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06.04.2020

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Open Source Schulbau

Montag Stiftung und Gernot Schulz planen in Weimar


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Seit über zehn Jahren engagiert sich die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft für die feste Etablierung einer umfänglichen Phase Null in der Schulbauplanung. Statt schneller Bedarfsermittlung plädiert die Stiftung aus Bonn für professionelle und strukturierte Partizipationsprozesse, in denen Pädagogen und Architektinnen mit allen involvierten Akteuren auf Augenhöhe diskutieren. Das Ziel: Gemeinsam zu zukunftsfähigen Lösungen und einem überzeugenden Schulprofil zu kommen, für das dann der passende räumliche Rahmen geschaffen werden kann.

Mit der Zeit wuchs in der Stiftung der Wunsch, über die Phase Null hinauszugehen und zusammen mit Architektinnen und Planern, die man kennt und schätzt, einen progressiven Schulbau bis zur Leistungsphase 3 nach HOAI zu entwickeln. Im Sommer 2018 fiel der Startschuss für die Planung eines Neubaus für die Staatliche Gemeinschaftsschule Am Hartwege in Oberweimar, die nach dem pädagogischen Konzept Jenaplan arbeitet. Dem nun vorliegenden Entwurf ging freilich ein längerer Prozess voraus.

Vom Labor zum IBA Projekt

Angefangen hatte alles bereits 2015 im Rahmen der IBA Thüringen, als Studierende der Bauhaus-Universität Weimar auf dem Gelände der Schule ein StadtLandSchulLabor bauten. Das Labor bot in praktischer und symbolischer Hinsicht den Ort, an dem Eltern, Lehrer und Schüler zusammen mit Expertinnen das Konzept für den Umbau ihrer Typenschule aus DDR-Zeiten in eine Schule der Zukunft erarbeiteten. 2016 wählte die Montag Stiftung das Weimarer Projekt als eines von fünf Pilotprojekten „Inklusive Schulen planen und bauen“ aus, ein Jahr später feierte man den erfolgreichen Abschluss der gemeinsam durchgeführten Phase Null.

Aufbauend auf den guten Erfahrungen entschied sich die Stiftung schließlich, die Weimarer Planung ab Sommer 2018 im Sinne eines Pilotprojekts über die Phase Null hinaus bis zur Leistungsphase 3 (inklusive Leitdetail- und Möblierungsplanung) weiter zu verfolgen. Anfang Dezember letzten Jahres wurde die Entwurfsplanung vorgestellt und der Stadt Weimar offiziell geschenkt – denn die Stiftung trug alle Kosten bis inklusive Leistungsphase 3 allein! Parallel dazu wurde das Neubauvorhaben offiziell zu einem IBA-Projekt ernannt. Danach führten alle Beteiligten die planungsrechtlich verpflichtende Ausschreibung in Form eines VgV-Verfahrens durch.

Schulbau als Open-Source-Pilotprojekt

Das Ergebnis des VgV-Verfahrens wurde kürzlich bekannt gegeben. Das Kölner Büro gernot schulz : architektur – das die bisherige architektonische Planung der Leistungsphasen 1–3 verantwortet hatte – wird nun auch mit den weiteren Leistungsphasen beauftragt. Bei der Außenraumplanung entschied sich das Auswahlgremium, in dem Vertreter der Stadt Weimar, der IBA und der Stiftung saßen, für die Landschaftsarchitekten studio urbane landschaften (Hamburg) und Station C23 (Leipzig/Weimar).

Wer sich die im Dezember letzten Jahres publizierten Pläne und Visualisierungen dieses ambitionierten Projekts ansieht, sollte sich nicht von der rationellen Rasterästhetik abschrecken lassen, die an manchen jüngeren Wettbewerb für Typenschulen erinnert. Stiftung und Planer begreifen ihr Pilotprojekt in Weimar nicht als Modul- oder Typenbau, der in Variationen nachgebaut werden soll. Vielmehr gehe es darum, im Sinne des Open-Source-Prinzips einen Planungsbaukasten bereitzustellen, Lösungsvorschläge nachvollziehbar zu machen und einen Qualitätsrahmen zu definieren, betont Barbara Pampe, Ko-Vorständin der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Diesen Planungsbaukasten möchte die Stiftung der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, so dass ihn zukünftige Planerinnen nutzen und für ihre eigenen Entwürfe produktiv machen können.

