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15.04.2021

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Expressionistisch fürs Automobil

Museumserweiterung in Singen von Daniel Binder


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In ethnologischen Museen ist die exotisierende Inszenierung mit dunklen Räumen und dramatischen Lichtakzenten zu Recht etwas aus der Mode gekommen. Bei einer Sammlung klassischer Automobile hingegen darf man dem Bedürfnis nach mystifizierender Überhöhung ohne Bedenken Folge leisten. Im bodenseenahen Singen steht seit 2019 das zweite Gebäude des Stifterehepaars Gabriele Unbehaun-Maier und Hermann Maier, das schlicht den Namen MAC 2 trägt. Das erste MAC war bereits 2013 eröffnet worden. Beide Häuser wurden von Daniel Binder mit Büro im nicht weit entfernten Gottmadingen gestaltet.

Die Buchstabenkombination des Museums steht für Museum Art & Cars, was präzise die beiden Sammlungsschwerpunkte beschreibt. Bestands- und Wechselausstellungen gibt es hier, mit luxuriösen Mercedes-Limousinen, rot leuchtenden Ferraris oder auch mal einem niedlichen VW Käfer. Die automobilen Raritäten treffen auf zeitgenössische Kunst und Fotografie und gelegentlich auch auf andere schöne Dinge wie Mode. Die ganz großen Namen sieht man hier zwar primär auf den Autos und nicht in der Kunst – doch das ungewöhnliche Konzept scheint aufzugehen, wie die Notwendigkeit einer Erweiterung beweist. Das Museum wird über die Stiftung der beiden Gründer privat finanziert, erhält aber zum Teil auch öffentliche Zuschüsse.

Das neue Haus entstand direkt um die Ecke des ersten MAC, zu dessen horizontal geschwungener Formensprache es in kantig aufragendem Kontrast steht. Stilistisch entzieht sich die Architektur, aber wer angesichts des Volumens mit seinem grauen Putz an die Zwischenkriegsjahre in Italien denkt, liegt vielleicht nicht ganz falsch. Ein Hauch Futurismus mag man beispielsweise in den kippenden Linien der Fassade erkennen, was auch zum Fokus des Museums passt. Zugleich macht der großformatig goldene Eingang deutlich, dass es sich hier nicht um einen einfachen Nutzbau handelt. Glaspartikel im Putz sorgen ergänzend für glitzernde Lichtreflexe.

Das Innere überrascht wiederum mit einem geradezu expressionistisch-schattenreichen Raumgefüge, das sich in der zentralen Halle gebäudehoch entfaltet. Grauer Beton trifft auf dunkle Böden und schwarze Einbauten, Spotlights setzen Autos wie Kunst ins rechte Licht. Entgegen des Raumeindrucks handelt es sich bei der Erweiterung aber um keine reine Stahlbetonkonstruktion, sondern – wie schon beim Stammhaus – um einen massiven Ziegelbau. Der entstand in Zusammenarbeit mit Hörl & Hartmann Ziegeltechnik (Dachau). Die Erschließung des Gebäudes erfolgt für die Besucher*innen primär über Treppen, für die großformatigen Exponate ist aber in der Tiefe des Grundrisses auch noch ein Autolift zu entdecken. Auch einen regulären Personenaufzug gibt es natürlich.

Im Vergleich zum ersten MAC hat sich die Nutzfläche mit rund 3.000 Quadratmetern verdreifacht. Neben den acht Ausstellungsräumen liegt zudem im obersten Geschoss ein Veranstaltungsraum mit theatral ansteigender Decke, der Aussicht auf die schöne Landschaft mit ihren inselbergartigen Formationen vulkanischen Ursprungs bietet. (sb)

Fotos: Gerd Schaller


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Kommentare

14

curia | 19.04.2021 21:52 Uhr

duck duck

man muss es sogar anschreiben damit man weiss um was es geht.

13

Concierge | 19.04.2021 15:20 Uhr

@10 (wg. @7)

wohl neu hier, oder !?
=)

12

tutnichtszurSache | 17.04.2021 00:22 Uhr

...

Abgesang aufs fossile Zeitalter

11

mitm fahrrad da | 16.04.2021 20:33 Uhr

Hilfe

Außen hats den Stil eines Mausoleums oder des von Abgasen grau gewordenen Geldspeichers von Dagobert Duck; innen ists ein Möchtegern-Nachbau des Daimlermuseums in Stuttgart - nur mit einer schlechteren Sichtbetonklasse.

Der Inhalt: Die Autos sind ja noch ok, aber die "Kunst" auf Auto-Motor-Sport-Sonderbeilagenniveau lohnt keinen Ausflug.

10

joscic | 16.04.2021 16:20 Uhr

Murks!

@ Frauke: touche!
@ Stph: wie bitte?

9

c tyrra | 16.04.2021 16:03 Uhr

gratulation

zumindest nach den Fotos alles richtig gemacht.
bei Gelegenheit life ansehen!!!

8

Frauke | 16.04.2021 15:24 Uhr

Mausoleum

Ein schönes Mausoleum für ein aussterbendes Verkehrsmittel.

Sehr passend.

7

STPH | 16.04.2021 10:09 Uhr

...

Blackbox, wenig Platzverbrauch, schon gar nicht teuer unter der Erde. Markante Landmark expressiv vertikalisiert. Der Rest für Park mit schönen Bäumen. Das stimmt schon mal alles. Bis dahin haben andere Automuseen schon viel falsch gemacht.
Vor allem was bleibt ist viel leckere Freiheit für die Gestaltung. Trotz prekärer Grundstückssituation im Verkehrszwickel. Auch tolle Spannung zwischen Auto und Vertikaler Komposition. Auto und Turm.

6

max | 15.04.2021 18:14 Uhr

naja

wie schon beim ersten bau: außen stellenweise skulptural ok, innen räumlich banal bis unproportional. gewollt aber nicht wirklich gekonnt.

5

Hinrich Schoppe | 15.04.2021 17:07 Uhr

Schon schön...

... dass es immer noch Bauhrerrenschaften gibt, die bedenkenlos Geld für Gebäude ausgeben, die die Welt nicht braucht. Aber die Kunst und die Leidenschaft und natürlich die Architekten, die davon träumen, so einen Sechser im Lotto Auftrag an Land zu ziehen.
Wie auch immer einen das Ergebnis ansprechen mag, mein Eindruck ist: Chance ergriffen und genutzt!

4

alexander | 15.04.2021 17:02 Uhr

haptik gewinnt

schön...mal wieder ein haptisches gebäude mit hoher ästhetischer qualität und ohne diese aalglatte perfektion.

mehr davon!

3

eon | 15.04.2021 16:47 Uhr

...

fantastisch!

2

lollo | 15.04.2021 16:35 Uhr

@aea

alte autos sind getreide für die seele...

1

auch ein | 15.04.2021 15:37 Uhr

architekt

wenns nicht da stehen würde das es neu ist hätte ich von aussen gedacht , das könnte eine umnutzung eines getreidesilos sein...
innen ist esgut, gut inszeniert

 
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