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28.07.2022

Unter einem Dach aus Reet

Kita und Tagespflege in Krusemark von Hallmann Architekten


Kinder und Senioren unter einem Dach, das ist eine sinnvolle Kombination für die inklusive Gesellschaft. Im Falle des Neubaus für eine Kita und Tagespflege im sachsen-anhaltinischen Hohenberg-Krusemark, der im Auftrag des Deutschen Rotes Kreuz, Kreisverband östliche Altmark e.V. entstand, ist sie zudem zeichenhaftes Entwurfsmotiv. Hallmann Architekten aus dem nahegelegenen Havelberg haben dem Haus nämlich ein beeindruckend großes Reetdach aufgesetzt. Es schützt 955 Quadratmeter Nutzfläche, die wiederum 50 Kindern eine Betreuung und 16 Seniorinnen und Senioren eine Tagespflege ermöglichen.

Weil die Jugendstil-Villa, in der die Kita zuvor untergebracht war, den Anforderungen der Pflege nicht entsprach, hatte sich die Gemeinde für einen Neubau auf einem Grundstück am nördlichen Ortsrand entschieden. In der flachen Landschaft zwischen Weiden und Feldern, Lagerhallen und Windrädern ist das Haus schon von weitem sichtbar. Mit ihrem Entwurf, der in Zusammenarbeit mit lux architect aus Neusäß entstand, knüpfen die Architekten an die Bautradition in der Altmark an, wo seit der Steinzeit langgestreckte Häuser mit apsidialen Enden gebaut wurden – und wo das Baumaterial vor 150 Jahren keine langen Wege zurücklegen musste.

Heute ist das anders. Reet wächst aufgrund des abgesenkten Grundwasserspiegels in der Gegend nicht mehr, für das Dach kam es aus Polen und Ungarn. Ein solches Dach zu planen und zu bauen, erfordert Beharrlichkeit und Geduld von den Fachplaner*innen und Weitsicht und Mut von der Bauherrschaft und der Gemeindevertretung. Dank der guten Zusammenarbeit der Beteiligten – und auch einiger baurechtlicher und brandschutztechnischer Ehrenrunden – wurde alles innerhalb von drei Jahren Planungs- und Bauzeit fertig. Zum Planungsteam gehören neben den Architekten auch ZRS Ingenieure (Berlin), Ollendorf beratende Ingenieure (Schernikau), EIT Ingenieurbüro (Stendal). Heinemann Klemm Wackernagel (Magdeburg), Ingenieurbüro Sandmann (Burg) und Anja Oppor Freiraumplanung (Bömenzien).

Der Anspruch an eine nachhaltige Bauweise und ein schadstofffreies Raumklima zieht sich durch das gesamte Haus. Unter der Prämisse, Materialien mit einem geringen ökologischen Fußabdruck zu verwenden, die der künftigen Generation möglichst keine Entsorgungsprobleme aufbürden, ist zum Beispiel die Bodenplatte mit Glasschaumschotter gedämmt. Die Innenwände sind aus schwerem Kalksandstein, die Holzständer der Außenwände sind mit Strohhäcksel gedämmt, die Decke zum Dach mit Holzfaserplatten. Kalkputz und Kalkfarbe sowie Böden aus Industrieparkett, Linoleum und Ziegenhaarteppich ergänzen den Kanon. Die Gesamtbaukosten werden mit 3,2 Millionen Euro angegeben. (fm)

Fotos: Anne Schwalbe, Hallmann Architekten, Robert Böddeker


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