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16.12.2020

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Kultbad Mineralbad

Sanierung in Stuttgart von 4a Architekten


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Das Mineralbad Berg in Stuttgart blickt auf eine einzigartige Geschichte zurück: 1856 eröffnet, wurde es 149 Jahre lang privat betrieben, bevor es zum Jahreswechel 2005/06 in den Besitz der Stadt überging. Die Bäderanlage liegt mitten im Stadtgebiet, umgeben von einer Parklandschaft. Das Mineralbad wird über fünf Quellen gespeist, aus denen täglich bis zu fünf Millionen Liter natürliches Mineralwasser in die vier großen Innen- und Außenbecken fließen. Durch die hohe Schüttungsmenge der Quellen ist weder eine Chlorung noch eine Wasseraufbereitung nötig. Die Becken werden jeden Abend einfach geleert und gereinigt. Während der Nachtstunden füllen sie sich wieder über das nachströmende Quellwasser. Das ein solches Bad eine entsprechende Fangemeinde – die sogenannten Bergianer – hat, verwundert nicht.

Im September 2016 wurde das Schwimmbad für eine umfassende technische und gestalterische Sanierung durch das Stuttgarter Büro 4a Architekten geschlossen. Explizites Ziel war, dass die Anlage ihren Charme der Nachkriegszeit behalten sollte – darunter beliebte Details wie die über Hebel kippbaren Kaltwasserduschen. Die Herausforderung für die Architekt*innen bestand folglich darin, die richtige Balance zwischen Erhalt, Erneuerung und Ergänzung zu finden.

Bald stellte sich jedoch heraus, dass der Zustand schlechter war als angenommen. Die Architekt*innen überarbeiteten das Bestandsgebäude mit Hallen- und Freibadbereich, Gastronomie und Sauna, dazu sämtliche Oberflächen und Einbauten sowie die technischen Anlagen. Im Laufe der Baumaßnahme kristallisierte sich zudem heraus, dass auch eine der Mineralquellen neu gebohrt werden muss.

Der Entwurf des L-förmigen Gebäudes, das das Außenbecken auf zwei Seiten rahmt, stammt von Ludwig Blankenhorn, dem Bruder des ehemaligen Eigentümers. Das Gebäude wurde im Rahmen der Sanierungsarbeiten bis auf den Rohbauzustand zurückgeführt. Die Neukonzeption der Anlage greift die bestehenden Abläufe auf, der Haupteingang wurde jedoch aus Gründen der Barrierefreiheit weiter in die Gebäudemitte verlegt, über eine Rampe gelangen die Besucher nun in das tiefer liegende Foyer. Durch die Anordnung der Kassenanlage und das Verlegen der Gastronomie vom Ober- in das Erdgeschoss konnte die Eingangshalle offen und transparent gestaltet werden, mit freiem Blick zum Außenbecken. Das farbige Deckenfenster von Max Ackermann wurde restauriert, die Umkleiden und Duschen für die Frauen wurden in das Obergeschoss gelegt, die entsprechenden Einrichtungen für die Männer in den Keller gepackt.

Die bestehende Badehalle wurde auf beiden Etagen um Liegeflächen in Form einer Galerie erweitert. Als gestaltendes Element installierte man in der Halle eine Holzlamellendecke, die für warme Atmosphäre und verbesserte Akustik sorgt. Zusammen mit dem Stuttgarter Künstler Matthias Kohlmann wurde eine neue Fliesenwand entwickelt, die wesentliche Merkmale aus dem Bestand aufgreift, diese jedoch neu interpretiert. Das alte Bewegungsbad im Osten der Anlage wurde abgerissen und durch einen formal angepassten Anbau an die bestehende Badehalle ersetzt.

In Anlehnung an das ursprüngliche Erscheinungsbild gliedert das bestehende Stützenraster der Schwimmhalle die neu eingesetzte Glasfassade. Wichtig war der Erhalt der Sonnenbalkone mit ihren Markisen. Die charakteristischen Sommerumkleiden und die Holzliegen im Außenraum wurden während der Sanierung eingelagert, aufbereitet und anschließend wiederverwendet. Anstatt der veranschlagten 29,4 Millionen stiegen die Sanierungskosten auf 34 Millionen Euro. Dafür ist das „städtische Heiligtum“ nun wieder dauerhaft hergestellt. Die Bergianer werden’s danken. (tl)

Fotos: Uwe Ditz


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