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05.08.2021

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Zwei Generationen Holzbau

Kindergartenerweiterung in Lustenau von Bernardo Bader


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Zwei Generationen Holzbau seien im österreichischen Lustenau aufeinandergetroffen, schreiben Bernardo Bader Architekten (Bregenz). Denn die von ihnen entworfene Erweiterung eines Kindergartens schließt an einen kompakten, zweigeschossigen Holzbau an, der 1992-1994 nach Entwürfen des Schweizer Büros Burkhalter Sumi gebaut worden war. Gut dreißig Jahren später musste das Raumprogramm erweitert und die Kindertagesstätte um drei Gruppenräume vergrößert werden. Bernardo Bader hatte dafür 2018 einen anonymen Wettbewerb gewinnen können. Seit Anfang 2021 toben die Kinder nun durchs gesamte Haus.

Der rote Block von Burkhalter Sumi steht mit seinen schmalen, hochformatigen Fenstern entlang der Straße nach Norden. Bernardo Bader Architeken haben ihren Erweiterungsbau als langen, eingeschossigen Pavillon östlich neben dem Bestand errichtet und direkt mit diesem verbunden. Sowohl in der räumlichen Struktur als auch bei der Ausformulierung des konstruktiven Holzbaus orientiert sich das Neue am Vorgefundenen. Der innenliegende Korridor des Bestands wird zunächst verlängert, nach Norden schließen die Büroräume an, gen Süden aber geht der Blick nach draußen auf einen kleinen Hof, der zwischen beiden Gebäudeteilen angelegt wurde. Dann verspringt der Korridor als breite, innere Spielstraße und wird entlang der nördlichen Außenwand entlang geführt. Nach Süden folgen die drei neuen Gruppenräume, am Ende liegt ein gemeinschaftlicher Bewegungsraum.

Während der Korridor im Neubau die Raumhöhe von Burkhalter Sumi aufgreift, sind die drei Gruppen- und der Bewegungsraum deutlich höher. Außerdem liegt neben jedem Gruppenraum noch ein „Außenzimmer“, das direkt von der jeweiligen Kindergruppe genutzt und mit einem horizontalen Sonnensegel im Dach zusätzlich verschattet werden kann. Wie der vorhandene ist auch der Neubau ein konstruktiver Holzbau, der von sichtbar belassenen Holzoberflächen geprägt wird. Offene Balkenlagen aus lokalen Hölzern und vorgefertigte Wandelemente ermöglichten eine besonders kurze Bauzeit und verleihen der Erweiterung einen robusten, atelierartigen Charakter. Das Flachdach ist vollständig begrünt.

So sind beide Teile des Kindergartens deutlich aufeinander bezogen, gleichzeitig ist jeder eine in sich selbständige Architektur. Die Erweiterung bietet insgesamt 620 Quadratmeter Nutzfläche, die Baukosten geben die Architekten mit 2,42 Millionen Euro an. (fh)

Fotos: Adolf Bereuter, Dornbirn


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Kommentare

7

genius loci | 06.08.2021 17:43 Uhr

@peter

Das genannte Projekt kannte ich nicht, auch das Büro nicht. Aber anhand der Fotos scheint hier das Holz bis zur Straße zu gehen, was natürlich schlecht ist. Auch die Bretter wirken sehr, sehr dünn.. die Haltbarkeit wird dadurch natürlich nicht unbedingt erhöht. Mich wundern aber die Wörter ,löchrig' und ,verrottet' sehr. Das kann unter normalen Umständen bei Lärchenholz eigentlich nicht der Fall sein? Es sind auch nicht alle Häuser aus ,früheren Zeiten' rundum überdacht gebaut, also teilweise mehr oder weniger direkt bewittert und schon sehr, sehr alt, weder löchrig noch verrottet.

Zu diesem Projekt: Also im Terrassenbereich braucht man keinen Sockel, da hier ein offener Holzboden ersichtlich ist, die wasserführende Ebene ist darunter. Ich verstehe auch nicht, warum der Sockel höher sein muss? Hier wird unter normalen Witterungsbedingungen niemals so hoch Wasser anstauen. Ich will hier nicht gegen die kritischen Punkte argumentieren, aber ich schätze die Arbeit von B.B. sehr.. wenn mir auch dieses Projekt nicht sonderlich gut gefällt. Aber ihm fehlendes Wissen im Holzbau zu unterstellen, ist mit seiner Erfahrung schon etwas mutig.

