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11.10.2019

Sinnestäuschung für finnische Whiskyfässer

Lagerhalle von Avanto Architects


Die Finnen und der Alkohol. Eine Kulturgeschichte ploppender Flaschen, viel Promille und durchzechten Nächten? In die Sauna geht’s selten ohne Bier und es gibt vielsagende Worte wie „Kalsarikännit“, das so viel bedeutet wie ‚sich alleine zu Hause in Unterhosen betrinken‘, ohne die Absicht das Haus noch einmal zu verlassen. Doch auch wenn sich die innige Liebe der Finnen zum Hochprozentigen bei genauerem Hinsehen als Vorurteil entpuppt, kann man ihnen eine gewisse Expertise auf dem Gebiet – wie auch in der Architektur – nicht absprechen. Sonst hätten finnische Brennereien wie die Kyrö Distillery Company, Auftraggeberin einer kürzlich fertiggestellten Lagerhalle für Whiskyfässer, nicht solch einen Erfolg – auch international, weshalb Produktion und Lagerstätten ausgebaut werden sollten.

Den ausgelobten Einladungswettbewerb, der sowohl einen Masterplan, als auch mehrere Neubauten sowie den Umbau historischer Gebäude in eine moderne Produktionsstätte umfasste, gewannen Avanto Architects. Im ersten Schritt realisierte das Team aus Helsinki, das 2016 in der finnischen Hauptstadt eine elegante Saunalandschaft ans Ufer zimmerte, eine 1056 Quadratmeter große, schwarze Lagerhalle mitten im Wald, die von traditionellen Holzscheunen inspiriert ist. Vier baugleiche Hallen sollen folgen. Kostenpunkt: 1,56 Millionen Euro.

Doch so einfach der Auftrag ‚Lagerhalle‘ klingt, war es nicht. Damit Whisky Whisky genannt werden darf, gibt es strenge Regeln. Mindestens drei Jahre muss die Spirituose in Eichenfässern lagern, riesige Lagerhallen sind notwendig. Gleichzeitig gelten strenge Brandschutzbestimmungen, Whisky zählt zu den brennbaren Flüssigkeiten. So musste die Lagerhalle in fünf Abschnitte, jeder mit streng kontrolliertem Raumklima, unterteilt werden.

Ein hoher, auch finanzieller Aufwand für ein kleines Unternehmen. Und so entschied man sich, anders als zunächst geplant, Beton statt Holz zu verwenden. Das aber ist dem Bau nicht anzusehen. Denn die Sandwichelemente der Betonaußenwand wurden, so erklären es die Architekt*innen, auf eine Form aus Brettern einer abgebauten Scheune gegossen. Die Schwiegermutter einer der Brennereibesitzer hatte zufällig eine herumliegen. Der Clou, so Avanto: Der Beton imitiert die verwitterte Holzstruktur so gut, dass viele Menschen sogar nach dem Berühren der Fassade immer noch glaubten, das Material sei Holz. Na dann – Kippis! (kat)

Fotos: Kuvatoimisto Kuvio Oy


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