Fußballwohnzimmer für die ganze Familie
Stadion in Lustenau von bernardo bader, Walter Angonese und gbd Sigurd Flora
Fußballwohnzimmer für die ganze Familie
Stadion in Lustenau von bernardo bader, Walter Angonese und gbd Sigurd Flora
Das neue Reichshofstadion in Lustenau verbindet eine starke skulpturale Geste mit wohnlicher Atmosphäre. Es wurde als familienfreundliches Stadion konzipiert und hat trotz 5.000 Plätzen einen Parkplatz mit nur 66 Stellplätzen. Ein kluges Verkehrskonzept macht das möglich.
Auf den ersten Blick sind die 40 Meter hohen Eckpylonen eine Mischung aus Fremdkörper, Wahrzeichen und Orientierungshilfe. Je näher man kommt, desto größer wird die visuell-emotionale Ambivalenz aus Begeisterung und Befremden. „Wir waren die einzigen Wettbewerbsteilnehmer, die die Flutlichtanlage nicht nur als technische Infrastruktur, sondern auch als Skulptur interpretiert haben“, sagt Matthias Kastl, Projektleiter bei bernardo bader architekten (Bregenz) über das auffällige Charakteristikum des Stadions. „Wenn wir schon so einen niedrigen Baukörper haben, wenn wir aus Rücksicht auf die angrenzende Wohnbebauung mit neun Metern Bauhöhe limitiert sind, dann müssen wir die uns zur Verfügung stehende Volumetrie ausnützen und dem kleinen Stadion eine gewisse öffentliche Wirksamkeit geben. Unser Bild war: Wir schlagen vier Pflöcke ein, um ein Feld zu markieren.“
Den Anfang nahm das Projekt 2018, als die Entscheidung fiel, die zum Teil provisorischen Tribünen zu entfernen und für die Neubebauung des Areals, auf dem bereits seit den 1950er Jahren Fußball gespielt wird, einen EU-weiten Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren auszuschreiben. Aus den rund zwanzig Entwürfen wurde das Kooperationsprojekt von Bernardo Bader Architekten, Architekt Walter Angonese (Kaltern) und dem Ingenieurbüro gbd Sigurd Flora (Dornbirn u.a.) mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Von 2023 bis 2025 entstand anschließend das neue Reichshofstadion. Die Bezeichnung geht auf das 9. Jahrhundert zurück, als der „Reichshof Lustenoua“ zwischen mehreren Geschlechtern und Grafschaften hin und her geschenkt wurde.
Den Anfang nahm das Projekt 2018, als die Entscheidung fiel, die zum Teil provisorischen Tribünen zu entfernen und für die Neubebauung des Areals, auf dem bereits seit den 1950er Jahren Fußball gespielt wird, einen EU-weiten Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren auszuschreiben. Aus den rund zwanzig Entwürfen wurde das Kooperationsprojekt von Bernardo Bader Architekten, Architekt Walter Angonese (Kaltern) und dem Ingenieurbüro gbd Sigurd Flora (Dornbirn u.a.) mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Von 2023 bis 2025 entstand anschließend das neue Reichshofstadion. Die Bezeichnung geht auf das 9. Jahrhundert zurück, als der „Reichshof Lustenoua“ zwischen mehreren Geschlechtern und Grafschaften hin und her geschenkt wurde.
Die bestehende Westtribüne, gerade mal 100 Meter vom Rhein und somit von der Staatsgrenze zur Schweiz entfernt, blieb erhalten und wurde dem Neubau quasi einverleibt. An den drei anderen Seiten – auf denen es zuvor lediglich provisorische Stahltribünen gegeben hatte – bekam das Stadion eine komplett neue Gestaltung in Beton, Holz und Glas. An den Außenseiten dominiert ein rauer, kantiger Betonsockel, bei dem Stufen, Türbreiten und Böschungswinkel volumetrisch perfekt aufeinander abgestimmt wurden. Die geöffneten Gittersteg-Eisentore schließen auf den Millimeter genau bündig mit den Böschungswangen ab. Schwarz und weiß lackierte Buchstaben – bold wie alles hier – markieren den Tribünensektor.
Mit dem Durchschreiten der Tore und dem Betreten des Stadions eröffnet sich eine komplett neue Fußballwelt, in der die zunächst abweisende Ästhetik nach nur wenigen Schritten in eine warme Wohnzimmergemütlichkeit umschlägt. Rund um die 80 mal 40 Meter große Spielfläche – die nun mit einer Rasenheizung ausgestattet und wie ein sehr flaches Walmdach neu modelliert wurde, damit das Wasser bei Regen mit einem halben Prozent Gefälle abfließen kann – wurden an besagten drei Seiten Holztribünen arrangiert, die das Geschehen wie eine hölzerne Schatulle, wie ein rundum mit hellem Holz ausgekleideter Humidor umschließen.
Mit dem Durchschreiten der Tore und dem Betreten des Stadions eröffnet sich eine komplett neue Fußballwelt, in der die zunächst abweisende Ästhetik nach nur wenigen Schritten in eine warme Wohnzimmergemütlichkeit umschlägt. Rund um die 80 mal 40 Meter große Spielfläche – die nun mit einer Rasenheizung ausgestattet und wie ein sehr flaches Walmdach neu modelliert wurde, damit das Wasser bei Regen mit einem halben Prozent Gefälle abfließen kann – wurden an besagten drei Seiten Holztribünen arrangiert, die das Geschehen wie eine hölzerne Schatulle, wie ein rundum mit hellem Holz ausgekleideter Humidor umschließen.
