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11.08.2015

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Fingerplan

Siedlung von NEXT Architects in China


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Sechs Jahre ist es her, dass Bjarke Ingels in einem Video Entwurfskriterien seines 8-House mit zahlreichen Gesten kommunizierte. Mit bloßen Händen extrudiert, verdreht, perforiert er Bauvolumen und drückt Ecken ein. Am Ende soll der Zuschauer nachvollziehen können, wie die 8-Form des Gebäudes zustande gekommen ist. Ganz einfach.

Was hier im Kontext von dänischem Pragmatismus, Medienrevolution und neuen Publikationsbedingungen für Architekturprojekte seinen Ursprung nahm, ist mittlerweile für die Kommunikation von Entwürfen einer ganzen Generation junger Architekten Usus geworden. Oft sind die Gesten und comichaften Diagramme eher nachträgliche Darstellung  statt Arbeitsmethode. Der Entwurf kommt natürlich nicht durch die Hand zustande, lässt sich so aber nachvollziehbar erklären und transportiert eine „Alles-ist-möglich-und-gar-nicht-so-kompliziert“-Haltung.

NEXT architects (Amsterdam) bedienen sich bei ihrem Entwurf für einen Masterplan am Min Fluss im südchinesischen Lianjiang einer Geste, die ähnlich grob daherkommt und die gewünschte pragmatische Entwurfshaltung kommuniziert. Finger, die eine Wasserfläche berühren, gebrauchen sie als konzeptuelle Referenz für die Aufteilung einer Landmasse. Eine Hand legt sich ins Wasser, die Finger spreizen sich, zwischen den Fingern bilden sich Kanäle. Jeder Finger ist äquivalent zu einer Landzunge, die in den Fluss reicht und von Kanälen umgeben ist.

Was ähnlich simpel wie bei Bjarke aussieht, erwies sich sicher als infrastrukturelle Herausforderung. Gemäß der Entwurfsmaxime, möglichst viele der 70 drei- bis viergeschossigen Villen und Townhouses zum Wasser zu orientieren, wurden zahlreiche künstliche Kanäle geschaffen und mit dem Fluss verbunden, die Topographie der Lianjiang Butterfly Bay manipuliert. Neben den Kanälen, die nicht tiefer als 20 Zentimeter sind, befinden sich zu beiden Seiten der einzelnen Villen zusätzlich Pools.

Die Vermutung liegt nahe: Hier wurde eine poppige Rhetorik auf einen Entwurf gestülpt, der eigentlich weniger die Handschrift der Niederländer trägt. Oder ist am Ende alles nur eine Fingerüberung? (df)

Fotos: NEXT architects


Kommentare

2

micha | 13.08.2015 10:22 Uhr

ok!

Mario hat ja recht. Aber wir wissen es ja - viele stehen auf so einen Schxxx. Wow - Sie haben einen philosophischen Ansatz! Investoren finden so etwas gut! Es lenkt so schön von dem eigentlichen Zweck ab - Kohle verdienen!
Trotzdem haben Sie doch recht nett gestapelt. Es ist zwar gerade Mode - aber wenn man es in zwei Jahren nicht mehr sehen kann, macht man halt etwas anderes.

1

Mario Mertens | 11.08.2015 18:26 Uhr

Aua hoch zwei

Selbstgefällige Selbstdarsteller die meinen, dass aus Fingergesten und Videoeffekten gute Architektur wird. Der Bezug und die Reaktion auf den Ort ist dann nur noch ein zeigefinger im Wasser oder ein Videopfeil aus dem Fenster. Traurig. Next Architects sollten sich nicht den ''Donald Trump der Architektur'' zum Vorbild nehmen.

 
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