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02.12.2019

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Die Scheune kommt

Spatenstich am Berliner Kulturforum für das Museum von Herzog & de Meuron


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Es ist vor allem ein Signal an die zahlreichen Kritiker. Morgen findet am Berliner Kulturforum der Spatenstich für das heftig umstrittene Museum des 20. Jahrhunderts der Neuen Nationalgalerie statt. Dann werden laut Ankündigung Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz SPK Hermann Parzinger, der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller, der Direktor der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin Udo Kittelmann und Architekt Jacques Herzog von Herzog & de Meuron (Basel) sprechen. Sicherlich werden sie dabei noch einmal deutlich machen, dass die Entwurfsplanung nun abgeschlossen ist, dass der Bundestag die immensen Kostensteigerungen genehmigt hat und dass es jetzt wie geplant losgeht. Umgangssprachlich ausgedrückt: Die Scheune kommt!

Für viele ist das ein Skandal. Weil die 2016 beim Wettbewerbsentscheid genannten Baukosten von 200 Millionen Euro bereits jetzt auf geschätzte 450 Millionen Euro gestiegen sind; weil das Geld aus dem Bundeshaushalt bewilligt wurde; und weil andere Kulturinstitutionen mit vergleichsweise wenig Geld auskommen müssen. Aber auch der Standort am Kulturforum, die Größe des Hauses und die städtebauliche Konkurrenz zu den berühmten Bauten im Umfeld – der Philharmonie von Hans Scharoun und der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe – sind immer wieder vielstimmig in Frage gestellt worden.

Intransparenz wurde der SPK vorgeworfen und ein Mangel an Ideen für den Inhalt. Brauchen wir das Haus überhaupt? Oder will sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters in erster Linie ein Denkmal setzen? Mit derart provokanten Fragen zogen viele Journalist*innen in den letzten Wochen alle Register. „Maßlose Größe bei konzeptueller Armut“ titelte etwa die Süddeutsche Zeitung am 14. November kurz vor der Haushaltssitzung des Bundestages, in der die Mehrkosten beschlossen wurden, und schrieb: „Das geplante Museum der Moderne verstört mit unangenehmer Breitschultrigkeit – und hohen Kosten, anstatt sich mit zeitgemäßen Fragestellungen auseinander zu setzen.“ Am Abend nach der Sitzung rechnete die Berliner Zeitung vor: Dieses Museum sei mit den bewilligten Baukosten pro Quadratmeter etwa vier mal teurer kalkuliert als die Kunsthalle in Mannheim.

Um die Kritik wieder einzufangen, lud die SPK am 18. November im Foyer der Philharmonie zu einer Informationsveranstaltung. Ja, wir brauchen dieses Haus und es wird großartig – das war der Tenor, den die Sprecher*innen des Abends in jedem einzelnen Satz verkündeten. Joachim Jäger, Leiter der Neuen Nationalgalerie, stellte ausführlich die Kunstwerke vor, die im Neubau zu sehen sein werden. Er ließ keinen Zweifel daran, dass die bedeutende Sammlung der Nationalgalerie dringend mehr Raum benötigt. Unter anderem betonte er, dass die Nationalgalerie nach dem MoMA in New York die größte Medienkunstsammlung der Welt besitze. Schließlich wurde der frühere Berliner Bürgermeister Walter Momper mit seinem Satz „Berlin, nun freue Dich!“ zitiert.

Denen, die bereit sind, sich auf das neue Museum zu freuen, bot Architekt Jaques Herzog an jenem Abend eine Menge Argumente. Denn er vermochte es, die Vorteile des inzwischen weiterentwickelten Wettbewerbsentwurfes überzeugend und bildhaft zu vermitteln, auch wenn er viel Gesagtes aus der Veranstaltung vor einem Jahr wiederholte. Das Haus werde nicht als Solitär funktionieren, sondern als Fokus. Es werde keine Vor- und keine Rückseite haben, sondern das Maximum an dem Ort herausholen und von der Nähe der Institutionen zueinander profitieren. Die Typologie der Scheune wolle sich nicht ducken, sondern zwischen Mies und Scharoun bestehen. Backstein sei das Material des Hauses, große Hangartore würden es zum Außenraum öffnen. Herzog sprach von Orten im Haus, von denen alles übersehbar ist, von Arbeitsplätzen, ein bisschen wie auf dem Bahnhof oder im Büro, von unterschiedlichsten Räumen für die Kunst, von Böden belegt mit Holz, Ziegel und Beton, von unterschiedlichsten Decken und Lichtsituationen, intim, industriell, privat, alles dabei. Überhaupt, alles sei möglich an diesem Ort. Der Beifall im Raum sprach für sich. Auf die Frage, ob eine Eröffnung 2026 realistisch sei, zeigte sich Herzog überfragt. Bei Terminen und Kosten sei er nicht so der Experte. Morgen wird es darauf vielleicht eine Antwort geben. (fm)


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Kommentare

13

Peter Nörgler | 05.12.2019 17:45 Uhr

Was würde denn der Herr Mies dazu sagen?

