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17.05.2023

Historische Kontinuität

Kongresszentrum in Hamburg von Tim Hupe Architekten und agn Leusmann


Vor 50 Jahren eröffnete nach dreijähriger Bauzeit das Congress Center Hamburg (CCH) als Flachbau mit angeschlossenem Hochhaus-Hotel. Entworfen von den Hamburger Architekten Jost Schramm und Gerd Pempelfort steht das Ensemble inmitten der Hansestadt in unmittelbarer Nähe zur Parkanlage Planten un Blomen sowie dem Bahnhof Dammtor. Das Kongresszentrum, ein terrassenförmig angelegter Betonbau, galt seinerzeit als eines der modernsten und größten Europas. Zu Gast waren unter vielen anderen Popgruppen auch ABBA, Deep Purple oder Queen, daneben Politgrößen wie Willy Brandt, Helmut Kohl oder Angela Merkel anlässlich ihrer Parteitage. Über die Jahre wuchs das Gebäude stetig – 2006 etwa durch den Anbau der Halle H an der Südwest-Seite des Grundstücks.

Nun wurde der Bau erneut erweitert und grundlegend modernisiert. Die Bauaufgabe war dabei besonders umfangreich, denn seit der Errichtung der Gebäude haben sich der Raumbedarf und Abläufe von Kongressen erheblich verändert. Mit dem Ziel, die Anzahl der Kongressteilnehmer*innen langfristig steigern zu können, forderte der dazu ausgelobte Wettbewerb neben einer Restrukturierung auch eine bedarfsgerechte Erneuerung des Bestands. Den Wettbewerb konnte 2014 die Arge aus agn Leusmann und Tim Hupe Architekten, seit 2022 umfirmiert zu Hupe Flatau Partner, (beide Hamburg) für sich entscheiden. 2017 schloss das Kongresszentrum und wurde im vergangenen Jahr nach rund fünf Jahren Bauzeit wieder eröffnet.

Bestandsbau
Im Wesentlichen setzt sich der Gebäudekomplex aus drei Bauteilen zusammen - dem Bauteil West, -Mitte und -Ost. Der zuletzt fertiggestellte Bauteil West blieb bis auf wenige Anpassungen unverändert, während der Bauteil Mitte bis auf den Rohbau zurückgebaut und in Absprache mit dem Denkmalamt wiedererrichtet wurde. Von dem Rückbau ausgenommen war der Saal 1, der mit seinen Backsteinwänden aus Denkmalschutzgründen im Original erhalten blieb. Außerdem betraf dies die Lichtdecke des im Erdgeschoss liegenden Saals 3, die im Zuge der Bauarbeiten demontiert, gereinigt und wieder angebracht wurde. Der Bauteil Ost wurde vollständig zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt. Zudem betrafen die Maßnahmen die Tiefgarage, die teilweise zurückgebaut oder im Bestand saniert wurde.

Mantelbau
Neu hinzu kam ein repräsentativer Eingangsbereich. Wo man früher in ein niedriges Foyer trat, steht man heute in einer großzügigen Halle, die sich über ein Atrium in die Höhe öffnet. Die Halle bleibt ohne Stützen, denn das Tragwerk bildet im Wesentlichen ein knapp 40 Meter langer Fachwerkträger aus Stahl, der im Bereich der Ostfassade unterhalb der Decke eingezogen ist. Nach außen schafft der neue Gebäudeteil durch seine ausladende Ecke und den überstehenden Obergeschossen eine räumliche Fassung des Vorplatzes und stellt mit seiner horizontalen Fassadengliederung einen Bezug zum angeschlossenen Hotelgebäude her.

Aus der Eingangshalle führt eine Treppenanlage direkt in das ebenfalls neue, sogenannte Belvedere im zweiten Obergeschoss. Dieses wird über die gesamte Gebäudelänge am Atrium vorbei bis an die Hauptfassade im Osten geführt. Die Architekt*innen beschreiben den Mantelbau aus Eingangshalle und Belvedere als eine Klammer, die sowohl die einzelnen Gebäudeteile miteinander verbindet als auch über die großformatigen, vertikalen Glasscheiben der Brise-Soleil-Fassade einen Bezug zum angrenzenden Grünraum herstellt. Das Belvedere sowie die Eingangshalle werden über Lamellen in der Fassade natürlich belüftet.

Auf einer Bruttogrundfläche von rund 105.000 Quadratmetern entstand Raum für 12.000 Menschen und bis zu drei gleichzeitig stattfindende Veranstaltungen. Das Raumprogramm wurde ergänzt. Neu sind vor allem die sogenannten Break-Out Rooms, in denen sich Räume flexibel zuschalten und abtrennen lassen. Insgesamt stehen auf diese Weise heute bis zu 50 Säle oder Räume zur Verfügung, der größte davon fasst ganze 3.000 Plätze.

Bilanz
Wie das Hamburger Abendblatt anlässlich der Eröffnung vergangenes Jahr schrieb, waren ursprünglich Projektkosten von 194 Millionen Euro und eine Fertigstellung des Vorhabens bis 2019 vorgesehen. Doch seien es Asbestbefunde, die Corona-Pandemie und Lieferschwierigkeiten gewesen, die dies verhinderten und Mehrkosten von um die 100 Millionen Euro verursachten. Bauherr des Vorhabens ist die CCH Immobilien, betrieben wird das Kongresszentrum vom Unternehmen Hamburg Messe und Congress. Das Projekt, das 2022 bereits mit dem BDA Hamburg Architektur Preis ausgezeichnet wurde, erhielt außerdem in dieser Woche die DGNB-Zertifizierung in Gold von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. (sbm)

Fotos: Piet Niemann


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