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02.03.2018

Japanisches Adaptionswunder

Multifunktionsbau bei Tokio von Aki Hamada


Die Fotostrecke des Projekts Substrate Factory Ayase in der südlich von Tokio gelegenen Präfektur Kanagawa gleicht einem dieser Bilderrätsel à la „Finden Sie den Unterschied“: War ein Raum eben noch komplett offen, unterteilen ihn im nächsten Bild mehrere Wände in kleine Separees. Ein die Fassade verschließender grauer Lamellenvorhang verschwindet nahezu komplett und taucht dann partiell wieder auf. Oder das Erdgeschoss wird je nach Position der Schiebefenster zur Erweiterung des öffentlichen Stadtraums. Das von Aki Hamada Architects (Tokio/Toyama) entworfene Gebäude, das eine Leiterplattenfabrik in der Stadt Atsugi erweitert, ist ein äußerst anpassungsfähiges Raumchamäleon und wird so auf vorbildliche Weise seiner geplanten Nutzung gerecht: Es dient als multifunktionale Mehrzweckfläche.

Der Standort: eine semi-industrielle Zone, in der sich kleinere Gewerbebauten mit Wohnhäusern mischen. Trotzdem sind beide Typologien im Viertel strikt voneinander getrennt, Konzentration nach innen und Abschirmung außen lautet die Devise. Der Neubau hingegen ist als flexibler Hybrid konzipiert und soll nach Wünschen von Bauherren und Architekten als „open wooden-structure factory“ zwischen Arbeits- und Wohnalltag vermitteln. Sie hoffen, dass die loftartigen Räume des zweigeschossigen Hauses mit einer Gesamtfläche von knapp 291 Quadratmetern nicht nur von der Fabrikbelegschaft, sondern auch von den Anwohnern genutzt werden.

Insbesondere das Erdgeschoss bietet sich dafür an: Es lässt sich dank verschiebbarer Glaswände fast komplett zur Straße hin öffnen. Damit stellt das Haus, dessen Nutzer aktiv in die jeweilige Raumgestaltung einbezogen sind, ein gelungenes Beispiel für den fließenden Übergang vom Außen- zum Innenraum, vom privaten zum öffentlichen Gebrauch dar, mit dem in Japan immer wieder auf innovative Weise experimentiert wird. Substrate Factory Ayase ist dabei charakterisiert durch ein frei kombinierbares Wechselspiel von blickdichten, transparenten und halbtransparenten Elementen.

Der rundum verglasten Fassade sind Stahlbleche mit schmalen, vertikal ausgerichteten Rippen vorgelagert, die bei Bedarf für Verschattung und Sichtschutz sorgen. Mittels eines Schienensystems können sie unkompliziert hin und her bewegt werden – ebenso wie die Fenster und die Wandplatten im Inneren. Diese Raumteiler, die sich beliebig einsetzen lassen, ermöglichen eine schnelle und vielseitige Umstrukturierung der beiden Etagenflächen.

Die Erschließung des Obergeschosses erfolgt über eine außenliegende Treppe, sodass kein inneres Treppenhaus die Raumwirkung stört. Das hohe Dach ist hier mit Holzplatten verkleidet, die in Kombination mit weißen Textilsegeln, die das einfallende Licht streuen, eine wohnliche und ruhige Atmosphäre entstehen lassen. Ein Ort der Fokussierung, bestens geeignet als Büro – aber auch eine Yoga- oder Tai Chi-Gruppe fände hier einen idealen Raum vor. Im Erdgeschoss dagegen sorgen die offenliegenden Deckenarmaturen für einen „industriellen“ Werkstattcharakter – der ideale Platz also für Workshops, Veranstaltungen und, und, und. Der Fantasie hinsichtlich der Gebäudenutzung sind hier kaum Grenzen gesetzt. (da)

Fotos: Kenta Hasegawa


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Der zweigeschossige Neubau liegt in einer semi-industriellen Zone.

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Ein Lamellenvorhang aus Stahl verschließt die Glasfassade...

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... oder auch nicht.

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Das offenliegende Holztragwerk sorgt für eine Loftatmosphäre.

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