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15.12.2020

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Kollisionen im Humboldt Forum

In Berlin eröffnet das wiederaufgebaute Stadtschloss


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Eine Initiative von Rekonstruktionsfreunden, eine vom Bund gegründete Stiftung als Bauherrin, Eigentümerin und Betreiberin, 105 Millionen Euro private Spenden für die barocke Hülle, fast 600 Millionen Euro öffentliches Geld, sieben Jahre Bauzeit und jede Menge Streit – morgen, am 16. Dezember eröffnet das Humboldt Forum in Berlin mit einer digitalen Führung. Was kann man erwarten?

Von Friederike Meyer

Das Schloss ist fertig. So sehr seine Intiatoren jahrelang auf diesen Satz hingefiebert haben, so viel Kopfschütteln verursacht das Projekt noch immer bei seinen Kritikern. 18 Jahre nachdem der Bundestag mit 380 zu 133 Stimmen für den Wiederaufbau des 1950 gesprengten Stadtschlosses stimmte, und zwölf Jahre nach dem Wettbewerbsentscheid zugunsten des Entwurfs von Franco Stella aus Vicenza öffnet der teuerste Kulturneubau der Republik, der offiziell Humboldt Forum heißt. Um das Bauwerk kommt niemand herum. Nicht nur wegen der barockgetreu nachgebauten Fassaden von Andreas Schlüter und der unübersehbaren Kuppel, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass dieser von Rekonstruktionsfreunden um Wilhelm von Boddien initiierte, auf 105 Millionen Euro privater Spenden basierende und zum Großteil staatlich finanzierte Repräsentationsbau auf prominentem Terrain steht. Doch wofür steht er?

Im Jahr 2008 hatte der italienische Architekt Franco Stella einen internationalen Wettbewerb gewonnen und mit seinem als Folge von Stadtplätzen verkauften Entwurf einer glasbedeckten Agora im ehemaligen Eosanderhof, einem inneren Säulenkorridor und einer durchgerasterten Fassadenordnung die Jury überzeugt. Schnell war klar, dass sich das Preisgericht unter Vorsitz von Vittorio Magnago Lampugnani, dem unter anderem auch David Chipperfield, HG Merz, Giorgio Grassi und Peter Kulka angehörten, für ein kleines Büro entschieden hatte, das die Aufgabe allein nicht stemmen kann. Nachdem Klagen gegen die Rechtmäßigkeit von Stellas Wettbewerbsteilnahme einige Zeit das Gericht beschäftigt hatten, wurden ihm Partner zur Seite gestellt und die „Franco Stella Humboldt-Forum Projektgemeinschaft“ gegründet. Stella bekam die künstlerische Oberleitung, das Büro Hilmer & Sattler und Albrecht übernahm die Planung und die künstlerische Oberleitung innerhalb der Bauleitung, das Baumanagement Berlin, eine Tochtergesellschaft von gmp, Bauleitung, Ausschreibung und Vergabe. Die Freiraumplanung stammt von bbz landschaftsarchitekten , die 2013 einen Wettbewerb gewannen. Die Gesamtbaukosten liegen bei 677 Millionen Euro, der Komplex umfasst rund 93.600 m² Bruttogrundfläche. Soweit die Fakten.

Das Humboldt Forum wirkt an allen Ecken und Enden seines voluminösen Auftritts aus der Zeit gefallen. Und damit ist nicht die an drei Seiten nachgebaute barocke Hülle gemeint, sondern der Ostflügel, der laut Wettbewerbsausschreibung als dezidierte Neuinterpretation gedacht war: Stella hat ihm ein derart wuchtig banales Aussehen verpasst, dass so mancher Ministeriumsbau aus den Nuller Jahren im Vergleich eleganter erscheint. Auch die von der Jury einst gelobte Nord-Süd-Passage mit ihren verschobenen Raumhöhen oder das glasüberdachte, viergeschossige Foyer, das an ein leeres Luxuskaufhaus erinnert, machen den Eindruck, als hätte der Architekt selbst wenig Freude an der Aufgabe gehabt. All die vielen tausend Stunden planerischer und handwerklicher Arbeit unter anderem für die rund 2.800 Figu­ren und 23.000 Sandsteinelemente in Ehren – von Glanz können derzeit höchstens die Vitrinen der Ausstellungsgestalter von Ralph Appelbaum Associates und die vielen Deckenlichter zeugen, die die trübe Dezemberstimmung um das Haus aufhellen.

