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22.09.2015

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Neo-Brutalismus in Hannover

Museumserweiterung von Meili, Peter Architekten


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Die Haupteröffnung des Sprengel Museums findet erst im Mai 2016 statt, vergangenen Freitag wurde mit einer ersten Ausstellung aber schon mal der Erweiterungsbau eingeweiht. Entworfen von dem Schweizer Büro Meili, Peter Architekten (Zürich, München) ist am Kurt-Schwitters-Platz ein eher unhannoversches Gebäude entstanden. Kein Wunder also, dass der robuste Bau, der sich in die Kategorie Neo-Brutalismus einordnet, schon vor Baubeginn für Diskussionen sorgte. Denn während das Museum selbst von einem „eleganten Baukörper aus anthrazitfarbenem Beton“ spricht, betitelten Medien und Lokalpresse den Anbau als „Bunker“, „Sarg“ oder „Brikett“.

Die Vorab-Eröffnung zeigt, dass alle anfänglichen Bedenken offenbar verflogen sind. Über 35.000 neugierige Besucher lockte das Eröffnungswochenende in den neuen Sprengel-Anbau, um einen Blick hinter die dunkle Betonfassade zu werfen – die meisten waren begeistert. Grund dafür war neben der Ausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ (das Sprengel Museum beherbergt eine der bundesweit wichtigsten Sammlungen von Kunst der Klassischen Moderne) die Belichtung der Ausstellungsräume sowie die Eingangshalle mit ihrem Treppenaufgang.

Für Meili, Peter Architekten, die 2010 mit ihrem Entwurf den Wettbewerb für das 36-Millionen-Euro-Projekt gewonnen hatten, war die Ausgangslage nicht ganz einfach. „Das bestehende Museum am Maschsee gab topografisch und räumlich eine außerordentlich komplexe Lage vor“, so die Zürcher Architekten. „Diese war weder für den Museumsbetrieb noch für dessen Erweiterung einfach zu interpretieren.“ Aus diesem Grund haben Meili, Peter Architekten einen einfachen Körper als Ergänzung entwickelt, der mit 5.300 Quadratmetern Fläche in ähnlicher Größe wie der Bestand ein eigenständiges Verhältnis zum See und zur Promenade formulieren soll. „Hervorgeschoben zu den Bäumen, leicht schwebend, mit einem einzigen Hauptgeschoss. Der nervöse Bestand und seine Bastion finden darin Abschluss und Rahmen“, meinen Marcel Meili und Markus Peter.

Der neue Ausstellungstrakt bildet zunächst eine einfache, klassische Enfilade mit einer übersichtlichen Besucherführung. „Dieser Weg erhält seinen Rhythmus nicht nur durch unterschiedliche Raumformate, sondern auch dadurch, dass die Räume im Raster leise ‚tanzen‘: Sie sind leicht abgedreht und verleihen damit jedem Saal eine gewisse Eigenständigkeit, die außerdem durch unterschiedliche Raumhöhen unterstrichen wird“. Und damit sich der Anbau auch mit seiner Umgebung verbindet, sind an den Schnittstellen zwischen dem strengen Kubus und dem bewegten Plan schmale, verglaste Loggien eingerichtet. Dass diese kleinen Foyers sich je nach Bedarf auch gut bespielen lassen, zeigt die aktuelle Ausstellung.

Das Raumkonzept im Inneren erklärt die äußere Gestalt: Mit der „ruhigen und schweren Betonfassade“ wollen die Architekten ihre „tanzenden Raumfiguren“ zusammenhalten. Die Reliefbänder an der Fassade verweisen auf das Innere, darüber hinaus sollte der Beton durch seine dunkle Färbung „eine noble, weiche, fast samtartige Anmutung“ bekommen. Und wenn selbst die Bild-Zeitung begeistert ist, haben Meili, Peter Architekten es ganz offensichtlich am Ende doch geschafft, nicht nur ein neues Ausstellungshaus für Hannover zu bauen, sondern auch ein Verständnis für zeitgenössische Architektur zu vermitteln. (jk)

Fotos: Sprengel Museum Hannover / Georg Aerni

Die Ausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ ist noch bis zum 10. Januar 2016 im Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, zu sehen.


Zum Thema:

www.sprengel-museum.de

Der Brutalismus lebt. Aber anders, als wir ihn kennen. Mehr in der Baunetzwoche#396 „Very New Brutalism“


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Kommentare

12

Chantalle | 30.09.2015 17:31 Uhr

Ein Conglomerat, der Erfolg hat viele Väter und Mütter

Der schräge Sockelbereich: Ungers "Galerie der Gegenwart", HH
Das Glas-UG und der Beton-Mittelbau: Le Corbusier, Unitee d´Habitation, allover Europe
Interieur/ Haupttreppe: F.L. Whright,Guggenheim, NY in Zusammenarbeit mit Gio Ponti, Bella Italia in den 50th
Le Sternenhimmel: NDW, Hubert Kah
Farbe: Back in Black, ACDC oder Amy Winehouse

11

joscic | 23.09.2015 17:56 Uhr

seltsam deutschnational

was hier doch immer wieder gepostet wird. Es ist doch vollkommen unerheblich, ob in der Schweiz besserer Sichtbeton gemacht wird, es ist eben ein anderes Land mit einer anderen Baukultur und auch wohl mehr Geld

10

kleiner Klaus | 23.09.2015 17:45 Uhr

was denn bitte abschauen...

