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03.07.2018

Steinerne Geschichtsschreibung in Doha

Nationalarchiv von Allies + Morrison und Häuser-Museum von John McAslan + Partners


Für fast jedes Architekturbüro wäre die Fertigstellung eines Nationalarchivs mit immerhin 26.000 Quadratmetern Geschossfläche eine große Sache, doch Allies and Morrison hängen ihr im Frühjahr in Doha im Emirat Katar vollendetes Projekt nicht an die große Glocke. Gerade mal elf Bilder haben die Londoner Architekten herausgegeben, auf denen das Gebäude darüber hinaus oft nur im Hintergrund zu sehen ist. Dass dies jedoch nichts mit Verschämtheit oder falscher Zurückhaltung zu tun hat, macht ein Blick auf die Hintergründe deutlich. Allies and Morrison sind nämlich nicht nur für das Archiv, sondern für die architektonische Gestaltung eines ganzen Masterplans von immerhin 35 Hektar verantwortlich.Wahrscheinlich haben die Kollegen einfach gerade Wichtigeres zu tun, als Presseerklärungen zu verfassen.

Masterplan Msheireb Downtown

Das Großprojekt namens Msheireb Downtown Doha sieht die Regeneration eines historischen Stadtquartiers vor, was de facto allerdings auf einen fast vollständigen Neubau hinausläuft, in dessen Rahmen einige ältere Fragmente integriert werden. Realisiert wird das Vorhaben durch eine Tochtergesellschaft der halbstaatlichen Qatar Foundation, die nicht nur in einem Gebäude von OMA residiert, sondern kürzlich auch die ebenfalls von Rem Koolhaas entworfene katarische Nationalbibliothek eröffneten. Eine ebenfalls durch die Qatar Foundation errichtete, spektakuläre Fakultät für Islamstudien von Mangera Yvars Architects ist schon seit 2015 in Betrieb.

Die historischen Wurzeln, auf die man sich für die neue Msheireb Downtown bezieht, existieren allerdings tatsächlich: Das Quartier steht nicht nur für den ölfinanzierten Aufbruch des Landes seit den 1950er-Jahren, sondern war auch schon zu Zeiten der Perlentaucherei mit Wohngebäuden bebaut gewesen. Der Masterplan sieht neben zeitgenössischen Wohngebieten und Einkaufsstraßen auch ein Geschäftsviertel und einen historischen Sektor vor, der sich aus öffentlichen und religiösen Bauten sowie einem Museum zusammensetzt. Dieser Teil des Projekts liegt zugleich nahe des politischen Zentrum des Lande, was ihn zur idealen Umgebung für das neue Nationalarchiv macht.

Kantige Komposition Nationalarchiv

Der Neubau zeigt sich als kantige Komposition relativ geschlossener Volumen, was nicht nur dem Programm, sondern auch dem Klima geschuldet ist. Interessant an der Architektur ist der Versuch, das Gebäude sowohl zeitgenössisch wirken zu lassen, es aber auch überzeugend innerhalb des neu geplanten „historischen“ Quartiers zu verorten. Das Resultat erscheint mit seiner glatten Natursteinfassade samt horizontalen Geschossbändern wie eine – wenn auch überdimensionierte – Referenz an die moderate Nachkriegsmoderne. Die monumentale Wirkung des Archivs war dabei explizit erwünscht, verstehen die Auftraggeber das Projekt doch als das nationale Gedächtnis Katars – da kann eine gewisse körperliche Präsenz nicht schaden. Im zentralen Turm liegt das eigentliche Archiv, während der Flügel im Norden die öffentlichen Funktionen beherbergt und der südliche Trakt der Büronutzung dient. Auch die Werkstätten der Konservatoren befinden sich hier.

Das Archiv ist prominent an einer Straßenecke in Sichtweite des Regierungssitz des Emirs von Katar positioniert und gehört zum sogenannten Diwan Amiri Quarter mit weiteren staatlichen Gebäuden, die ebenfalls von Allies and Morris gestaltet werden. Dazu zählen auch die zeitgenössische Rekonstruktion des Eid Prayer Grounds gegenüber dem Archiv, das neue Quartier der Nationalgarden, ein Verwaltungsbau für den Emir und die Kühlzentrale des Viertels.

Freie Interpretationen im Häuser-Museum

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt außerdem ein Museumskomplex des ebenfalls in London ansässigen Büros John McAslan + Partners, der vier verschiedene Wohnhäuser historisch einflussreicher Kataris zusammenbringt. Eines der Gebäude, das Radwani House, wird dabei dreiseitig vom Archiv umschlossen. Die Herangehensweise der Architekten an die historische Substanz ist robust. Man muss wohl eher von einer Neuinterpretation der Privathäuser mit Blick auf die zukünftige Nutzung sprechen. Dazu gehört die Überdachung einst offener Innenhöfe und der Bau neuer unterirdischer Hallen. Die wenigen echten historischen Elemente wirken in dieser künstlichen Umgebung dann schon fast wie Spolien.

Für Allies and Morris wird die Erfolgsgeschichte in Katar übrigens weitergehen, denn die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist erst für 2030 geplant. Als nächstes stehen nicht nur luxuriöse Townhouses, sondern auch eine Moschee für eines der Wohnquartiere auf dem Programm. (sb)

Foto: Hufton + Crow, Gerry O'Leary, Edmund Sumner


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Allies + Morrisons Neubau zeigt sich als kantige Komposition von eher verschlossenen Volumen, was nicht nur dem Programm, sondern auch dem Klima geschuldet ist.

Allies + Morrisons Neubau zeigt sich als kantige Komposition von eher verschlossenen Volumen, was nicht nur dem Programm, sondern auch dem Klima geschuldet ist.

Interessant an der Architektur des Nationalarchivs ist der Versuch, das Gebäude sowohl zeitgenössisch wirken zu lassen, es aber doch überzeugend in das neu geplante „historische“ Quartiers zu integrieren.

Interessant an der Architektur des Nationalarchivs ist der Versuch, das Gebäude sowohl zeitgenössisch wirken zu lassen, es aber doch überzeugend in das neu geplante „historische“ Quartiers zu integrieren.

Neben dem Nationalarchiv liegt ein Museumskomplex von John McAslan + Partners, der in freier Interpretation vier verschiedene Wohnhäuser historisch einflussreicher Kataris zusammenbringt.

Neben dem Nationalarchiv liegt ein Museumskomplex von John McAslan + Partners, der in freier Interpretation vier verschiedene Wohnhäuser historisch einflussreicher Kataris zusammenbringt.

Allies and Morrison sind nicht nur für das Archiv, sondern auch für die Gestaltung des Masterplans Msheireb Downtown Doha verantwortlich.

Allies and Morrison sind nicht nur für das Archiv, sondern auch für die Gestaltung des Masterplans Msheireb Downtown Doha verantwortlich.

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