Es gibt Architekturen, die gerade wegen ihrer immanenten Kontraste und Widersprüche großartig sind. Beim Humboldt Forum ist das Gegenteil der Fall. Hier kollidiert so ziemlich alles, was aus verschiedener Planer*innenhand oder anvisierter Zeitepoche aufeinandertrifft und erstickt jeden Versuch, ein Fünkchen Begeisterung zu entwickeln. Zum Beispiel, wenn die Theorie des „trilitischen Systems“ von Franco Stella an der Ostfassade in einer Betonfertigteilverkleidung der dahinter liegenden Tragstruktur resultiert. Wenn die Neubauteile lustlos an die „alten“ docken, ohne jenen Respekt erkennen zu lassen, den Stellas Wettbewerbsmodell einst suggeriert hatte, oder wenn der gestalterische Ansatz der Rekonstrukteure auf den der Corporate Designer vom Büro Holzer Kobler Architekturen kracht und sich eine Riesenstele mit aufgespießten Anzeigetafeln vor dem pseudohistorischen Eosanderportal erhebt. Völlig bizarr wird es in einem der Säle, wo ovale Öffnungen in der Wand unterhalb der großen Fenster auftauchen, weil die Geschossebene abgesenkt wurde und nun nicht mehr zur Fassade passt. Die stadtgestalterische Aussage der Fassaden und Raumgestalt passt so wenig zur Aura der Namensgeber Wilhelm und Alexander von Humboldt wie die Inschrift der Kuppel zum Anspruch, ein Haus für die Kulturen der Welt zu sein. Die Aufzählung ließe sich fortführen bis hin zu kleinen Details, an denen die Rekonstruktionsbedürfnisse mit den baurechtlichen Anforderungen des 21. Jahrhunderts kollidieren und verdeutlichen, was passiert, wenn eine Kopfgeburt mit der Realität fremdelt.

Doch jetzt steht das Schloss nun mal da und wir müssen mit ihm umgehen. Die Suche nach den positiven Aspekten seiner Existenz aber ist mühselig. Dabei fällt der Blick aus den teils noch leeren Räumen nach draußen auf die ganze Komplexität der Zeitschichten an diesem Ort, in die sich der Bau wie eine Chimäre einreiht: auf die Türme von Schinkels Friedrichswerderscher Kirche, auf die Säulenreihe des Alten Museums, das Marx-Engels-Forum mit Ostberlins schönster Skyline aus Vierzehngeschossern, Marienkirche, Fernsehturm und Rotem Rathaus. Die noch nicht eröffnete Dachterrasse des Humboldt Forums wird ganz neue Perspektiven auf die Klassiker des historischen Berlin eröffnen, darauf kann man sich freuen.

Und so landet die letzte Hoffnung der Schlossehrenrettung bei seiner Nutzung. Wenn es den im Humboldt Forum arbeitenden Wissenschaftler*innen und Ausstellungsmacher*innen gelingt, sich vom Erwartungsdruck der Rekonstruktionsfreunde und dem Reinregieren des Geldgebers freizumachen, könnte das Humboldt Forum ein interessantes Haus werden. Leider aber steckt der Teufel im Gründungsdetail der gleichnamigen Stiftung, die, zu einhundert Prozent vom Bund finanziert, Bauherrin, Eigentümerin und Betreiberin ist. Als Institution mit einem überwiegend politisch besetzten Stiftungsrat kann sie kaum fachlich unabhängig agieren, als Stiftung bürgerlichen Rechts kann der Bund Stellen ohne transparente Prüfung der Vergabekriterien besetzen. Damit dürfte die Stiftung Humboldt Forum nicht zuletzt als Blaupause für das Konstrukt der Bundesstiftung Bauakademie gelten, die die „Wiedererrichtung der Schinkel’schen Bauakademie“ gegenüber der Westfassade des Humboldt Forums zur Aufgabe hat.


