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09.10.2019

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Buchtipp: Wohnmaschinen

Le Corbusier. 5 x Unité d’Habitation


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Von 1945 bis 1967 plante und baute Le Corbusier fünf Unités d'Habitation in Marseille, Rezé bei Nantes, Berlin, Briey-en-Forêt und Firminy. Die Grundidee einer vertikalen Stadt, aufgeschichtet in einem Gebäudekomplex mit verhältnismäßig kleiner Grundfläche, in dem neben individuellem Wohnen auch ein Gemeinschaftsleben durch Einrichtungen im Haus und auf dem Dach ermöglicht wird, ist auch heute, über 60 Jahre nach Realisierung der Unités, aktueller denn je. Obgleich nach denselben Maßstäben geplant, haben sich die fünf  realisierten Bauten je nach Topografie und lokalen Rahmenbedingungen individuell entwickelt. Über die Jahre kam es zu Unterschieden in der Bewohnerstruktur und im Gebäudezustand.

Der Leipziger Künstler und Fotograf Arthur Zalewski hat alle Bauten mehrfach besucht und im Auftrag des Leipziger Verlags Spector Books fotografiert. In den entstandenen Bildern werden das lokale Umfeld und die Unterschiede der einzelnen Unités nachvollziehbar. Das Schöne dabei: Zalewski Arbeiten sind eben nicht ausschließlich klassische Architekturfotografien. Vielmehr dokumentiert er gekonnt die jeweilige Stimmung vor Ort und hat auch unterschwellige Momente eingefangen. Ein Gespräch mit dem Künstler und den Herausgeber*innen Anne König und Peter Ottman ergänzt die Bildstrecke. Das Buch ist mit dem Corbusier’schen Farbfächer entnommenen Einlegeblättern in die fünf Standorte unterteilt und den Entstehungsjahren der Gebäude entsprechend chronologisch sortiert.

In Marseille konnte Le Corbusier seine Ideen noch uneingeschränkt umsetzen. Die Unité d’Habitation verfügt dort über die klassische Aufteilung in durchlässige Sockelzone, für alle Bewohner gleichermaßen schnell erreichbare Geschäfte in der Gebäudemitte und gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie Kindergarten, Amphitheater und Sonnenterrasse auf dem Dach. Auch die Unité in Rezé bei Nantes konnte trotz des schmaleren Budgets noch ganz im Sinne Le Corbusiers gestaltet werden. Dort hat sich das Kollektive, das Miteinanderwohnen, das Le Corbusier als Vision vorschwebte, weitestgehend erhalten. Zwei Drittel der Wohnungen werden heute von einer Genossenschaft vermietet, die sich um stabile Preise bemüht, im Foyer findet jede Woche ein öffentlicher Bauernmarkt statt. Ganz anders das sogenannte Corbusierhaus in Berlin: Hier waren von Anfang an keine Gemeinschaftsflächen auf dem Dach eingeplant. Auch der von Le Corbusier entwickelte Gestaltungsmaßstab, der Modulor, wurde hier nicht angewendet und die Sockelzone weniger durchlässig gestaltet. Mit 530 statt 337 Wohnungen wie in Marseille sprach der Bau auch eine andere Zielgruppe, nämlich Singles und Paare statt Familien an. Die Unité in Briey-en-Forêt hat ebenfalls keine Gemeinschaftseinrichtungen und nur einen eingeschränkten Ausbaustandard. Aufgrund der abseitigen Lage und schlechten Verkehrsanbindung stand der Bau Mitte der 1980er Jahre zur Hälfte leer und konnte nur durch die Bemühungen des damaligen Bürgermeisters und eines Künstlerkollektivs gerettet und schließlich saniert werden. Bei der letzten von Le Corbusier realisierten Unité in Firminy erlebte dieser gerade noch die Grundsteinlegung. So kam es auch dort zu Anpassungen aus Kostengründen.

Das Buch „ 5 x Unité d’Habitation“ ist im April 2019 bei Spector Books erschienen. In dem vom Mitherausgeber Peter Ottman kuratierten Ausstellungsraum C834 im achten Stock des Berliner Corbusierhauses finden seit April dieses Jahres Ausstellungen mit Zalewskis Bildern zu den verschiedenen Unités statt. Die nächste zum Gebäude in Firminy eröffnet am 12. Oktober 2019. Die Aussicht aus dem achten Stock ist übrigens fantastisch, auch wenn Berlin nicht wie Marseille am Meer liegt ... (tl)



Le Corbusier 5 x Unité d’Habitation
Arthur Zalewski, Peter Ottman und Anne König
384 Seiten, 300 Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen
Spector Books, Leipzig 2019
ISBN: 9783959053013
34 Euro


 
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