Ansonsten muss ich den Punkten zustimmen, nach 10 Jahren sollte die Fassade noch intakt sein. Und auch das vergessen, des über Jahrhunderten angeeigneten Fachwissens ist in allen Bereichen der Baubranche heutzutage einfach nur traurig. Kenn ich nicht, mach ich nicht, machen wir immer so, darf ich nicht, entspricht keiner Norm, etc. etc.

6

peter | 06.08.2021 12:42 Uhr

@genius loci

ok, ikonen war vielleicht etwas übertrieben. als herausragendes beispiel habe ich den kindergarten langenegg von fink+thurnher (2004) im kopf, dessen fassade schon bei meinem besuch 2014 an vielen stellen löchrig-verrottet war. leider kann man hier keine fotos einstellen, aber einfach mal googeln, so bekommt man zumindest einen eindruck, auch wenn man die schäden aus der ferne nicht erkennen dürfte.

im hier gezeigten projekt gibt es an den terrassen keinen sockel (dafür immerhin einen kleinen dachüberstand). der sockel am restlichen gebäude ist zwar vorhanden, aber nicht hoch genug für einen dauerhaften konstruktiven holzschutz. ok, immerhin guter wille. aus gestalterischen gründen ist das alles nachvollziehbar, sieht im neuzustand toll aus - aber darum geht es mir nicht.

dass man eine fassade nach 30 jahren oder mehr austauscht, ist ok, aber wenn sie schon nach zehn jahren fäulnislöcher aufweist wie bei o.g. kindergarten, ist das ernüchternd.

ergo: die menschheit hat sich über jahrtausende ein enormes wissen im bereich nachhaltiglkeit, bautechnik und konstruktiver holzschutz erarbeitet - dieses einfach über bord zu werfen und zu glauben, das wäre heutzutage nicht mehr relevant, ist dumm und überheblich. bautechnisch gute, nachhaltige architektur entsteht erst dann, wenn wir das alte wissen (material, fügung, konstr. holzschutz) mit dem neuen (bauphysik, dämmung, energieeinsparung) verknüpfen lernen.

5

Paul | 05.08.2021 18:03 Uhr

@dennis

Man kann die Kritik für kleinlich halten, aber "Gelaber" ist sie nicht.

Bei gutem konstruktivem Holzschutz kann die Fassade Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte überdauerrn. Anderenfalls muss der nachwachsende Rohstoff häufiger bzw. früher wieder abgebaut werden und diese Bäume fehlen dann in der CO2-Bilanz.

4

genius loci | 05.08.2021 17:21 Uhr

@peter

Das klingt interessant. Darf man fragen, welche Ikonen hier mitunter gemeint sind? Konstruktiver Holzschutz ist natürlich immer wünschenswert, aber unbehandeltes Lärchenholz hat eigentlich eine relativ unbegrenzte Lebensdauer? Auch die Bodentiefenhölzer sehe ich nicht, es wurde doch ein Sockel betoniert? Ist meines Wissens so auch Stand der Technik.

3

dennis | 05.08.2021 16:16 Uhr

holzbau

immer dieses gelaber über den alterungsprozess. das man einem gebäude und dessen material das alter und die witterung ansieht ist keinesfalls "ernüchternd". und selbst wenn die fassade ausgetauscht werden muss - tauscht man sieh halt aus. das ist doch gerade das tolle an einem nachhaltigen und sogar nachwachsenden rohstoff.

2

Jan | 05.08.2021 16:15 Uhr

damals

Im Studium (der Abschluss ist gerade mal sechs Jahre her) habe ich gelernt, dass man Holzschalung an Fassaden stets vertikal auszuführen hat.
Da dreht sich mir verständlicherweise der Magen um, wenn ich die Photos des Neubaus betrachte.
Im Allgemeinen macht es der rote Bestandsbau besser nicht nur im Aspekt der Fassadenbeplankung.

Durch den Neubau hat der Architekt die besonderen Qualitäten des Bestandes gut herausgearbeitet.

1

peter | 05.08.2021 15:38 Uhr

alterungsbeständig?

nachhaltig bauen heißt nicht nur holz, sondern auch im idealfall möglichst lange wartungsfreiheit.

bei dieser fassade ist skepsis angebracht. schön ja, aber mangels dachüberstand und dank teils bodentiefer hölzer bereits jetzt angezählt.

es sei jedem holzbauinteressierten empfohlen, mal nach vorarlberg zu fahren und die holzbau-ikonen von vor 10-20 jahren abzuklappern. in der regel ist das ernüchternd.

 
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