Zum Thema:

Zum Richtfest erschien die BAUNETZWOCHE#411 „Schloss jetzt!“


Am 16. Dezember, 19 Uhr lädt das Humboldt Forum zur digitalen Preview unter www.humboldtforum.org.




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Kommentare

36

Wolfgang Schoele | 29.12.2020 18:32 Uhr

Humboldt Forum im Berliner Schloss

Zum Kurzkommentar von "analog. Ein nachträgliches Urteil", dass eine Chance vergeben wurde, eine zukunftsweisende Architektur nicht umgesetzt zu haben, ist wohlfeil. Es gab zumindest 2 Wettbewerbe, in denen das Vermisste offenbar nicht vorgestellt wurde. Und auch sonst gab es offenbar keine diesbezüglichen Vorschläge, oder? .....

35

Stefan Frischauf | 18.12.2020 15:22 Uhr

Form und Inhalt

Schön, dass Friederike Meyer das große und ganze Formale im letzten Teil abschließend einleitet mit den Worten: "Doch jetzt steht das Schloss nun mal da und wir müssen mit ihm umgehen. Die Suche nach den positiven Aspekten seiner Existenz aber ist mühselig."
Auch Hanno Rauterberg hatte ziemliche Schwierigkeiten dabei, eine "Kritik" zu dem Gebauten zu verfassen. Sag ich jetzt einfach mal so.

Als ich 2016 zuletzt in der ehemaligen Mauerstadt war, da hatte die Humboldt-Uni einige Ausstellungsräume bezogen im selbigen Forum. Eine dort präsentierte Studie der Geographen zu Dhaka, eine der fragilsten Megastädte nicht nur Südasiens beeindruckte mich. Da ich selber dort unveröffentlichte Forschungen erstellt hatte und Familie dort habe kontaktierte ich den Lehrstuhl. Leider jedoch den falschen: die Humangeographen forschten in Quito / Ecuador und hatten keinen Plan davon, dass die Wirtschaftsgeographen in Dhaka forschten. Vielleicht war's auch umgedreht. Weiß nicht mehr. Ist auch egal. Das Ganze jedoch war ein weiteres erschreckendes Lehrstück für mich, wie weit die Fragmentierung von Wissen fortgeschritten sit. Und das im Namen der Humboldts, die beide nun wahrlich keine Verfechter von "Fachidiotentum" und - pardon - "Tintenpisserei" waren.
Insofern: wie man da etwas "Ganzheitlicher" auch im Sinne von Alexander und Wilhelm Humboldt die Räumlichkeiten bespielt und "Allgemeinbildung" fördert bzw. Hans-Peter Dürrs "T-Intelligenz", also eine breite Basis mit einer entsprechenden Vertikale als "Fachwissen" gesamtgesellschaftlich weiterbringt: das stellt nicht nur für dieses Bauwerk und seine Betreiber eine gewisse Herausforderung dar. Ob das Interesse daran kommt und wie sich das wiederum darstellt: auch das werden wir sehen.

34

auch ein | 18.12.2020 14:14 Uhr

auch ein

architekt
ich bin selber nur eine Kopie und finde es auch gut

33

solong | 18.12.2020 10:29 Uhr

... armseliger versuch ...

... dieser krampfhaft heterogene zwitter ... gut die "stadtnarbe" ist repariert ... sicher gut und richtig ... die manifestierung des unwillens resp. der unfähigkeit, hier etwas zukunftsweisendens zu schaffen ... ist eine große vertane chance ....