Der HdeM Bau kommuniziert ja in Form- und Materialsprache mehr mit der Matthäus-Kirche als mit der Neuen Nationalgalerie. Warum eigentlich? Der Neubau hängt doch direkt mit der Nationalgalerie zusammen. Sollte also nicht hier die konzeptuelle Verbindung aufgebaut werden?

Bei einem so wichtigen Gebäude, eingespannt zwischen Nationalgalerie und Philharmonie, erwarte ich mehr aussagekräftige Bilder wie sich der Neubau in diesem Kontext verhält. Man sieht den Bau immer nur isoliert oder im Kontext Kirche. Backstein zu Backstein.

Bei aller Wertschätzung für HdeM, eine Scheune passt doch hier nicht hin.

Ich beglückwünsche lediglich die Verantwortlichen zu ihrem Selbstbewusstsein diesen Bau trotz des massiven Widerstands durchzuboxen.

12

KuMiKö | 04.12.2019 16:16 Uhr

@ #7 / Kosten und Termine

HdM hatten nach meiner Kenntnis mit der Ausführung der Elbphilharmonie und damit einhergehend mit dem Kostensteigerungen und Terminen nicht viel zu tun, bzw. waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr so involviert, dass es durch ihr Verschulden zu Verzögerungen oder Kostensteigerungen gekommen wäre.... mal abgesehen davon, dass die Kostenexplosion von Hamburg ganz andere Ursachen hatte als eine schlechte Kostenberechnung seitens der Entwurfsarchitekten.

Und Ja: ich glaube tatsächlich, das Herr Herzog bei Kosten und Terminen kein Experte ist.
Muss er auch nicht. Falls er es doch tut, hat er dafür wahrscheinlich seine Leute (wenn sein Büro sich überhaupt noch mit solchen Themen befasst, und nicht - wie bei solchen Projekten üblich - das ganze Kosten Termine bauen - Thema spezialisierten Büros oder Projektpartnern überträgt)

In jedem Fall ist er offenbar Profi genug sich in einem solchen Forum NICHT zu Kosten und Terminen zu äussern.

11

Anton Schedlbauer | 04.12.2019 11:59 Uhr

Herr

Berlin, ein Lacher folgt dem anderen:

Flughafen Berlin Zwentendorf [ZEN].

Informationszentrum Bauernhofmuseum Berlin-Brandenburg zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Berliner Philharmonie.

Baut die Mauer wieder auf, die gehören nicht zu uns.

PS: Ich weiß nicht welche Rechnung Jacques Herzog und Pierre de Meuron mit den Berlinern noch offen haben, aber damit sollte sie wohl beglichen sein.

10

Moderner Mensch | 03.12.2019 17:27 Uhr

Scheune

Das Kulturforum ist geprägt von Ikonen moderner Architektur und hatte eine historische Bedeutung für das Deutschland der Nachkriegszeit.
Aus der undifferenzierten Satteldachform spricht für mich nur Verachtung gegenüber / Hass auf Deutschland...
Ich kann es nicht anders empfinden und fühle mich als einem der Moderne verpflichteten Menschen zutiefst diskriminiert. Das Herzklopfen, wenn ich vor der Neuen Nationalgalerie stehe wird zukünftig nur noch mit Schmerz verbunden sein, dass es in unserem Land möglich ist, die Helden der Moderne mit Füßen zu treten.

9

Joachim August | 03.12.2019 13:44 Uhr

Mutlos - mutig

Nicht vergessen: Ein mutloses Wettbewerbsverfahren mit mittelmäßiger Jury wählte die Arbeit eines weltbekanntes Büro´s, das in der zweiten Runde dazugeladen wurde...
Welches weltbekannte Architekturbüro aber hat in Berlin in den letzten 30 Jahren eine Meisterwerk vollbracht? Selbst Renzo Piano´s Werk blieb durch die Vorgaben weit hinter dem, was dieser Meister hätte bieten können...... Wieso sollte es jetzt HdM also anders ergehen.... Und was die Kosten betrifft..... wie war das noch mit den Kosten für den Kammermusiksaal.... Am Ende zähl das Ergebnis... möges es kein "Rohrkrepierer" werden. Wer Jahrhundertbauwerke möchte , muss mutig sein.....

