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19.02.2018

Ätherisches Gehäuse

Steven Holls Maggie’s in London


Auch Steven Holl gehört nun zu der Reihe von Stararchitekten, die ein Maggie’s Centre entworfen haben – sein Büro mit Sitz in New York und Peking zeichnet verantwortlich für die Planung des Maggie’s Centre Barts in London, das nach einigem Hin und Her im letzten Jahr fertiggestellt und Mitte Dezember eröffnet wurde. Der Neubau liegt in direkter Nachbarschaft des St. Bartholomew’ Hospital, des ältesten Krankenhauses der Stadt, und ersetzt ein einst hier befindliches Backsteingebäude aus den Sechzigerjahren.

Wesentliche Grundlage seines Konzepts war die Kreation eines „complementary contrast“, erklärt Steven Holl im Videointerview: Der neue Baukörper soll authentisch und eigenständig sein und dabei den umgebenden historischen Bestand auf respektvolle und sensible Weise ergänzen. So bildet das Maggie’s Centre nun den sprichwörtlichen Komplementärkontrast zum altehrwürdigen, im 18. Jahrhundert errichteten Krankenhausgebäude von James Gibbs, an das es unmittelbar anschließt: Hier massive Souveränität, dort ihr transluzentes, ätherisch wirkendes Pendant.

Der Baukörper mit abgerundeten Ecken und drei Geschossen schließt in der Höhe zum Bestand auf, Farbe und Oberfläche seiner Fassade stehen in Bezug zum hellem Stein des Nachbarn. Die Gebäudehülle besteht aus drei Schichten und bildet ein „Gehäuse im Gehäuse im Gehäuse“: Außen umgibt ein alabasterfarbener Mantel aus mattem Glas die tragende Betonstruktur, innen ist sie mit Bambus ausgekleidet. Farbige Einschlüsse zeichnen ein von außen und innen sichtbares Muster auf die Fassade, das einer Partitur gleicht – Musik als Inspirationsquelle spielt eine große Rolle für Holl. In diesem Fall nimmt er Bezug auf die sphärischen Klänge gregorianischer Gesänge und ihre spezifische, als „Neumen“ bezeichnete Notation. Der aus dem Griechischen stammende Begriff steht für „Lebenskraft“ und „Atemzug“ – ein assoziativer Verweis auf die Nutzung des Gebäudes.

Offenheit, eine entspannte, ruhige Atmosphäre und viel natürliches Licht charakterisieren das Innere des Beratungszentrums. Die warme Materialität der Bambusverkleidung soll Behaglichkeit und Schutz vermitteln. Beratungsräume, Informationsbereiche mit Sitzgelegenheiten, eine Bibliothek und ein großer Raum für Gruppenaktivitäten – Yoga oder Vorträge zum Beispiel – bilden das Raumprogramm. Eine sanft geschwungene Treppe führt nach oben zu einem öffentlichen Dachgarten. Nachts leuchtet der Bau beruhigend und freundlich wie eine große Laterne – ganz in Analogie zu dem, was das Maggie’s Centre sein möchte: ein Lichtblick für Menschen, die mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurden, ein unbürokratischer Ort der praktischen, emotionalen und sozialen Unterstützung für die Patienten und ihre Angehörigen. (da)

Fotos: Iwan Baan


Video:



Maggie's Centre Barts, London from Steven Holl Architects on Vimeo.



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Kommentare:
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Der Neubau schließt direkt an ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert an.

Der Neubau schließt direkt an ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert an.

Ein Mantel aus Glas mit farbigen Einschlüssen umgibt die Betonstruktur.

Ein Mantel aus Glas mit farbigen Einschlüssen umgibt die Betonstruktur.

Der Baukörper ergänzt den historischen Bestand gerade durch seine Gegensätzlichkeit.

Der Baukörper ergänzt den historischen Bestand gerade durch seine Gegensätzlichkeit.

Offenheit und viel natürliches Licht charakterisieren das mit Bambus verkleidete Innere.

Offenheit und viel natürliches Licht charakterisieren das mit Bambus verkleidete Innere.

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