32

Wolfgang Schoele | 17.12.2020 12:56 Uhr

Schloss - Humboldt Forum - Bauaakdemie-

Anfangs ist stellt der Artikel einen guten Überblick dar, doch dann kommt die Rechthaberei. Warum ist es nicht möglich, bei gegenteiliger Ansicht das jetzige Ergebnis der weitgehenden äußeren Rekonstruktion zu respektieren, wenn man es nicht akzeptieren kann. Ein großer Teil der Bevölkerung begrüßt das Ergebnis, wenn auch ein anderer Teil den PdR vermisst. Doch, ob diesem Gebäude im barocken Umfeld eine dauerhafte Zukunft beschieden gewesen wäre, wird sicher später entschieden werden.

Der abschließende Seitenhieb auf das Bauakademiegeschehen ist jedoch unpassend. Das ehemalige Gebäude des Außenmisteriums der DDR ist Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts abgebrochen worden, so dass der Platz für den Wiederaufbau der Schinkelsschen Bauakademie gegeben war. Eine Reihe von Initiativen bemühte sich darum, leider vergeblich bis der Bund die Finanzierung der Wiederaufbaukosten beschloss und die bürgerlich-rechtliche Bundesstiftung Bauakademie ins Leben rief. diese ist bewusst in privatrechtlicher Form gegründet worden, da der Bund sich an der Finanzierung der späteren Betriebskosten beteiligen nicht in voller Höhe übernehmen will. Die Bundesstiftung Bauakademie ist satzungsgemäß gehalten, sich auf privatem Wege entsprechende Betriebsmittel zu beschaffen. Den Gremien sollen deshalb auch VertreterInnen der bauakademierelevanten Bereiche angehören. Das von Ihnen unterstellte "Durchregieren der Ministerien" ist dann nur möglich, wenn die Betreffenden sich nicht engagieren sollten. Und warum wird den Bundesvertretern unterstellt, dass sie nicht sachgerecht wirken können? Wenn die Aktivitäten des öffentlichen Bereichs gewünscht werden, bleibt doch die Frage offen, warum die privaten Initiativen nicht ausreichend finanziell unterstützt wurden, um die Bauakademie wieder zu errichten und einer zweckgerechten Nutzung u.a. seitens der dringend notwendigen Institution des Bauens zuzuführen?

31

auch ein | 17.12.2020 12:09 Uhr

architekt

@29&26:
Das ist eine Frechheit. Ich habe mir hier mit emsiger Fleissigkeit den Ruf eines kritischen Architekturdenkers aufgebaut und Sie versuchen dieses Renomee durch Plattitüden, unter meinem Namen verfasst, zu untergraben. Das in diesem Artikel behandelte Machwerk ist ein politischer und nicht architektonischer Natur und fällt deshalb nicht in mein eng eingehegtes Denkzuständigkeitsgebiet.

30

Lars K | 17.12.2020 10:45 Uhr

Das Schloss...

...darf stehenbleiben, aber den ostflügel muss man bitte so schnell wie möglich wieder entfernen. Da war ja Braunfels' Lösung schöner mit dem nach Osten offenen Innenhof. War der Vorschlag von Braunfels? Ich glaube...

29

auch ein | 17.12.2020 09:10 Uhr

architekt

@26:

DU BIST NICHT ICH ! Fake news, das Projekt ist übel!

28

maestrowe | 16.12.2020 21:21 Uhr

Tolles Berlin @Schlawuki

Klar gibt es tolle Sachen hier in Architektur-Berlin. Aber dass gerade die "Repräsentationsbauten" so vollständig daneben geraten steht doch dem Eingeborenen täglich qualvoll vor Augen, wenn er das Kulturmonstrum im Barock-Tüll öfter passieren muss.
Doch die Berliner/innen sind ja im tieferen Herzen optimistisch. In 27 Jahren ist es sowieso wieder weg! Ewiges Werden, niemals Sein!

