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22.06.2017

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Berliner Typenhochhaus

LIN gewinnen Ideenwettbewerb


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Von außen sehen sie generisch aus, aber das war im Grunde auch das Ziel. Denn im Ideenwettbewerb, den die HOWOGE Ende 2016 ausgelobt hatte, wurde ein Typenhochhaus für Berlin gesucht. Der Hintergrund ist einfach: Die Hauptstadt braucht bezahlbaren Wohnraum, dabei soll unter anderem die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE helfen. Nach mehreren standortbezogenen Wettbewerben – etwa in Berlin-Adlershof oder auf dem Lindenhof-Gelände – wurden bereits im April Studentenentwürfe zum Thema eines typisierbaren Wohnhochhauses in einer Ausstellung vorgestellt. Nun zeigt sich, was den etablierten Architekten zu diesem Thema eingefallen ist.

Insgesamt 15 Büros waren eingeladen, 14 Arbeiten wurden eingereicht. Die wesentliche Anforderung an die Entwürfe lautete: „Das Konzept muss typisierbar sein!“ Außerdem waren gefordert: „Wandelbarkeit und Flexibilität“ sowohl städtebaulich als auch im Bezug auf die Wohnungen und das äußere Erscheinungsbild. Darüber hinaus ein Sockelbereich, der in das „Baukastensystem integrierbar“ ist und einen Eingangsbereich sowie Gemeinschaftsflächen zur Adressbildung bietet. Die Jury, in der unter anderem der Schweizer Architekt Patrick Gmür und die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher saßen, vergab folgende Preise:

 
Ein massiver Kern und eine flexible Hülle, die kostengünstig nach einem modularen Baukastensystem bestückt werden kann – das ist die Grundidee des Siegerentwurfs von LIN Architekten Urbanisten, der die Jury „in seiner Gesamtheit“ überzeugte. Der zweigeschossige Sockel bildet die Adresse des Hauses und ist flexibel bespielbar, beispielsweise mit einer Kita. Vom umlaufenden Balkon, dessen Gestaltung ebenfalls sehr variabel ist, profitieren die Bewohner der sechs bis zehn unterschiedlichen Grundrisstypen in mehrerlei Hinsicht: Nach Ansicht der Jury lässt er die Wohnungen größer wirken, „schützt die Fassade, sichert den Brandüberschlag und gewährt je nach Tageszeit etwas Schatten“.
 
Auf nachwachsende Rohstoffe sowie eine Energieversorgung durch Fernwärme und Photovoltaik setzten die zweitplatzierten Kleihues & Kleihues Architekten. „Das statische Prinzip mit dem aussteifenden massiven Kern und den in der Fassadenebene befindlichen Holzstützen und den Holzhybriddecken ist überzeugend,“ befand die Jury. Mit der gerasterten, vorgehängten Fassade in Holzrahmenbauweise mit Blech-Verkleidung, sowie den angehängten Loggien erreichen die Architekten nach Meinung der Jury einen „zeitgenössischen Ausdruck“, der geeignet sei, „Situationen aufzuwerten und zu beleben“.
 
Wie der erste, beruht auch der drittplatzierte Entwurf von Kuehn Malvezzi + Atelier Kempe Thill auf dem Zwiebelprinzip. Es handelt sich um eine Mischbauweise mit tragendem Betonkern, Holzstützen und umlaufendem Balkon in Stahlbeton. Das Angebot der Dachterrasse hob die Jury positiv hervor. Auch die Balkone wurden positiv bewertet, obwohl ihre Hängung kostenintensiv wäre: Brüstungen könnten regionsspezifisch gestaltet werden und ihre Monotonie würde „vermutlich gebrochen durch die Überlagerung der individuellen Lebenswelten der Bewohnerinnen.“ Die Grundrisse konnten „noch nicht in allen Teilen überzeugen, die Küche dominiert oftmals fast die ganze Wohnung und einige Bereiche sind zu starke Durchgangsräume und daher schwer möblierbar.“
 
Eine Anerkennung erhielten Lorber Paul Architekten + ASTOC mit ihrem Beton-Holz-Hybridbau mit geschlossener Fassade und eingezogenen Loggien. Obwohl alle Wettbewerbskriterien im Grunde erfüllt wurden, gab es an verschiedenen Punkten Kritik. Interessant ist vielleicht die Idee, „städtebauliche Korrekturen in Form von Volumenergänzungen und/oder -reduktionen“ vorzunehmen. Die Jury kritisierte hier jedoch, dass unbeantwortet bleibe, „wie diese zusätzlichen Flächen aus dem Kern heraus erschlossen werden“.
 
