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22.12.2017

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Endlich fertig!

Langersehnte Eröffnungen


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2017 war das Jahr der Bundestagswahl. Großangekündigt und intensiv medial begleitet verlief der 24. September – die darauf folgenden Koalitionsgespräche ziehen sich bis heute. Auch in der Architektur gibt es Projekte, bei denen alles mit viel Verve beginnt und dann bis zur Übergabe lange, lange Zeit vergeht. Einige davon haben im vergangenen Jahr endlich ihre Türen geöffnet.

Allen voran ist hier natürlich die Hamburger Elbphilharmonie zu nennen. Das starke Bild des Gebäudes, das Herzog & de Meuron mit ihrer Idee im Jahr 2003 hervorriefen, schipperte elegant an Vergabeverfahren, finanziellen und statischen Problemen vorbei. Im Januar wurde das Konzerthaus zum ersten Mal bespielt. Doch bereits mit dem nicht abreißenden Besucheransturm auf die frei zugängliche Plaza Ende des letzten Jahres war längst klar: Hier hat sich das Warten gelohnt.

Erst kürzlich wurde das Paulinum am Leipziger Augustusplatz eingeweiht. Nach 13 Jahren Entwicklungs- und Bauzeit wirkt die Universitätskirche von Erick van Eggeraat allerdings bereits bei ihrer feierlichen Eröffnung ein wenig anachronistisch. Ganz anders in Köln: Seit vergangenem Oktober kann im Stadtteil Ehrenfeld die kühne Kuppel der Zentralmoschee bewundert werden. Den Wettbewerb hatten Paul Böhm Architekten im Jahr 2006 gewonnen. Rechte Proteste wie Finanzierungsengpässe torpedierten die geplante Fertigstellung bis 2012. Und auch am Kölner Dom – selbst wohl eine der größten Dauerbaustellen weltweit – gibt es frohe Botschaften: Nach dem Wettbewerbsgewinn 2002 konnten Allmann Sattler Wappner im Frühjahr die gelungene Umgestaltung des östlichen Domumfelds feiern.

Dass das Bauen im Bestand keine leichte Aufgabe ist und manchmal eben so viel langen Atem wie Feingefühl erfordert, beweisen beispielsweise der Umbau des Dresdner Kulturpalastes durch gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, die Sanierung der Berliner Staatsoper Unter den Linden unter der Leitung von HG Merz – beide mit acht Jahren Planungs- und Bauzeit – oder Lederer Ragnarsdóttir Oeis nun mit einer Holzkassette ausgekleidetes Wilhelmspalais in Stuttgart. Àpropos Palais: Auch Rekonstruktionen brauchen ihre Zeit. Nicht zuletzt ist Zeit auch ein Faktor der nötigen Überzeugungsarbeit, oftmals ideologisch aufgeladene Bauten wieder in die Stadtbilder der Jetztzeit zu integrieren. Öffentlich bekannt wurde Hasso Plattners Idee für sein Museum Barberini im Jahr 2012, am Bieterverfahren im Rahmen des Wiederaufbaus der historischen Mitte Potsdams hatte er bereits 2010 teilgenommen. 2017 war die Eröffnung des rekonstruierten Stadtpalais, das vorwiegend DDR-Kunst aus der Sammlung des Mäzenen zeigt.