27

XVM | 16.12.2020 16:40 Uhr

Meine Güte

Die ganzen Kommentare hier, als ob der "Fake-Schlossbau" nun den Untergang des Abendlandes bedeuten würde.

26

auch ein | 16.12.2020 16:07 Uhr

architekt

ein sehr gelungenes Projekt.

25

mehmet | 16.12.2020 16:06 Uhr

schön

... in ein paar jahren haben wir uns dran gewöhnt und können es uns nicht mehr wegdenken. Ich bin froh, dass es steht! zum einen, weil der Ort wieder "repariert" ist, zum anderen, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass einer der üblichen Verdächtigen hier etwas besseres Neues geschafft hätte. Grade lese ich die Kritik von Libeskind und bin so froh, dass es schon steht! ... Am Alex kann man sich austoben, die Museumsinsel ist wieder komplett und für einen Umgang wie beim Louvre (..Pyramide) hätte in Berlin der Entscheidungsmut ohnehin gefehlt. Berlin ist mit dem Stadtschloss ganz gut bedient.

24

maestrowe | 16.12.2020 15:25 Uhr

Spendenaufruf für den Abbruch des "Berliner Schlosses"

Es gab vor einigen Jahren einen Spendenaufruf für den Abbruch des neuen "Berliner Schlosses" einer Künstlerin. Wer weiß dazu Näheres? Ich spende sofort! Wäre das nicht ein angemessenerer proaktiver "Umgang" mit der gebauten Alptraum als einfach nur hinzuwarten, was sich entwickelt? Die Bauteile könnten dann wiederum für die Vorgartennutzung verkauft werden! Das müsste zu schaffen sein? In 27 Jahren gibt es dann was zu feiern!

23

schlawuki | 16.12.2020 15:23 Uhr

rakete

liebe berlinerinnen und berliner,

ihr habt eine so tolle stadt.
ich komm ja leider nur aus einem unbedeutenden provinzkaff namens münchen.
und muss mich jedesmal ärgern, wenn ich hier am mittleren ring an der coop bmw welt katastrophe vorbeifahren muss.
oder gleich danach am ingenhoven o2 tower.
schlimm,, echt.
aber wenn ich zu euch fahren darf, liebe berlinerinnen und berliner !
da geht die sonne auf.
dann fahr ich erst mal zu ludwig leos umlauftank.
und freu mich das er noch steht.
und so schön hergerichtet ist.
und es ein so tolles buch gibt über ihn.
oder zum raimund abraham.
und am icc vorbeizufahren ist jedes mal ein erlebnis.
ohne scheiss.

das mit dem stadtschloss habt ihr halt jetzt verkackt.
und zwar volle rakete.
aber:
na und?
ihr macht das schon gut.
ihr berliner.
alles in allem.

22

ixamotto | 16.12.2020 15:04 Uhr

@STPH

gibt's in ihrem luftschloss keine fenster?

21

STPH | 16.12.2020 13:20 Uhr

@19,20


ich dachte die Zeit des Häuserkampfs ist vorbei.

20

mrLehmann | 16.12.2020 12:51 Uhr

vorne wilhelminisch, hinten faschistisch...

als Student habe ich noch gegen diesen Irrsinn demonstriert. Dass der Bundestag bei einer so wichtigen Entscheidung für Berlin befragt wurde, zeigt dass das ganze Projekt rein politischer Natur ist. In Berlin wollten das Ding nur wenige. Das Gebäude erinnert an die dunkelsten Zeiten unseres Landes und sendet kein gutes Zeichen an die Welt - vorwärts in die Vergangenheit! Zum Glück hat sich Deutschland seit der Entscheidung weiterentwickelt, eine solche Entscheidung scheint heutzutage undenkbar. Deshalb ist das Gebäude so aus der Zeit gefallen. Eine vertane Chance, es gab so viele großartige Ideen von der Zwischennutzung bis zu den Wettbewerben. Aber das ist auch Sinnbild für die hiesige Baukultur - so viele vertane Chancen!
Aber richtig, nun steht es da und die Touristen werden hineinströmen. Ich muss überlegen, ob ich es über mich bringen kann das Gebäude zu besuchen...

