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12.02.2018

Schillernd gegen die schrumpfende Stadt

Mixed-Use von MVRDV in Lodz


In Polen verändert sich gerade viel, und das nicht nur in politischer Hinsicht. Vom Kulturtempel zum Businesstower transformieren nicht zuletzt Architekturgroßprojekte aller Art die Städte des Landes. In Łódź, einer schrumpfenden Industriemetropole im Zentrum Polens, erhoffte sich die Stadtregierung mit dem spektakulären Umbau des Bahnhofs Fabryczna im Jahr 2016 neue Impulse – und das scheint zu funktionieren: In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof will nun nämlich die Invest Company einen Büro- und Geschäftskomplex mit 31.000 Quadratmetern Nutzfläche ansiedeln. Für den Entwurf des geschwungenen Bauwerks mit unregelmäßig gerasterter Klinkerfassade, aus dem mittig ein 55 Meter Rundturm herausragen soll, zeichnen sich MVRDV verantwortlich. Die Fabryczna Offices, die unterirdisch mit dem neuen Bahnhof verbunden sein werden, sind das zweite Projekt des Rotterdamer Büros in Polen. Schon in Posen konnte es mit einem gläsernen Bürohaus die architektonischen Veränderungen im Land augenfällig mitgestalten.

Bis 2016 stand an der Stelle des zukünftigen Bürokomplexes noch das Hotel Centrum, das zusammen mit der gegenüberliegenden, orthodoxen Newsky-Kirche einen weitläufigen Platz formte. Die geradezu typische Scheibe aus den Siebzigern dürfte so oder so ähnlich wohl in vielen Städten des Ostblocks gestanden haben. Ersetzen wollen MVRDV nun diesen internationalen Stil der Ostmoderne mit der ihnen eigenen Mischung aus lokaler Verankerung und freier interpretativer Fortschreibung. Trotzdem kommt für das niederländische Büro dieses Projekt ungewöhnlich steinern daher, halten MVRDV sich hier doch weitaus mehr zurück als beim Glashochhaus in Esslingen, das seinen Kontext als monumentale Bildprojektion auf der Fassade trägt.

Die Architekten möchten den vom Nachkriegsstädtebau geprägten Standort verdichten und greifen dafür die historische Blockrandbebauung der Gründerzeit wieder auf – zumindest rhetorisch. Der niedrige Mantelbau des Ensembles wird mit vier Geschossen strikt die Höhenvorgabe der umliegenden Altbauten einhalten. Gleichzeitig werden seine geschwungenen Konturen Nischen und einen Innenhof bilden, dank derer hier ein kleinteiliges Quartier entstehen soll. Auf den begrünten Dachterrassen des Mantelbaus möchten die Projektpartner LOLA Landscape Architects (Rotterdam) diese städtebaulichen Freiräume außerdem weiter fortsetzen, wenn auch hier nur noch für die Nutzer des Gebäudes zugänglich.

Den gesamten Komplex möchten MVRDV mit einem glasierten Klinker verkleiden, der einerseits auf die Backsteintradition von Łódź verweist, andererseits aber in seinem Farbspektrum von Knallrot bis zu einem metallischen Grau seine visuelle Eigenständigkeit beweisen muss. In diesem Sommer beginnen die Bauarbeiten, 2020 könnte der Komplex fertig sein. (sj)


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