Diesem Gebäude fehlt aber ganz offensichtlich die Kraft, der Beton-brut-Bauten der 1970er Jahre, die den Begriff Brutalismus prägten. Das hier ist eher eine schwache, sehr bemühte Komposition mit dekorativen Fassadengliederungen - und mit einen laschen, wenig überzeugenden Verbinder. Leider nur Mittelmaß - trotz Wettbewerb. Beton alleine bringt es eben nicht!

9

peter | 23.09.2015 17:33 Uhr

sichtbeton

was ist so schlecht am schwarzen sichtbeton? hier wurde viel gelästert und gejammert, aber außer einer etwas melierten farbstruktur (die vielleicht sogar beabsichtigt war?) sehe ich keine probleme beim beton.

viel größere bauchschmerzen habe ich in der tat bei dem geschwungenen treppenraum, der nicht so recht zum haus passen will und an den stellen, wo die fassade ins erdreich verschwindet bzw. unmotiviert darüber fliegt.

8

T.C. | 23.09.2015 09:36 Uhr

Entwurf

Offentsichtlich finden sich die Beton-nerds im baunetz bei diesem Gebäude angesprochen - Sie vergessen jedoch in ihrer einseitigen Kritik (mag der Beton jetzt gut oder schlecht ausgeführt sein), dass das Gebäude nicht nur aus einer Fassade besteht.

Fragwürdig erscheint eher die eklektizistisch zusammengewürfelte Komposition: Außen ein massives Volumen, dass auf einer Glasfassade aufgesattelt ist, die als Luftgeschoss nicht wirklich funktioniert, da sich die Profile deutlich abzeichnen. und fast wie Stützen wirken. Hinzu kommen die blechverkleideten Technik-Geschosse auf dem Dach, die irgendwie gar nicht zum monolithischen Betonquader passen wollen. Innen ist man dann konfrontiert mit einem Hauch beschwingter 80-er Jahre Ästhetik inkl. Sternenhimmel bei den Deckenleuchten und GK-Inferno.
Man hat den Eindruck, als wäre jedes Bauteil von einem anderen Team entworfen worden, was dazu führt, das das Gebäude als Summe seiner Einzelteile erscheint und nicht als ganzes.

7

remko | 23.09.2015 00:37 Uhr

...

Ich finde den groben Sichtbeton gerade in seiner Rauheit sehr schön. Besonders der subtile Unterschied zwischen den geschliffenen (?) und den rohen Bereichen. Was aber gar nicht geht ist der verspiegelte und verglaste Sockel.

6

Peter Heidinger | 22.09.2015 23:25 Uhr

Beton

''u'nd wer hats gemacht? Ein Schweizer!!! Nicht zu übersehen, da können sich die deutschen Architekten was abschauen!''...und wer hats gemacht??? Sowas sollte sich niemand abgucken. Schlechter Schweizer Graphitsichtbeton auf einer Fassade die nur Dekoration ist, Eyecatcher Lochfassade ohne Funktion. ''Aber Sichtbeton konnten die Deutschen noch nie gut ausführen.''..Ebenso falsch, das können DIE Deutsche sogar sehr gut. Brutalismusbeton ist halt nur noch in der Schweiz ''in''. Ausführen tun das auch nicht Architekten sondern Betonbauer.

5

KSK | 22.09.2015 17:56 Uhr

Auführung

Leider kann die Ausführung des Gebäudes nicht mit dem Entwurf standhalten! Die Oberfläche des "Sichtbetons" geht gar nicht klar. Wirklich schlecht ausgeführt. Wenn man bedenkt, dass es sich nicht um eine Tiefgarage eines Einkaufszentrums handelt. Schade. Aber Sichtbeton konnten die Deutschen noch nie gut ausführen.
Gruß der Schweiz

4

Mies | 22.09.2015 17:05 Uhr

Beton??

Die Betonoberflächen sind grauenhaft geworden.
Ich finde es einfach nur peinlich, dass ein Land wie Deutschland, ein "Hochtechnologie" Standort, (zumindest im Bereich Täuschung & Betrug) nicht in der Lage ist, schönen Ort- bzw. Sichtbeton herzustellen. Dieser schöne Entwurf hätte in der Schweiz ungesetzt werden müssen! So ist es doch eine Enttäuschung!
Deutschland, Deutschland, was ist aus euch geworden?

3

julia | 22.09.2015 17:00 Uhr

...

Sehr schönes Projekt.

2

Herr ZAB | 22.09.2015 15:53 Uhr

geschnitten, weil zu scharf

Was für ein scharfes Ding! Und wer hat gemacht? Ein Schweizer!!! Nicht zu übersehen, da können sich die deutschen Architekten was abschauen!

1

Kritiker | 22.09.2015 15:52 Uhr

Bild 8 und Bild 9

Huch, was ist das denn für ein Detail, wo der Baukörper auf die schräge Ebene stößt?
Damit wird der gesamte Baukörper in Frage gestellt.

Die tanzenden Räume sehen im Grundriss trotzdem sehr schön aus.

 
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