19

ixamotto | 16.12.2020 11:25 Uhr

ich hasse das rekonstruierte berliner stadtschloss...

...aber am schlimmsten ist sein reaktionär-revisionistisches gesamtprogramm: ein protziger kasten aus dem zeitalter des kriegstreibenden imperialismus wird wiedererrichtet, in ermangelung jeglichen programmatischen bedarfs (der könig ist tot) packt man oben ein kreuz drauf, stellt innen triumphierend ein paar spolien aus dem vorgängerbau aus und packt es ausgerechnet (oder konsequenterweise?) mit kolonialer raubkunst voll – also "form follows function rückwärts". Dann startet man ein pr-stahlgewitter, welches ausgerechnet diese beschämende kombination zum ausdruck eines tiefen, verbindenden, ja dialogisch aufklärerischen humanismus deklarieren will. entweder: wie tief kann man sinken? oder aber: realpolitik im zeitalter des post-faktischen. friede den hütten, krieg den palästen.

18

Sternstunde | 16.12.2020 09:14 Uhr

Meckern ist Loben in Berlin

Sehr geehrte Frau Meyer, welch eine wunderbare Grabrede zur Eröffnung! Das Haus steht ja nun aber - und aus der Zeit gefallen ist eine Rekonstruktion per se. Der Drehbuchautor Wolfgang Menge hat einmal gesagt, notfalls "mit König" drin. Sicher, herausgekommen ist eine Collage. Wer anderes erwartet hat, der sei an jenes hybride Kongresszentrum zu Beginn der Debatten erinnert, halb Bilbliothek, halb Hotel mit Schiffsanlegestelle. Die Berliner, auch die Neuberliner, werden das Haus mögen. Junge Leute werden sich wundern, wenn sie unvermutet auf das Schild stoßen werden, auf dem zu lesen steht, wann es erbaut wurde. Einfach, weil es sich an diesem Ort in das Stadtbild einfügen wird. Das wissen natürlich auch die Kritiker. Ob das Humboldt-Forum als Konstrukt allerdings seinem Anspruch gerecht werden wird, nicht nur eine ausgeleuchtete Abendbühne für Politiker und Philharmoniker zu sein, tagsüber für Touristen und Schulklassen, sondern auch für jene Berliner, die noch den Palast kennen, wird spannend werden.

17

auch ein | 16.12.2020 08:27 Uhr

architekt

....die krönung wird dann noch die einheits-wippe, die nächste katastrophe.

16

auch ein | 16.12.2020 08:24 Uhr

architekt

das projekt war von anfang an gestalterisch und organisatorisch und funktional ein grauenhaftes monster.

jetzt halte ich mich an die autorin:
jetzt ist es nun mal da und wir müssen damit umgehen.

das beruhigt ein wenig, machts aber nicht besser....

15

STPH | 16.12.2020 08:09 Uhr

Bild 6

Genau diese Eckaufführung Bild 6 gibt der Barock-Fassade ihre eigentliche Bedeutung eines gelungenen Blendwerks. Das hervorbrechen von neu aus alt ist ebenfalls höchst bedeutungsvoll.

Wer leistet sich heute noch so einen politischen Häuserkampf wie wir Rückwärtsgewandte.

Die sukzessive Rekonstruktion des Charlottenburger Schlosses war nachhaltiger und somit moderner. So schnell ändern sich die Zeiten.

Polnische Denkmalpflege als Erinnerungspflege ist nachhaltiger.

14

Claus | 15.12.2020 23:49 Uhr

Provinzialität neudeutscher Stumpfheit

Am schönsten wird die Albernheit des ganzen Unterfangens eigentlich auf Bild 6 ersichtlich. Da schmiegt sich die ehrwürdige Schlossfassade an den unproportionalen Bürokratenflügel und offenbart abschließend die ganze Verklemmtheit dieses Vorhabens.

