RSS NEWSLETTER

https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Platzgestaltung_von_lad_yellow_z_und_BPR_7932947.html

25.05.2022

Zurück zur Meldung

Lebenswertes Köln-Chorweiler

Platzgestaltung von lad+, yellow z und BPR


Meldung einblenden

Die Neue Stadt Chorweiler im Norden von Köln steht für die großen Ambitionen urbaner Wohnsiedlungen der 1970er-Jahre – doch Leere und ein negatives Image waren die Folgen. Nun zeigen Ergebnisse des Projekts Lebenswertes Chorweiler, wie sich öffentlicher Raum aufwerten lässt und ein Stadtteil ein neues Gesicht bekommen kann.

Von Uta Winterhager

Mit dem Bau von Chorweiler, dem Zentrum der Neuen Stadt im Norden setzte Köln in den 1970er-Jahren zeitgemäß auf Urbanität durch Dichte. Doch das Konzept ging nicht auf, in der Großwohnsiedlung mit gewaltiger Skyline sprachen oft nur die günstigen Mieten fürs Bleiben. Obwohl so gut und modern gedacht, fehlte der menschliche Maßstab. Plätze, auch Grünflächen gab es, schlimm war die Leere darauf, die Sinnlosigkeit, zu oft die Angst. Doch das Vakuum ließ vermuten, dass sich von hier aus ein interner Erneuerungsprozess anstoßen ließe, der weit in den Stadtbezirk hineinwirkt. Im besten Fall würden nicht nur die, die dort wohnen, sondern auch die, die Immobilien besitzen oder ein Gewerbe betreiben, den Wert ihrer Gemeinschaft und die Notwendigkeit des Sich-Kümmerns neu erleben.

Im Jahr 2015 wurde die Stadt mit dem Projekt „Lebenswertes Chorweiler – ein Zentrum im Wandel“ aktiv, das seit 2021 abgeschlossen und nun sogar ausgezeichnet ist. 13 Millionen Euro wurden investiert, davon 8 Millionen als Eigenanteil der Stadt und 5 Millionen in Form einer Förderung als Premiumprojekt des Bundesprogramms Nationale Projekte des Städtebaus (NPS). Der Fokus lag auf drei Plätzen mit insgesamt 36.000 Quadratmetern Fläche im Zentrum des Stadtteils Chorweiler, wo die höchsten Häuser stehen, aber auch das City-Center, das Bezirksrathaus, die Kirchen, der ÖPNV und ein Test-Container.

Liverpooler Platz, Pariser Platz und Lyoner Passage bilden ein räumliches Kontinuum. Vieles dort war strukturell gut angedacht, doch wenig lud zum Veerweilen ein. Um Platzeigenschaften zu entwickeln, die den heutigen und zukünftigen Bedürfnissen der Anwohner*innen entsprechen, führten Urban Catalyst (Berlin) und Umschichten (Stuttgart) ein 13-monatiges kooperatives Beteiligungsverfahren durch. Zentrales Element war die für eine Woche an der Lyoner Passage aufgestellte Platzstation.

Die so gewonnenen und vor Ort getesteten Ideen setze die arge Chorweiler, bestehend aus den Büros lad+ Landschaftsarchitektur Diekmann (Hannover),  yellow z urbanism architecture (Berlin, Zürich) und BPR Bernd F. Künne & Partner (Köln) nachfolgend um. Auffällig ist heute, dass nichts fremd scheint, nichts aufgesetzt oder verkopft. Es sind praktische, aber auch ästhetische und spielerische Verbesserungen, die Angebote machen und Möglichkeiten bieten. Insgesamt 150 klimaangepasste Bäume wurden gepflanzt, 1.200 Quadratmeter Spiel- und Sportflächen angelegt, 450 Meter Sitzbänke und Sitzstufen aufgestellt und 130 Fahrradstellplätze eingerichtet.

Der Liverpooler Platz bietet nur noch einen kleinen Bereich zum Parken, groß genug aber für den Wochenmarkt, der hier donnerstags und samstags die Massen bewegt. Drum herum ist der Asphalt rosa, auf den langen Bänken sitzen neben Müttern mit kleinen Kindern viele alte Menschen, sind froh sich auszutauschen. Auch nachts ist es nun besser, das Licht der hohen Mastleuchten wirkt.

Der Pariser Platz wurde zum Veedels-Wohnzimmer erklärt. Vierfarbiges Klinkerpflaster markiert die gute Stube, der 20 Meter lange Tisch der Nationen steht bereit, das Spiel im Fontänenbrunnen scheint deutlich attraktiver als Fernsehen. Unübersehbar, da Ton-in-Ton in Signalrot, ist der große Spielbereich der Lyoner Passage. Kein Sandkasten, sondern Schaukeln, Klettergeräte und Hängematten, an der Offside des Einkaufszentrums eine Boulderwand finden sich hier. Es ist übersichtlich, sauber und einladend, jeder Ort ist barrierefrei erschlossen – was wir vielerorts als selbstverständlich betrachten, war hier nie gegeben. Jetzt ist es das neue Normal und eine große Chance, die fatale Abwärtsspirale des Stadtteils umzukehren.


Dieses Objekt & Umgebung auf BauNetz-Maps anzeigen:
BauNetz-Maps


Kommentare

1

KarstenS. | 25.05.2022 22:58 Uhr

Zwischnräume

In Chorweiler ist mit einfachen Mitteln viel erreicht worden.
In Deutschland gibt es viele Orte deren Zwischenräume ein bisschen Zuwendung solcher Art gebrauchen könnten.

 
Mein Kommentar
Name*:
Betreff*:
Kommentar*:
E-Mail*:

(wird nicht veröffentlicht)

Zur Durchführung dieses Service werden Ihre Daten gespeichert. Sie werden nicht an Dritte weitergegeben! Näheres erläutern die Hinweise zum Datenschutz.


Ab sofort ist die Eingabe einer Email-Adresse zwingend, um einen Kommentar veröffentlichen zu können. Die E-Mail ist nur durch die Redaktion einsehbar und wird nicht veröffentlicht!


Ihre Kommentare werden nicht sofort veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Regeln.



Liverpooler Platz

Liverpooler Platz



Pariser Platz

Pariser Platz

Lyoner Passage

Lyoner Passage

Bildergalerie ansehen: 18 Bilder

Alle Meldungen

<

25.05.2022

Backsteine und Schiffsegel

Wohnensemble in Leipzig von W&V Architekten

25.05.2022

Hai im Hafenspeicher

Guillermo Vázquez Consuegra planen Meeresmuseum in Triest

>
BauNetz Themenpaket
Mittsommer in Skandinavien
baunetz CAMPUS
Beten to go
BauNetz Wissen
Vier Türme, ein Haus
baunetz interior|design
Farbliche Gratwanderung
Baunetz Architekten
a+r Architekten
vgwort