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01.09.2021

Operation am offenen Herzen

Sanierung des Audimax der TU Braunschweig von Krekeler Architekten


Das Audimax der TU Braunschweig darf getrost als Mittelpunkt der Universität gelten, im Ensemble mit der gegenüberliegenden Bibliothek, dem angrenzenden Rektoratsbau und natürlich dem verbindenden Platz. Hier wurde wenige Jahre nach dem Krieg die demokratische Erneuerung des höheren Bildungswesens zelebriert, mit einer radikal modernen Architektur, die nicht nur den Studierenden, sondern auch einer allgemeinen Öffentlichkeit dienen sollte. Der Architekt des Ensembles war kein Geringer als Friedrich Wilhelm Kraemer. Der hat nicht nur das Büro KSP mitbegründet, sondern als TU-Professor auch die einflussreiche Braunschweiger Schule. Das Hochschulforum, wie die Anlage auch genannt wird, hat also in mehrfacher Hinsicht Symbolcharakter.

Rund 60 Jahre nach Fertigstellung des Audimax wurde es nun im Frühjahr nach einer umfangreichen Sanierung wiedereröffnet. Verantwortlich für die Instandsetzung waren Krekeler Architekten Generalplaner mit Büros in Berlin, Brandenburg und Braunschweig, deren Bauaufgabe fast schon einer Operation am offenen Herzen geähnelt haben muss. Denn die Sanierung der denkmalgeschützten Braunschweiger Hochschulbauten geriet spätestens mit der heftig kritisierten Instandsetzung des benachbarten Okerhochhauses von Dieter Oesterlen in den Fokus einer größeren Fachöffentlichkeit. Nicht zuletzt Meinhard von Gerkan, Nachfolger von Kraemer auf dessen Lehrstuhl, machte sich bereits 2010 für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Erbe stark. Die zwischenzeitlich erfolgte Sanierung des Rektoratsgebäudes konnte zudem ebenfalls nicht alle Kritiker*innen überzeugen.

Anhand des Audimax lässt sich nun studieren, was auch jenseits von ultimativen Ikonen wie der Neuen Nationalgalerie mit einer verantwortungsvollen Herangehensweise gemeint sein kann. Wie in Berlin dürfte es den meisten Menschen jedenfalls schwerfallen, große Unterschiede zur ursprünglichen Gestaltung zu erkennen. Dabei wurden wesentliche Elemente wie die filigrane Doppelfassade komplett zerlegt und wieder neu aufgebaut – nun mit Isolierglas in der äußeren Schicht, um den sommerlichen Wärmeeintrag entscheidend zu reduzieren. Trotz der bereits bauzeitlich integrierten Sonnenschutzanlage war die Temperatur im Raum oft nur schwer zu kontrollieren. Auf den Beton des Hörsaalvolumens, das ursprünglich in schönem Kontrast zum Hans Arp-Relief an der Westfassade dunkel gestrichen war, wurde außerdem ein Dämmputz aufgetragen. Das auch dies kaum auffällt, ist der Nachbildung des ursprünglichen Fugenbildes im Putz zu verdanken. Die veränderte Farbigkeit geht übrigens noch auf Kraemer selbst zurück, der sich um 1970 aus thermischen Gründen zu einem Angleich an die benachbarte Bibliothek entschieden hatte. Das Dach des Kubus sowie Teile der technischen Ausstattung des Gebäudes wurde bereits in einem ersten Bauabschnitt unter Planung von O.M. Architekten (Braunschweig) erneuert. Das Budget des aktuellen Bauabschnitts, dessen Planung 2017 in einem VgV-Verfahren ausgeschrieben worden war, betrug inklusive der Kostengruppe 700 brutto knapp 10 Millionen Euro.

Im Inneren konnten die Architekt*innen ihre detailfreudige Auseinandersetzung mit dem Bestand konsequent fortsetzen. Das betrifft insbesondere die raumprägende Holzdecke im Erdgeschoss, die aus Gründen des Brandschutzes durch nicht brennbare Materialien ersetzt werden musste. Auffallen dürfte auch dies wiederum nur wenigen, zumal im Zuge dieser Maßnahme auch die Wiederherstellung der ursprünglichen Beleuchtung gelang. Die Bestuhlung im Hörsaal ist neu, entspricht aber dem Original und stammt sogar vom selben Hersteller. Andere Elemente wie beispielsweise die Böden im Erdgeschoss konnten außerdem erhalten werden, sodass trotz der porentiefen Sanierung nicht nur die ursprüngliche Ausstrahlung der Architektur, sondern auch die Patina einer jahrzehntelangen intensiven Nutzung immer noch spürbar ist. (sb)

Fotos: Stefan Melchior, Bernd Rodrian


Video:


Online-Diskussion zur Sanierung im Rahmen der Wiedereröffnung:



Zum Thema:

Mehr zur Braunschweiger Schule auch in den beiden Baunetzwochen #251 und #486.


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