Was an diesem Bild sogar noch schöner ist, als das Unvermögen einen logischen Übergang zu erzeugen, ist diese wundervolle DIN-konforme Blechaufkantung am Gesims zum Sichtbeton hin. Das treibt einem vor lachen wirklich die Tränen in die Augen xD...Und warum hat man für das Foyer diese langweilige zentrale Halle des BND-Neubaus in anderen Materialien nachgeklont? Ebenso einfallslos, wie öde.

Die in meinen Augen einzig wirklich gelungene Stelle (keine Ironie), sind die Kolossalfiguren vor der verspachtelten GK-Wand auf Bild 23. Wäre schön, wenn die Situation so bleiben würde, aber das ist sicher nicht "angemessen" genug. Das ganze Projekt ist einfach nur eine provinzielle Posse, scheinbar tragen wir noch immer schwer am Trauma der verspäteten Nation. Wie schade.

@Fred: aus "Stoppt GMP!" sollte man eigentlich einen Hashtag machen!

Abseits vom Haus möchte ich noch auf den Kommentar von Niklas Maak in der FAZ hinweisen. Scheinbar war Thomas Albrecht von Hilmer & Sattler und Albrecht über die anhaltende Kritik an seinem Pappschlösschen so empört, dass er in Briefen an verschiedene Zeitungschefs dazu aufforderte schlosskritische Journalist*innen aus der Redaktion zu "entfernen". Was soll man da noch sagen?

13

Fritz | 15.12.2020 22:40 Uhr

ganz hübsch

sieht das Schloß auf dem 1 Foto aus.

12

latimer | 15.12.2020 20:52 Uhr

Zwitter

Dieser Versuch, die Baukulturen des Beginns des 18. Jahrhunderts, mit denen des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu vermählen, brachte eine Chimäre hervor, die nie gemocht werden wird.
Man hätte sich besser für einen Baustil entschieden - entweder eine klare Rekonstruktion bis ins Innere hinein oder eine kompromisslose Neuinterpretation mit aktueller Sprache.
Humboldt würde, angesichts der gebauten Entscheidungsschwäche unserer Zeit, vermutlich an dem Bau verzweifeln und sich eher einen Ort suchen, der Forschergeist und Neugier auf Neues ausdrückt.

11

tutnichtszurSache | 15.12.2020 20:50 Uhr

@ Herr Schoppe

Dieses Mal, kann ich nicht anders als ihnen unbedingt zuzustimmen. Als Ergänzung ihrer Auflistung fällt mir noch die Hedwigskathedrale ein....

10

Dr. Yikes | 15.12.2020 20:04 Uhr

Museum des Jahrhunderts

Gegen das Schlösschen sehen 'zeitgenössische' Neubauten ziemlich alt aus, würde ich sagen... *hust* Museum des 20. Jahrhunderts *hust* Keine Sorge, nur verschluckt.

9

Fred Konkret | 15.12.2020 18:43 Uhr

beschämend

Was müssen Leute in anderen Ländern über das Deutsche Architekturverständnis denken, wenn sie das sehen! Stoppt GMP!

8

Kein Fan | 15.12.2020 18:24 Uhr

Buchung.com

5 Sterne?
Sie müssen sich geirrt haben. Das hier ist nicht die Hotelbuchungsseite.

Gute Besserung!

7

Architekt | 15.12.2020 17:16 Uhr

Schloss

Bauliches Armutszeugnis für Berlin. Die Stadt bescheinigt sich mit der Wiederherstellung des Schlosses mal wieder eine architektonisch, bedrückende Langeweile....schade!!

6

Ein Fan | 15.12.2020 17:16 Uhr

5 Sterne

Ich gebe dem Schloss 5 Sterne!

Das ganze irgendwie "kritisch" zu sehen ist natürlich ziemlich einfach!

Aber ist es nicht auch sensationell, dass in Berlin das alte Schloss wieder aufgebaut wird - und mindestens von außen auch immer noch ziemlich gut aussieht?

