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25.05.2016

Märzhase in Seoul

Stadtteilzentrum von L’EAU design


In Lewis Carrolls Roman trifft Alice im Wunderland auf den Märzhasen, ein hyperaktives, paranoides Fantasiewesen, das Alice gemeinsam mit dem verrückten Hutmacher in eine fremdartige Landschaft entführt, in der alle Regeln auf den Kopf gestellt scheinen. Ein ähnlich fantastisches Szenario stellt sich Kim Dong-jin von L’EAU design (Seoul) mit den Passanten des „Cheongdam March Rabbit“-Gebäudes auf der geschäftigen Cheongdam Straße in Seoul vor.

Er nennt den Märzhasen als konzeptuelle Referenz und versucht, mit seinen Verfremdungstricks die abenteuerliche Landschaft Carrolls zu reproduzieren. Ähnlich wie Alices Welt soll sich das Gebäude oft verändern und flexibel mit Programmen wie Büros, Läden, Kleingewerbe, Cafés bespielt werden. Die Nutzer und Gäste sollen Einfluss auf diese Veränderung haben. Wäre der Märzhase ein Architekt, würden wir sein Gebäude einerseits mit einem gewissen Unbehagen – sicher mit dem Zweifel an seinen Kompetenzen auf dem Gebiet der Statik – und andererseits mit bestimmten Erwartungen an seine Architektursprache betreten.

Wer jedoch an eine postmoderne Ästhetik denkt, der wird von der Reduktion überrascht sein, mit der Dong-jin seinen narrativen Ansatz in Architektur übersetzt. Zwar ist die Gebäudegeometrie – eine Assemblage aus gestapelten Volumen mit Satteldächern, die zum Nachbargrundstück in einer Art Brandwand-Situation abschließt – etwas verspielt und hat vielleicht etwas von der Zerstreuung des Hasen. Die weißen, neutralen Innenräume mit poliertem Betonfußboden erinnern in ihrer Materialität, Farbigkeit und Präzision aber nicht gerade an die eklektische, tollpatschige Teetafelgesellschaft. Die Architekten setzen auf eine puristische Gestaltung: eine reduzierte Farbpalette, freigelegte Sichtbetondecken und polierte Oberflächen. Wunderland-Fantasie und Beton-Minimalismus – ganz konsequent ist das nicht. Trotzdem gut, dass Kim Dong-jin das Straßenbild mit diesem Projekt schön aufbricht. (df)

Fotos: Sergio Pirrone


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