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11.05.2022

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Sakrales Hochhaus

Kirche bei Taipeh von behet bondzio lin Architekten


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Zahlreiche Kirchenneubauten arbeiten sich immer wieder am Glockenturm als Bestandteil des Grundschemas einer christlichen Kirche ab. So wurde beispielsweise in Schwanheim ein freistehender Bestandsturm erhalten, in Greven wiederum fehlt er ganz, und in Kalabrien wurde ein Sakralbau als Turm neu interpretiert. Bei einem Neubau für die protestantische Tamkang Church im Großraum Taipeh sind Kirche und Gemeindehaus ebenfalls in einem einzelnen, hoch aufragenden Baukörper untergebracht. Grund für die vertikale Ausrichtung ist hier jedoch kein Jenseitsstreben, sondern die Enge und Dichte in und um die Hauptstadt Taiwans, in der es zudem als schwierig gilt, Landrechte zu erwerben. Entworfen wurde das fünfzig Meter aufragende Kirchenhochhaus von behet bondzio lin architekten (Münster/Taichung) in Zusammenarbeit mit Fuguach Architecture (Taichung) und Yen Partnership Architects (Taipeh). Voraus ging ein Wettbewerbsgewinn im Jahr 2015. Die Baukosten beliefen sich auf umgerechnet circa 9,5 Millionen Euro.

507 Quadratmeter misst die rechteckige Grundrissfläche des Gebäudes, das mit elf oberirdischen und zwei unterirdischen Geschossen über eine Bruttogrundfläche von 6.340 Quadratmetern verfügt. Man mag auf den ersten Blick nicht erkennen, dass es sich um einen Sakralbau handelt, und tatsächlich beherbergt das Volumen neben kirchlichen auch weltlich genutzte Räume. Die Tamkang-Kirche legt einen Schwerpunkt auf Sozialfürsorge und überlässt deshalb in ihren Bauten entsprechenden Einrichtungen einen Teil der Räume.

Wie die Architekt*innen zu ihrem Projekt angeben, orientierten sie sich bei der Konzeption des kompakt und massiv auftretenden Baus an der Außenwirkung religiöser Festungen. Das eckige Dach sei der offenen Handhaltung in Richtung Himmel, also einer Geste, um Gott zu danken und seine Gnade zu empfangen, nachempfunden – wobei die Dachform zugleich effizient an die in der Region üblichen, starken Regenfälle angepasst ist. Das für christliche Kirchen ebenfalls essenzielle Symbol des Kreuzes taucht in der Dachaufsicht, als Oberlicht und bei einigen Fassadenöffnungen auf. Der Neubau befindet sich am nördlichsten Punkt der Inselküste und soll, einem Leuchtturm gleich, zur Landmarke werden: Bei Nacht dringt vor allem durch die offene Fassadengestaltung am oberen Teil des Turmes bis zu den Spitzen des Daches weithin sichtbar Licht nach außen.

Möglich macht dies eine Stahlrahmenkonstruktion, deren umlaufende Lamellen den Bau unter der Dachverkleidung aus Titanzinkblechen öffnen. Diese Figur taucht auch im Eingangsbereich wieder auf und soll hier einladend wirken. Den mittleren Gebäudeteil prägt eine Lochfassade aus in Holz geschaltem Sichtbeton. Beton gilt in Taiwan als effizientester Baustoff in Sachen Erdbebensicherheit und wurde daher auch hier als Hauptmaterial gewählt. Die doppelschichtigen Wände dienen der Klimaregulierung und sind durch eine Vielzahl asymmetrisch angeordneter, unterschiedlich großer Öffnungen durchbrochen. Auch im Inneren dominiert Sichtbeton, zumeist mit glatter Oberfläche, die Böden sind poliert. Im Eingangsbereich ist ein Jesusbild der Blickfang, dafür wurden die Parameter der Abbildung auf die Schalung für den Beton übertragen.

Text: Isabell Sachse

Fotos: YuChen Chao Photography


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Kommentare

7

Jesus Maria und Josef | 16.05.2022 17:31 Uhr

Sackzement

Stimmt

6

stph | 12.05.2022 15:36 Uhr

...

Schon gewaltig wenn eine ganze Gemeinde sich in die transzendente vertikale begibt.

5

Christian Richter | 12.05.2022 12:51 Uhr

Was wäre möglich gewesen!

Für eine dermaßen spektakuläre Aufgabe (eigentlich ein Wahnsinn, dass es das überhaupt gibt - eine Kirche als Hochhaus) ist die Umsetzung tatsächlich ernüchternd. Eine bunkerartige Fassade, die nur an den wenigen Stellen, wo sie sich öffnet (siehe Bilder der begrünten Loggien) interessant wird - aber das ist leider die Ausnahme. Elegante Innenräume in den Zugangsbereichen, aber gerade der Kirchenraum besitzt eigenartig gedrungene Proportionen (in einem vertikalen Gebäude!), und ist banal belichtet. Was wäre bei einer so einzigartigen Aufgabe möglich gewesen - davon zeigt dieses Haus wirklich nur einen Bruchteil.

4

Jan | 12.05.2022 10:30 Uhr

höher!

Die Idee eine Kirche samt Nebenfunktionen in einen Turm zu Packen ist nachvollziehbar. Näher an Gott zu sein ist denke ich aus der Sicht eines gläubigen Menschen ein legitimer Wunsch.
Gerade aus diesem Gedanken und vom ersten Eindruck der Photos kann ich nicht verstehen, warum man den Hauptkirchenraum nicht ganz nach oben gepackt hat. Vor allem bei dieser Dachform hätte ich dort räumlich mehr erwartet.
Ich würde mich freuen, wenn jemand das Konzept besser umsetzen würde.

3

reto | 12.05.2022 09:39 Uhr

Dr. Seltsam

Ein eigenartiger Bau. Im Prinzip sinnvoll die Nutzungen zu stapeln - in der Umsetzung mit dem Fenstergefummel und der uneleganten Form aber - für mich - nicht gelungen. Die Grundrisse sind ja eigentlich klar gestaltete mit den Funtionskernen in den Ecken, leider spiegelt sich das in den Fassaden nicht wieder. Bei den Innenräumen hat jemand den Tadao gemacht, aber das ist durchaus hübsch. Das der Dachform zugrundeliegende Kreuz war vielleicht im Grundrissplan eine gute Idee, aber sonst schwer nachzuvollziehen.

2

Hoppetosse | 11.05.2022 16:53 Uhr

Schutzräume

ja, wir brauchen leider wieder Hochbunker!

1

ulf | 11.05.2022 15:45 Uhr

bitte

bitte mehr davon! Sehr schön, anmutend, Idee gut umgesetzt.

 
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