Ein Neubau der gänzlich anderen Art ist das Zentralgebäude der Leuphana Universität Lüneburg. Jedoch betrug die Bauzeit des Unigebäudes entgegen der formalen, Libeskind-typischen Schnittigkeit sechs anstatt der ursprünglich veranschlagten drei Jahre. Der Architekt hatte den Auftrag für die frisch umstrukturierte Universität direkt erhalten. Desweiteren auf der Liste: Chipperfields Kongresszentrum in Künzelsau – Bauherr und Schraubenmogul Reinhold Würth witzelte bereits bei der Bekanntgabe des Wettbewerbsentscheids 2007, er würde sich mit diesem Bau Zeit lassen – oder die Erweiterung der Modernen Galerie in Saarbrücken. Hier sollten ebenfalls zehn Jahre vom schlecht organisierten Wettbewerb bis zur Fertigstellung vergehen. In Karlsruhe gab es nach zehn Jahren Bauarbeiten an den unterirdischen Trassen nun endlich das OK zum Bau der U-Bahnstationen, und in Münster konnte, pünktlich zu den Skulpturprojekten dieses Jahr die neue Empfangshalle des Hauptbahnhofs eröffnet werden. Die „Bestenliste“ deutschlandweit führt allerdings ein Projekt in Landshut an: Fast ein Vierteljahrhundert verstrich vom Wettbewerb zur Fertigstellung des dortigen Staatsarchives nach Plänen von Hierl Architekten.

Auch international ziehen sich Bauzeiten in die Länge. Wohl berühmtestes Beispiel ist der von Jean Nouvel geplante Louvre Abu Dhabi. Für drei Jahrzehnte – und eine horrende Summe Geld –  sicherten die Bauherren sich die Nutzung des Namens. In Anbetracht der zehn Jahre, die Planung und Konstruktion des „ersten Universalmuseums der arabischen Welt“ in Beschlag nahmen, erscheint die verhandelte Nutzungsdauer jedoch recht kurz. Ebenfalls im nahen Osten: Das Forschungszentrum in Riad von Zaha Hadid Architects. Erste Pläne für den Campus entstanden 2009, damals noch in Zusammenarbeit mit der 2016 verstorbenen Büroinhaberin.

In Brüssel konnte Philippe Samyn das 2004 beschlossene Europagebäude errichten, in Danzig öffeneten nach einem Jahrzehnt Planung und Baustelle endlich die Türen des Museums des zweiten Weltkrieges von Kwadrat Studio Architektoniczne. Die norwegische Stadt Bergen verfügt nun über eine Kunsthochschule von Snøhetta – der Wettbewerb fand 2005 statt – und das französische Caen nach sieben Jahren über eine Bibliothek von OMA.

Nicht alle Geschichten gehen gut aus, manche Ideen werden lange diskutiert und dann schließlich doch begraben – wie die Londoner Garden Bridge nach Zeichnungen von Thomas Heatherwick. Das von seinem Büro geplante MOCAA in Kapstadt hingegen eröffnete 2017. Insgesamt macht dieser Jahresrückblick jedoch Hoffnung – für diverse weitere prominente Langzeitbaustellen, deren Pleiten, Pech und Pannen anderswo bereits zur Genüge bejammert wurden. Wir möchten sie an dieser Stelle ungenannt lassen und blicken aller Tragikomik zum Trotz gespannt ins kommende Jahr: Was lange währt, wird (oftmals) endlich gut. (kms)


 
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Start der Planung 2003, Eröffnung 2017: HdM's Elbphilharmonie, Foto: Sophie Walter, Courtesy Elbphilharmonie

Start der Planung 2003, Eröffnung 2017: HdM's Elbphilharmonie, Foto: Sophie Walter, Courtesy Elbphilharmonie

Die Staatsoper in Berlin. Eröffnung war im September – nach sieben Jahren Sanierungsarbeiten unter der Leitung von HG Merz, Foto: Marcus Ebener

Die Staatsoper in Berlin. Eröffnung war im September – nach sieben Jahren Sanierungsarbeiten unter der Leitung von HG Merz, Foto: Marcus Ebener

Kölner Zentralmoschee von Paul Böhm Architekten, die Bauzeit betrug acht Jahre, Foto: Chris Schroeer-Heiermann

Kölner Zentralmoschee von Paul Böhm Architekten, die Bauzeit betrug acht Jahre, Foto: Chris Schroeer-Heiermann

Mehr Licht an der Domplatte: Restrukturiertes östliches Domumfeld von Allmann Sattler Wappner, Foto: Brigida Gonzalez

Mehr Licht an der Domplatte: Restrukturiertes östliches Domumfeld von Allmann Sattler Wappner, Foto: Brigida Gonzalez

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