. Und dann gibt es Projekte wie die neue Tagesstätte der Stiftung Weidli in Stans, bei der nicht nur die äußere Form überrascht, sondern auch die Raumkonzeption hinter der Hülle. Der Hauptort des Kantons Nidwalden südlich von Luzern erhielt damit schon vor einer Weile eine Einrichtung für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen, die ihresgleichen sucht. Entworfen hat den Neubau das Büro architekten CM. christen + mahnig, das Anfang 2017 mit WaserAchermann Architektur zum Büro plus architekten (Stans) fusionierte.

Zunächst zum Programm: 40 Klienten und 20 Betreuer halten sich täglich im Haus auf, was der Bedarfsplanung des Kantons bis 2030 entspricht – ein Bedarf, der auch den Neubau begründete. Der entstand südlich des bestehenden Wohnhauses der Stiftung und umfasst auf vier oberirdischen Geschossen ein Raumangebot, das insbesondere die Schwerpunkte Sinneserfahrungen, kreatives Gestalten, spielerische Aktivitäten und Musik stärkt. Im Erdgeschoss befinden sich neben der Verwaltung samt Sitzungszimmer ein Mehrzweckraum und das sogenannte Altersatelier. In den folgenden drei Stockwerken sind dann jeweils zwei weitere Ateliers angeordnet, die unterschiedlichen kreativen Tätigkeiten gewidmet sind. Integraler Teil des Konzepts bilden außerdem mehrere Snoezelräume, die – mit weichen Materialien, Klängen und Lichtprojektionen ausgestattet –, der meditativen Beruhigung und dem Rückzug dienen.

Die eigentliche Überraschung im Innenraum betrifft jedoch nicht die Nutzung, sondern die Erschließung. Mehr noch als jedes Foto zeigt dabei der Blick auf die Grundrisse, dass hier eine ungewöhnliche Setzung gelungen ist. Das südliche Drittel des Gebäudes nimmt nämlich eine rollstuhlgängige Rampenanlage ein, die „ähnlich einer Kugelspielbahn die oberirdischen Geschosse“ miteinander verbindet. Offensichtlich ist, dass es hier – bei einer Lauflänge von 55 Metern pro Geschoss – nicht um Effizienz ging, sondern darum, die Bewegung durch das Gebäude zum sinnlichen Erlebnis zu machen. Der vertikale Rampenraum dient außerdem den Menschen im Gebäude als Ort der Begegnung, wobei aber ein reguläres Treppenhaus und mehrere Aufzüge auch eine schnellere Nutzung der Architektur erlauben.

Die Materialität der neuen Tagesstätte, deren Statik eine Erweiterung um noch zwei weitere Stockwerke erlaubt, entspricht konzeptionell der Atelierhaus-Idee, was die Architekten mit einer ungekünstelten Direktheit zwischen Beton und Industriesperrholz umsetzen. Die Oberflächen wurden jedoch verschiedenfarbig lasiert, um den einzelnen Stockwerken je einen eigenständigen Charakter zu geben.

Charaktervoll, das ist im Übrigen auch ein Begriff, der gut aufs Äußere des Gebäudes passt. Das orientiert sich farblich am jüngeren Bestand, greift aber auch die Klebdach-Tradition älterer landwirtschaftlicher Nutzbauten der Region auf: Aus rotem Beton gefertigte übergroße „Dachziegel“ fügen sich zu gezackten Bändern, die dem flächig verglasten Bau Tiefe und Präsenz geben. (sb)

Fotos: Christian Hartmann


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