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03.11.2022

Liebe deine Stadt

Schriftzug macht Station im Kölner Kolumba


Drei Wörter, rote Schreibschrift, 26 Meter lang, vier Meter hoch – was Merlin Bauer 2005 entwarf, gehört eigentlich in den Stadtraum. Vierzehn Jahre stand „Liebe deine Stadt“ hoch auf dem Dach eines Hauses, unter dem die breite Schneise der Nord-Süd-Fahrt in einen kurzen Tunnel abtaucht. Die Soziale Plastik war Mahnung und Mutmacher, erinnerte vor Ort und mitten im Leben immer wieder daran, wie der Künstler die von ihm geforderte öffentliche Auseinandersetzung mit der Kulturpolitik inszeniert hat. Zehnmal lud Merlin Bauer zwischen Mai 2005 und Dezember 2007 zum Ortstermin ein, um ein manchmal unbequemes oder eigenwilliges, aber immer bemerkenswertes Gebäude der Nachkriegsmoderne mit einer überdimensionierten roten Preisschleife auszuzeichnen. Damals ging es um den Wert des Erinnerns und darum, das Schöne dort sichtbar zu machen, wo es am wenigsten gefällig war. Und wie es sich zeigte war Köln bereit, diesen Diskurs zu führen.

Doch im Februar 2021 fehlte plötzlich der Imperativ auf dem Dach, das Haus darunter wurde saniert. Die Zukunft der Skulptur schien ungewiss, vieles war möglich, denn „Liebe deine Stadt“ wird nie an Gültigkeit verlieren. Konzeptkunst ist adaptiv, prozessual, entwickelt sich weiter mit dem Geschehen, und so hat Merlin Bauer weitergemacht. Zur Art Cologne 2021 erschien eine Kunst-Sonderausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers. Die Titelseite, ein Poster des Schriftzugs, war ein Geschenk des Künstlers an die Bürger*innen der Stadt: Aufhängen und weiterdenken! Der Untertitel seiner Fortschreibung ist seitdem „Architektur & Demokratie“. Bauer forderte, die Architektur als soziale Aufgabe zu begreifen, er ließ Expert*innen sprechen, regte Diskussionen auf der Straße an und lieferte Stoff in Form von Interviews, Statements oder Essays, die über die Verbreitung in der Tageszeitung viele Haushalte erreichten.

Eine Ausgabe jenes Kölner Stadtanzeigers vom 17. Januar 2022 erwarb Kolumba-Direktor Stefan Kraus direkt am Kiosk für die Sammlung seines Hauses. So mag es vielleicht nicht ganz überraschend sein, dass nun der gesamte „Liebe deine Stadt“-Kosmos Teil der Kolumba Jahresausstellung „making being here enough Ort & Subjekt“ geworden ist. Die drei Wörter stehen in Raum 13, der zentralen Halle im 2. Obergeschoss gestaffelt hintereinander, werden dadurch weitaus mehr zur Skulptur. Und es wäre nicht Kolumba, wenn nicht durch die roten Schlaufen und Schnörkel der „Kölner Heiligenhimmel“ (Johann Hulsmann und Johann Toussyn, 1635) eine ganz besondere Rahmung erhielte.

Zur Eintrittskarte erhält man zudem eine „Liebe deine Stadt“-Köln-Karte mit „111 virulenten Projekten“, die über Architektur und Demokratie in unterschiedlichen Wirkungsfeldern erzählen, kartiert von Merlin Bauer, Anne-Julchen Bernhardt, Adria Daraban und Boris Sieverts. Auch hier gilt: hingehen und mitreden! Eine Empfehlung, die natürlich darüber hinaus auch für die Betrachtung der gesamten Jahresausstellung und insbesondere für das immer donnerstags besetzte Kunsthaus Kalk-Atelier (X-SÜD und raumlaborberlin mit Kunsthaus KAT18) gilt.

Text: Uta Winterhager

Termin: bis 14. August 2023, täglich außer dienstags, 12–17 Uhr
Ort: Kolumba – Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Kolumbastraße 4, 50667 Köln


Zum Thema:

kolumba.de
liebedeinestadt.org


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Merlin Bauer, „Liebe Deine Stadt I“ 2005 (Sammlung RheinEnergie), ausgestellt in Raum 13 des Kunstmuseums Kolumba in Köln

Merlin Bauer, „Liebe Deine Stadt I“ 2005 (Sammlung RheinEnergie), ausgestellt in Raum 13 des Kunstmuseums Kolumba in Köln

Raum 12: Merlin Bauer und BeL, „Strandbox“ und „Unter dem Pflaster der Strand – Momentane Orte“, 2002-2005

Raum 12: Merlin Bauer und BeL, „Strandbox“ und „Unter dem Pflaster der Strand – Momentane Orte“, 2002-2005

Raum 12: Rechts eine Aufnahme des Schriftzugs am Gebäude

Raum 12: Rechts eine Aufnahme des Schriftzugs am Gebäude

Jahresausstellung im Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Architektur Peter Zumthor, 2007

Jahresausstellung im Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Architektur Peter Zumthor, 2007

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