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05.12.2018

Buchtipp: Architekturfotografie

Leonardo Finotti. A Collection of Latin American Modern Architecture


Als das MoMA 2008 mit den Vorbereitungen seiner großen Ausstellung „Latin America in Construction 1955–1980“ begann, bekam unter anderem auch der bekannte brasilianische Architekturfotograf Leonardo Finotti einen wunderbaren Auftrag: Er sollte auf eigene Faust „moderne Architektur“ in den lateinamerikanischen Ländern suchen und dokumentieren, Bauzeit ungefähr zwischen 1930–80, gerne Unbekanntes. Der Rest war ihm überlassen. Daraus wurde für Finotti eine geradezu obsessive Tätigkeit, die ihn bis heute nicht loslässt, wie sein Buch „A Collection of Latin American Modern Architecture“ zeigt. Fotos aus neun Städten hat er erst einmal herausgesucht, mindestens zwei weitere Bücher sollen folgen.

Es ist eine fotografische Reise im Schnelldurchlauf, sie geht von Montevideo bis Havanna, von Bogotá (2.640 Höhenmeter) bis in die Küstenstadt São Paulo – Finottis Heimatstadt – oder vom vergleichsweise kleinen Belo Horizonte bis in die Megametropole Mexiko-Stadt. Diese Unterschiede sind im Buch aber überhaupt kein Thema. Hier sehen wir im angenehmen Breitformat auf fast jeder Seite ein anderes, irgendwie „modernes“ Gebäude. Oder besser: Wir erhaschen einen kurzen Blick darauf. Manchmal von außen, manchmal von innen, manchmal von oben. Manche Gebäude sehen wir ganz, manche nur als Ausschnitt, andere sind hinter Bäumen verborgen.

Manche Gebäude sind leicht zu identifizerende Ikonen der modernen Architektur wie Lina Bo Bardis MASP oder Oscar Niemeyers Copan-Gebäude. Andere sind generische Wohnhäuser, die überall stehen könnten. Nein, ein Gefühl für die Städte, den Kontext dieser Gebäude oder deren Bauzeit entsteht beim Durchblättern kaum. Aber darum geht es Finotti auch nicht. „Das Buch ist kein Architekturbuch“, sagt er im Gespräch: „Die moderne Architektur in Lateinamerika ist zwar die Hauptachse meiner Erzählung, aber es ging mir vor allem darum, ein übergeordnetes Bild dafür zu finden.“ Also bildet er das gesamte Programm dieser Moderne ab – Wohnen, Kultur, öffentliche Plätze, Bildung – und spannt dieses Bild auch noch über anderthalb Kontinente. Das funktioniert erstaunlich gut, und sein Buch ist voller Überraschungen, so wie auch seine Reisen selbst voller Überraschungen waren.

Wer allerdings mehr über diese Überraschungen erfahren möchte als ihren Ort und den Namen ihrer Architekten, der ist in diesem Buch falsch. Hier geht es allein um eine visuelle Reise – auf deren Fortsetzung in neun weiteren Städten wir uns bereits freuen.

Text: Florian Heilmeyer

Leonardo Finotti. A Collection of Latin American Modern Architecture
Barry Bergdoll (Hg.)
160 Seiten
Englisch
Lars Müller, Zürich 2016
ISBN 978-3-03778-503-4
40 Euro


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Beim Cover setzte Verleger und Gestalter Lars Müller auf rote Schrift und einen knallgrünen Leineneinband, der im Hintergrund den Umriss Südamerikas zeigt.

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