Eine weitere Anerkennung ging an gmp, Architekten von Gerkan, Marg und Partner, die mit den Fachplanern BuroHappold Engineering/Structures (Statik/TGA), Brandschutz im Kontext und Knippers Helbig (Fassadenplanung) zusammenarbeiteten. Die Architekten schlagen eine Fertigteilkonstruktion in Beton vor. Durch die Anwendung von BIM soll die Bauzeit optimiert werden. Die Gestaltungsfreiheit der nicht-tragenden Fassade wurde allerdings nach Meinung der Jury nicht ausreichend genutzt. Man kam zu folgender Gesamteinschätzung: „Die Arbeit ist hinsichtlich der typologischen Gliederung der einzelnen Bauteile weit durchdacht, die Konzeption der Grundrisse sowie die architektonische Aussage der Fassaden bleiben hinter diesem Stand zurück.“

Man darf gespannt sein, ob sich der Siegertyp – für den nach Empfehlung der Jury im nächsten Schritt eine Bauvoranfrage gestellt werden soll – als passend für die Anforderungen an den Berliner Wohnungsbedarf erweist – und ob sich eine solche Typisierung überhaupt als Mittel der Stadtentwicklung bewähren wird. (dd)


Kommentare

4

LAB | 27.06.2017 21:11 Uhr

@ COLTRANE

... Stimmt! Da fehlt jeglicher städtischer Kontext! Ist das überhaupt Berlin in den Visualisierungen??

3

Coltrane | 23.06.2017 12:25 Uhr

Alten Fehler vermeiden

Das 10-Spänner Hochhaus auf der grünen Wiese kann nicht gut gehen! Hochhaus ja - aber als integraler Bestandteil guten Städtebaus. Kleine bezahlbare Wohnungen ja - aber durchmischt mit Familienwohnungen. Modulare Bauweise ja - aber durch solche Entwürfe bekommt es nur wieder das Image ,,Bauen für Arme"

2

Christiane Wünsch | 22.06.2017 17:24 Uhr

Typenhochhaus

Der Entwurfaufgabe entsprechend eine gute Lösung.
Leider vermisse ich die kreative Gestaltung der Fassade, die dem Gebäude ein Gesicht gibt. Ein Gesicht dem man gerne begegnet, das einen neugierig und fröhlich macht und vor allem eine Gestaltung, die in mir den Wunsch reifen lässt in diesem Gebäude wohnen zu wollen.

1

LAB | 22.06.2017 16:53 Uhr

Danke HOWOGE!

Marzahn-Hellersdorf 4.0.
Nichts gelernt aus der Geschichte! Bauen ist eben nicht modular-kostengünstig und gleichzeitig "individuell bespielbar"! Diese Utopie kann nur in neuen Ghettos enden. Stadt ist Vielfalt und der Architektenberuf ist mit dem Wiederholungsfaktor nach §11HOAI obsolet! Kostengünstiges Bauen kommt nicht "aus der Kiste" sondern muss anhand von Programm und Standort projektspezifisch optimiert geplant werden. Binsenweisheiten 4.0! Wer kann flüchtet in die Vorstadt, der Rest muss seine Kinder in der Sockel-KITA zurücklassen. Traurige Aussichten. Oder doch nur wieder PROVISORIEN?

 
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1. Preis: LIN Labor Integrativ Gesellschaft von Architekten, Berlin

1. Preis: LIN Labor Integrativ Gesellschaft von Architekten, Berlin

2. Preis: Kleihues + Kleihues Architekten, Berlin

2. Preis: Kleihues + Kleihues Architekten, Berlin

3. Preis: Kuehn Malvezzi + Atelier Kempe Thill, Berlin/Rotterdam

3. Preis: Kuehn Malvezzi + Atelier Kempe Thill, Berlin/Rotterdam

Anerkennung: Lorber Paul Architekten + ASTOC, Köln

Anerkennung: Lorber Paul Architekten + ASTOC, Köln

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