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09.01.2018

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Moderne Politik hinter Nachkriegsfassade

Niedersächsischer Landtag von blocher partners in Hannover


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1.600 Sprinklerköpfe, 125 Brandschutzklappen, 300 Kilometer Kabel, viereinhalb Kilometer Lüftungskanäle und drei Kilometer Wasserrohre. Verbaut in 4.000 Kubikmetern Beton, 300 Tonnen Stahltragwerk und 700 Tonnen Bewehrung. 100 Einfamilienhäuser ließen sich damit errichten, entstanden ist aber ein modernes Parlamentsgebäude, das sich aus mehreren Zeitschichten zusammensetzt.

Das Vorhaben blickt auf eine lange Planungsgeschichte zurück, bei der mehrfach der Nachkriegsbau von Dieter Oesterlen auf der Kippe stand. Nach anhaltendem Protest konnte man sich aber zumindest zu einem Teilerhalt entschließen. An der Bedeutung des Projekts besteht also kein Zweifel, und zur Eröffnung Ende Oktober 2017 kam denn auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ans Leineufer.

Verantwortlich für den dreijährigen Umbau des Niedersächsischen Landtags sind blocher partners aus Stuttgart. Sie konnten 2013 den letzten einer Reihe von Wettbwerb gewinnen, die seit 2002 veranstaltet worden waren. Nun ist quasi ein Neubau hinter renovierter, denkmalgeschützter Fassade entstanden. Diese Hülle wurde von Oesterlen als Kontrapunkt zum klassizistischen Bau von Georg Ludwig Friedrich Laves konzipiert.

Mehr als 10.000 Tonnen Abbruch später schreiten nun wieder niedersächsische Abgeordnete durch die strahlend weiße Portikushalle, über 2.000 Quadratmeter Teppichboden und 3.000 Quadratmeter geschliffenen Estrich. Die alte Fassade aus verwitterten Granitplatten aber ist nach Entkernung und Neubau wieder an ihrem angestammten Platz. Genauso wie drei Bronzeskulpturen von Jürgen Weber.

Offen soll der Bau sein, ein Symbol für transparente Politik. Denn einen Plenarsaal neu zu bauen, hieße, so die Architekten, sich Gedanken zu machen, wie Demokratie heute funktioniert und wie sie sich präsentiert – vor allem, wie sie sich ihren Bürgern öffnet. Transparenz war daher der Leitgedanke von blocher partners, die ihren Entwurf als zeitlos modern verstanden wissen wollen. Im Mittelpunkt die Menschen, nicht die Technik, die hinter hellen Flächen und Nussbaum-Elementen versteckt ist.

150 Abgeordnete und 261 Besucher finden künftig im Halbrund des Saals Platz. Das niedersächsische Ross aus Glas – entworfen von den Architekten in Zusammenarbeit mit der Kommunikationsagentur typenraum – an der Stirnseite. Trotz aller Neuerungen: Der Charakter des alten Landtags sollte erhalten bleiben. „Respekt zollten wir nicht nur dem Hohen Haus selbst, sondern auch der Leistung unserer Vorgänger“, sagt Wolfgang Mairinger von blocher partners. Kostenpunkt: 58,2 Millionen Euro. (kat)

Fotos: Joachim Grothus


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Kommentare

2

JH_LND | 10.01.2018 09:36 Uhr

Weiß

Schön: Die Holzverkleidung im Plenarsaal, die diesem eine gewisse Würde verleiht. Der Rest ist sicherlich gut gemacht, aber für einen Landtag für meinen Geschmack zu weiß und zu steril. Und die Decke über dem Plenarsaal wirkt leider ein wenig arg trivial.

1

Schumann | 09.01.2018 19:49 Uhr

weichgespült

schade um den Oesterlen-Bau mit Innenhof und Wandelgang. Sah dort Qualitäten wie bei Arne Jacobsen. Jetzt ist die neue Halle steril , der Dachaufsatz für den Multifu-Saal funktionslos. Was sprach gegen eine Öffnung zum Hof?
Hannover entledigt sich nach und nach seiner markanten Bauten aus den Fünfzigern u. Sechzigern.

 
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Historische Wurzeln: Georg Ludwig Friedrich Laves gab im 19. Jahrhundert dem Schloss sein klassizistisches Gepräge, Dieter Oesterlen verwandelte die Schlossruine im 20. Jahrhundert in ein Parlament.

Historische Wurzeln: Georg Ludwig Friedrich Laves gab im 19. Jahrhundert dem Schloss sein klassizistisches Gepräge, Dieter Oesterlen verwandelte die Schlossruine im 20. Jahrhundert in ein Parlament.

Der neu errichtete Plenarsaal für 150 Abgeordnete.

Der neu errichtete Plenarsaal für 150 Abgeordnete.

An der Stirnseite: Das niedersächsische Ross aus Glas, dessen Kontur dem Bundesland nachempfunden ist.

An der Stirnseite: Das niedersächsische Ross aus Glas, dessen Kontur dem Bundesland nachempfunden ist.

Die zentrale Portikushalle mit direktem Blick ins Parlament.

Die zentrale Portikushalle mit direktem Blick ins Parlament.

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