„Genau das war die Idee“, sagt Kastl. „Schon im Wettbewerb haben wir davon gesprochen, dass wir hier kein klassisches Stadion bauen wollen, sondern mehr eine Art Fußball-Wohnzimmer für die ganze Familie – mit warmen Materialien und mit einer Reduktion von Licht, Lärm und Angsträumen.“ Das ungewöhnliche Entwurfskonzept lässt sich mit Zahlen untermauern. Während das Mann-Frau-Verhältnis auf den Tribünen der österreichischen Bundesliga bei 80:20 liegt, ist das Publikum in der Lustenauer Landesliga mit einem Frauen- und Kinderanteil von 30 bis 40 Prozent weitaus durchmischter. Und das, so der Architekt, solle sich auch in den Baustoffen und Oberflächen niederschlagen.
Bei den meterweit hinausragenden Vordächern handelt es sich um Spanten und kraftschlüssig miteinander verbundene Fertigteil-Holzboxen, die an den Vorderkanten zwar schlank und elegant erscheinen, über den Leimbinderpfeilern jedoch eine Höhe von 85 Zentimetern erreichen. Ansonst kam Vorarlberger Fichte zum Einsatz, verarbeitet zu Brettsperrholz mit rauer, rutschfester Oberfläche. Im Vorbeigehen an den Rängen und den massiv verkleideten Binnenecken, hinter denen sich die betonierten Scheinwerferpylone befinden, muss man unweigerlich mit der Hand darüber streifen. Die Handläufe wiederum sind, weil robuster und resistenter gegen Luft- und Körperfeuchtigkeit, aus Esche gefertigt.
Die Baukosten des 5.000 Zuschauer*innen fassenden Reichshofstadions belaufen sich auf 15 Millionen Euro. Unsichtbares Highlight: Mit nur 66 zum Teil barrierefreien Pkw-Stellplätzen im Stadionbereich ist der Parkplatz auf ein absolutes Minimum reduziert. In Kooperation mit Stadtplanung, Privatwirtschaft und Verkehrsbetrieben gelang es nämlich, die Stellplätze auszulagern und auf den vielen abends und an den Wochenenden ungenutzten Parkplätzen der benachbarten Betriebe und Firmen zu verteilen. Mit einem Shuttle werden die Besucher*innen von dort dann zum Spiel gebracht – gratis.
Bei den meterweit hinausragenden Vordächern handelt es sich um Spanten und kraftschlüssig miteinander verbundene Fertigteil-Holzboxen, die an den Vorderkanten zwar schlank und elegant erscheinen, über den Leimbinderpfeilern jedoch eine Höhe von 85 Zentimetern erreichen. Ansonst kam Vorarlberger Fichte zum Einsatz, verarbeitet zu Brettsperrholz mit rauer, rutschfester Oberfläche. Im Vorbeigehen an den Rängen und den massiv verkleideten Binnenecken, hinter denen sich die betonierten Scheinwerferpylone befinden, muss man unweigerlich mit der Hand darüber streifen. Die Handläufe wiederum sind, weil robuster und resistenter gegen Luft- und Körperfeuchtigkeit, aus Esche gefertigt.
Die Baukosten des 5.000 Zuschauer*innen fassenden Reichshofstadions belaufen sich auf 15 Millionen Euro. Unsichtbares Highlight: Mit nur 66 zum Teil barrierefreien Pkw-Stellplätzen im Stadionbereich ist der Parkplatz auf ein absolutes Minimum reduziert. In Kooperation mit Stadtplanung, Privatwirtschaft und Verkehrsbetrieben gelang es nämlich, die Stellplätze auszulagern und auf den vielen abends und an den Wochenenden ungenutzten Parkplätzen der benachbarten Betriebe und Firmen zu verteilen. Mit einem Shuttle werden die Besucher*innen von dort dann zum Spiel gebracht – gratis.
Bautafel
- Fertigstellung:
- Juli 2025
- Architektur (Wettbewerb):
- bernardo bader architekten, Architekt Walter Angonese, gbd Sigurd Flora
- Architektur (Generalplanung):
- bernardo bader architekten
- Team Architektur:
- Matthias Kastl (Projektlietung), Christoph Prantner, Florian Bauer, Christian Schwarzwimmer
- Statik:
- gbd Sigurd Flora
- Landschaftsarchitektur:
- Vogt
- Signaletik:
- Felder Grafikdesign
- Baumeister:
- ARGE Wilhelm & Mayer und Hilti & Jehle
- Bauleitung:
- gbd Baumanagement
- Bauherrschaft:
- Marktgemeinde Lustenau
- Fläche:
- 4.900 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 15.800.000 € Baukosten
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Bernardo Bader Architekten
Kommentare
Krysmopompas
Sieht das jetzt aus wie eine magersüchtige Très Grand Bibliothèque aus Paris? Oder entlarvt es selbige als adipös?
Andreas
Was für eine Ansage – gerade im sonst eher nicht ikonischen, aber baukulturell äußerst präzisen Ländle. Ein großartiges Projekt, vom Städtebau bis ins Detail. Ich war vor Ort und bin beeindruckt von der konsequenten Durchgängigkeit der Arbeit. Bernardo Bader zeigt hier einmal mehr eine seltene Dichte und Klarheit seines Schaffens.
Arcseyler
Wie ein umgedrehtes Tischgestell aus Quadratrohr, das ja auch den Luftquader dazwischen feiert. Moderne als Raumkult.
reto
... schöner Entwurf. In der Realität sind die Pylone nicht ganz so elegant, der Sockel entfaltet nicht ganz die beabsichtigte Wirkung und die Tribünen"kisten" sind nicht ganz so ephemer - aber trotzdem ein sehr schönes Gebäude. Bernardo, ich liebe dich!
christo
wahrscheinlich ist in vorarlberg auch der ball würfel- oder quaderförmig ...
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