Lernlofts mit Außenerschließung

Dass hier ein Schulgebäude geplant wird, das Maßstäbe setzen möchte, ist offensichtlich. Die vorliegende Planung sieht drei ähnlich strukturierte, je dreigeschossige Baukörper vor. Zwei dienen als Lernhäuser für die Jahrgänge 1 bis 9 bzw. die Oberstufe, im dritten liegen alle gemeinschaftlichen Funktionen. Die einzelnen Ebenen der Lernhäuser sind als offene, flexibel möblierbare Bildungslandschaft organisiert und werden als „Lernlofts“ bezeichnet. Je 75 Schülerinnen und Mitarbeiter teilen sich diese circa 400 Quadratmeter großen, offen Räume, die so gestaltet werden, dass sie Orte für unterschiedlichste Formen des Lernens und Arbeitens bieten.

Die Erschließung der Häuser – die eng mit brandschutztechnischen Aspekten zusammenhängt – liegt interessanterweise außen, um mit den vorhandenen Ressourcen ein Maximum an pädagogisch nutzbarem Raum zu gewinnen. Dies sei nur eine von vielen Entscheidungen, die zukünftige Planerinnen übernehmen, aber eben auch anders lösen könnten, betont Pampe. Wichtig sei der Stiftung, dass diese und andere Lösungsvorschläge nachvollziehbar seien.

Im nächsten Jahr will man mit dem Bau beginnen und im Frühjahr 2023 soll die Schule den Betrieb aufnehmen. Die Beteiligten gehen von aktuell 18 Millionen Euro Gesamtkosten aus, von denen zwei Drittel aus Landesmitteln und ein Drittel aus Mitteln der Stadt Weimar kommen. (gh)


Zum Thema:

Mehr über die Montag Stiftung und ihren Einsatz für neue Schulen erfährt man im Interview mit Barbara Pampe in BAUNETZWOCHE#528.


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Kommentare

3

STPH | 07.04.2020 13:04 Uhr

@solong

sie müssen das ganz von den entwurflichen Grundentscheidungen aus sehen. Sonnenorientierung, Brüstung gegen Ablenkung, viel Licht macht wach. Sogar unsere Scheibenpakete überlebt das. Türen kann man zu „Lernlandschaften“ aus und was noch wichtiger ist sogar nach Bedarf wieder einhängen. Das geht beim Entwurf hier nicht. Auch das Gefühlige solcher Utopien ist trügerisch wie das einstmals gefeierte Großraumbüro und hier ist noch mehr los und im nachhinein genauso wenig zu heilen. Und in diesen hellen 60er Strukturen mit Licht zum verschenken macht hinschauen und schöne Materialien erst richtig Spaß. Da ist dann noch alles drin, auch bei einer Sanierung.
Ohne diese Grundentscheidungen ist fast schon alles verloren und der Rest wird eine heillose Aufholjagd.

Viele Großsiedlungen etwa der 60er wurden schon schlechtgeredet, auch von Architekten. Dabei waren viele der ersten Entscheidungen einfach vernünftig und richtig, waren eine breite, sich entwickelnde Kultur, einfach besser. Da ist dann auch der Name des Architekten unwichtig.

2

solong | 07.04.2020 10:12 Uhr

... traurig ...

... hoffentlich wird das gebaute dann ... gestalterisch noch deutlich nachhaltiger ... als dieser ... mit verlaub ... "70 er jahre barackenduktus" ...

1

STPH | 07.04.2020 08:16 Uhr

nachhaltig

mein Favorit ist das letzte Bild 9 in der Mitte die 60er Plattenschule, die den ganzen Umraum greift. Die verträgt sogar Uminterpretationen wie durch 100wasser im Wittenberg
Geht auch komplett in Holz.
Sowas nenn ich dann nachhaltig

 
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Den Entwurf für den Neubau der Staatliche Gemeinschaftsschule am Hartwege in Weimar hat die Montag Stiftung aus Bonn konstruktiv begleitet und komplett selbst finanziert.

Den Entwurf für den Neubau der Staatliche Gemeinschaftsschule am Hartwege in Weimar hat die Montag Stiftung aus Bonn konstruktiv begleitet und komplett selbst finanziert.

Der Entwurf von gernot schulz : architektur aus Köln ist ein Open-Source-Pilotprojekt, das pädagogische Maßstäbe setzen und architektonische Lösungsvorschläge transparent machen möchte.

Der Entwurf von gernot schulz : architektur aus Köln ist ein Open-Source-Pilotprojekt, das pädagogische Maßstäbe setzen und architektonische Lösungsvorschläge transparent machen möchte.

Jede Ebene umfasst eine circa 400 Quadratmeter große, offene und flexibel möblierbare Bildungslandschaft; die Erschließung liegt außen.

Jede Ebene umfasst eine circa 400 Quadratmeter große, offene und flexibel möblierbare Bildungslandschaft; die Erschließung liegt außen.

Geplant sind drei ähnlich strukturierte, je dreigeschossige Baukörper, die auf die Kubatur der bestehenden Turnhalle reagieren.

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