8

mehmet | 03.12.2019 12:21 Uhr

Kosten?

man soll es ruhig bauen, woher sich diese immensen Kosten ableiten, ca. 20.000/m2 BGF frage ich mich natürlich auch.

In dieser Kategorie spielen eigentlich sonst nur die allerkomplexesten technischen Gebäude, aber auf den bildern sehen wir grosszügige luftige Räume und m.E. wenig technisch Anspruchvolles.

und auch was Material-Wahl, Statik und Design angeht sind wir hier doch nicht besonders wagemutig, die Elbphilharmonie war da sicher eine viel grössere Herausforderung.

und da kann der Kritiker, zumal das ja weitgehend steuergelder sind, schon erwarten, dass der Architekt dazu eine belastbare Antwort gibt. Wenn nicht er, so sollte er jemanden finden.

7

Mike B | 03.12.2019 11:36 Uhr

Nicht so der Experte

Ich finde es schon sehr bedenklich und auch nicht gerade förderlich für die öffentliche Anerkennung unseres Berufstandes wenn jemand wie Herr Herzog sagt, dass er bei Kosten und Terminen nicht so der Experte sei...
Wenn man sich die Elbphilharmonie mal im Rückblick anschaut dann scheint dies ja zu stimmen das HdM in dem Bereich nicht so die Experten sind ;)

6

Mitleser | 03.12.2019 09:04 Uhr

...

Belangloses Einerlei à la Mies' Neue Nationalgalerie oder Sharoun's Philharmonie der direkten Nachbarschaft, Kollege Müller ... oder wie jetzt?

Sicher. Die Hütte wird gut. Alles schick dann irgendwann, next level Architektur für die hippe Hauptstadt. Vor Jahren keene Kohle, eigentlich nach wie vor, aber hier die dicken Projekte lostreten.

Nutzung? Naja.. irgendne Kunst wird schon rein passen. Erst einmal Bauen, wie beim Fake-Schloss und später schaut man halt, was geht...

Einzig allein das visionäre stört mich an ihrer Aussage tatsächlich. Jenes kann/will zumindest ich bei der Hütte nicht wirklich erkennen...

5

staubmeier | 02.12.2019 19:45 Uhr

möge hd m al ...

einen ausflug hierhin machen:

www.hkst.de/de/maecenas/baukunst/

man lernt nie aus.

4

maestrowec | 02.12.2019 18:14 Uhr

Alles ist möglich...

sprach der Großarchitekt. Nur dass das Projekt unter Vermeidung jeglicher realistischer Darstellung von Größe (Der Vergleich mit Tate Modern, muss aber doch ein Hörfehler sein?) nach Innen wie nach Außen, dafür aber unter vermeidung expertenhafter Kostenschätzung abgewickelt wird, fällt vermutlich nur noch den Kritikern der genannten Tageszeitungen auf. Hut ab vor der Kritik! Die anderen schlafen derweil redend weiter. Nichts ist unmöglich in dieser Stadt...

3

Peter Müller. | 02.12.2019 17:25 Uhr

Architektur

Freuen wir uns doch einfach mal darüber, dass neben dem belanglosen Einerlei der üblichen Berliner und deutschen Architektur ein mutiges und visionäres Projekt entsteht! Danke HDM

2

Tine Wittler | 02.12.2019 17:22 Uhr

Genug der vielen Worte!

Als Zeichen der Zeit. Nix muss, aber alles kann...
...ich sag nur ein Wort:
Vielen Dank.

1

Dr. Yikes | 02.12.2019 15:57 Uhr

Hmmmm

Scheune-Budget: 450 Mio EUR bei 23.500 m2 BGF

Humboldt-Forum (Stand November 2019): 644,2 Mio EUR bei 92.400 m2

Als ich das letzte Mal so auf den Arm genommen wurde, konnte ich noch nicht sprechen.

 
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Aktueller Entwurf von Herzog + de Meuron: Die gläserne Nordfassade des Haupteingangs soll die vielfältigen Nutzungen ablesbar machen.

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Vis-à-vis der Scharoun’schen Philharmonie soll sie den neuen Scharounplatz definieren und beleben.

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Zur Informationsveranstaltung stellten sich unter anderem die Kunstkritikerin Swantje Karich (links), Architekt Jacques Herzog (Mitte) und Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, den Fragen des Publikums.

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Jaques Herzog redete von zwei sich kreuzenden Boulevards, die Orte zum Verweilen auch abseits der Ausstellungen sein sollen.

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