Ich denke schon!

Deswegen, nochmal: 5 Sterne für das Schloss!

5

Hinrich Schoppe | 15.12.2020 16:57 Uhr

Sonst

Kann man so machen.

Wenn man sonst nichts zu tun hätte.

Fast wünschte ich mir, Corona wäre einige Jährchen früher gekommen, um so eine Vergeudung von Ressourcen zu vermeiden. Oder positiv formuliert die aufgewendeten Beträge in Nachhaltigeres, zum Wohle der Allgemeinheit gereichenden Projekte zu stecken.
Substanz zu retten, wie beispielsweise bei der Staatsbibliothek, ist bei den heutigen Vorschriften und vor allem Begehrlichkeiten schon ein Wahnsinn, aber m.E. vertretbar (ich bin parteiisch, da denkmalbesessener Arvchitekt, man verzeihe mir).
Aber die Rekonstruktion von Dingen, die niemand braucht... "Was weg ist ist weg. Und was da ist, damit ist zu arbeiten." Apropos:
Was passiert eigentlich mit den Museen in Dahlem? Abbruch zu Gunsten von Investorengold, die Grundstücke billig geschossen von der öffentlichen Hand?
Wahrscheinlich müssen sich wieder die üblichen Verdächtigen vor die Bagger werfen, siehe Institut für Hygieneforschung, Mäusebunker, ICC, Colloseum...
Ach, einfach schade.

4

Theresa Keilhacker | 15.12.2020 16:20 Uhr

Gesellschaftliche Kollisionen

Friederike Meyer's Artikel bringt es kristallklar auf den Punkt. Und weil Architektur immer auch Spiegelbild der Gesellschaft ist, haben wir es hier wohl auch mit gesellschaftlichen Kollisionen zu tun, die aufeinander geprallt sind und weiter kollidieren werden. Der teure Zankapfel im Herzen Berlin's wird weiter für Gesprächsstoff sorgen.

3

Architekt | 15.12.2020 16:14 Uhr

Orthographie

Bei so einem zentralen Projekt in der Hauptstadt wäre es schön gewesen, wenn man sich an die Regeln der deutschen (und nicht der englischen) Rechtschreibung gehalten hätte - Humboldtforum oder Humboldt-Forum, alles andere ist letztlich kulturlos - siehe auch www . duden
.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/namen#D136

2

posamente | 15.12.2020 16:08 Uhr

Las Vegas ist besser

der Alt- Neu- Kontrast funktioniert hier nicht, Die Modernen Fassaden sind zu langweilig und gleichzeitig zu leer. Sie bieten keinen Halt, keine Möglichkeit zur Auseinandersetzung.
Das Spiel Alt mit Neu funktioniert nur mit "wirklich alt" und wirklich neu", nicht mit Tapete und Kulisse. In Las Vegas geht das.

1

Ein Enttäuschter | 15.12.2020 15:53 Uhr

"nichts dahinter"

Sehr geehrte Frau Meyer,

es schmerzt Ihnen in bei jedem Satz zustimmen zu müssen. Ich hatte Gelegenheit das Haus von innen zu sehen.

 
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Das rekonstruierte Berliner Schloss, Blick auf die Westfassade mit Kuppel, Foto: Christoph Musiol

Das rekonstruierte Berliner Schloss, Blick auf die Westfassade mit Kuppel, Foto: Christoph Musiol

Die Ostfassade vom Marx-Engels-Forum aus gesehen. Foto: Christoph Musiol

Die Ostfassade vom Marx-Engels-Forum aus gesehen. Foto: Christoph Musiol

Passage mit Blick in Richtung des Alten Museums. Foto: Christoph Musiol

Passage mit Blick in Richtung des Alten Museums. Foto: Christoph Musiol

Foyer mit Eosander-Portal und dem Medien-Kosmograf von Holzer Kobler. Foto: Alexander Schippel

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